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Überlebenskampf von Nokia Siemens Networks

Leipziger Standort soll geschlossen werden

von Jonas Böhm
Mittwoch, 01. Februar 2012

17.000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, gab Nokia Siemens Networks bekannt. In Deutschland sind davon fast 3.000 Arbeitsplätze betroffen. Auch der Leipziger Standort soll dicht machen.

Macht dem Festnetz Konkurrenz: Das Mobiltelefon (Foto: Christoph Droste/pixelio.de)

Das deutsch-finnische Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) steckt in der Krise - in einer Krise von roten Zahlen in Milliardenhöhe. Bis 2013 soll nun fleißig gespart werden. Das Mittel der Wahl: Stellenabbau. Insgesamt 30 Standorte sollen allein in Deutschland geschlossen werden. Das Telekommunikationsunternehmen möchte sich hier zukünftig auf die fünf Standorte Berlin, Bonn, Düsseldorf, Bruchsal und Ulm konzentrieren. Damit einhergehend möchte NSN nur noch in den mobilen Internetzugang investieren.

"Wir müssen in Deutschland diesen schwierigen Schritt machen, um sicherzustellen, dass Nokia Siemens Networks ein wirtschaftlich nachhaltiges Unternehmen ist. In Deutschland konzentrieren wir uns auf unsere starken Kundenbeziehungen und auf unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich Mobiles Breitband, besonders LTE und optische Netze", gab Hermann Rodler, Country Director von Nokia Siemens Networks in Deutschland, bekannt.

Konzentration auf eigene Stärken

Nokia Siemens Networks (NSN) gehört zu den weltweit größten Telekommunikationsanbietern. Bisher bedient das Unternehmen die Bereiche Mobilfunk, Festnetz und konvergente Netze sowie Dienstleistungen rund um Telekommunikation. Das deutsch-finnische Joint Venture wurde am 1. April 2007 ins Leben gerufen.

Website von Nokia Siemens Networks Deutschland

Rund 1.600 Mitarbeiter aus den zu schließenden Betrieben sollen an die verbleibenden Standorte übernommen werden. Schon im November vergangenen Jahres hatte NSN, das in insgesamt 150 Ländern vertreten ist, angekündigt weltweit rund 17.000 Stellen zu streichen.

Jozefa Terloo, Pressesprecherin von NSN, erklärt, dass ihr Unternehmen mit dem wachsenden Wettbewerbsdruck unter den Netzbetreibern zu kämpfen hat. Daher möchte sich NSN ausschließlich auf das mobile Breitband, also den schnellen, drahtlosen Internetzugang, konzentrieren. Durch die "Digitalisierung des Lebens" sei hier ein Markt von über 70 Millarden Euro entstanden, auf dem NSN verstärkt tätig werden möchte.

Leipzig soll geschlossen werden

Der Leipziger Standort befindet sich im ehemaligen RFT Fernmeldewerk in Stötteritz. Der Schwerpunkt liegt auf dem Vertrieb und Kundenservice mit einem angeschlossenen Callcenter.

In Leipzig sind rund 170 Mitarbeiter beschäftigt. Eine Zukunft wird für den Standort nicht gesehen. "Es geht nicht nur um Personalabbau. Was wichtig ist, ist, dass wir unser Unternehmen neu aufbauen und uns nur auf die Geschäftsfelder konzentrieren, in denen wir Geld verdienen können und in denen wir schon jetzt stark sind", so Terloo. Leipzig würde lediglich dem Verkauf dienen, hätte jedoch weder eine nennenswerte Produktion noch Forschung im Bereich der Telekommunikation vorzuweisen. Außerdem würde NSN rund 80 Prozent seines Geschäfts mit mobilem Breitband in Nordrhein-Westfalen abwickeln. Leipzig fehle damit die Nähe zum Kunden.

Die deutschlandweiten Schließungen sollen nach den Plänen von NSN bis Ende 2012 abgewickelt werden. Beschlossen ist jedoch noch nichts. Auch über fällige Entschädigungszahlungen für entlassene Mitarbeiter kann Terloo noch nichts sagen. "Wir haben ein gemeinsames Ziel und das ist, dass unser Unternehmen überlebt. Von daher werden wir gerne diesen Dialog führen, aber was dann inhaltlich herauskommen wird, können wir nicht voraussehen", sagte Terloo.

Fortbestand auch ohne NSN?

Die Arbeitnehmervertreter geben sich kämpferisch. Nach einer außerordentlichen Betriebsversammlung sind heute Mitarbeiter protestierend vor die Münchener Zentrale gezogen. In Leipzig gilt der Verweis auf fehlendes Potenzial als Versagen des Managements. Bernd Kruppa, erster Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig, verweist auf eine wachsende regionale Industrie.

Zusammen mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft soll die Telekommunikationsbranche in Leipzig gehalten werden. "Wir werden jetzt Konzepte entwickeln, die auf Fortsetzung abzielen. Ob unter dem Dach von Nokia Siemens oder nicht ist erst mal nachrangig. Wichtig ist, dass wir das Know-how in der Region halten. Und ich glaube, dass ist auch im Interesse der Leipziger Wirtschaft", meint Kruppa. Geht es nach ihm, könnten Festnetz und mobiles Breitband gut miteinander vernetzt werden.

Audio: Studiogespräch zu den geplanten Schließungen von Nokia Siemens Networks (Sarah Klößer, Moderation: Christoph Kotschate)

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