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Blood Red Shoes, ägyptische Revolution und die Insel Leipzig
"Kiste egal ein Euro!"
Jeden Samstag findet an der Jahnallee vor dem Stadion ein Obst-und Gemüsemarkt statt. Das Besondere: Orangen, Ananas, Paprika und Co. gibt es zum Dumping-Preis, in der Regel kostet nichts mehr als einen Euro. Aber wie kann es sein, dass auf diesem Markt alles so billig ist?

Kurzinfos
Marktzeiten: Samstags von 7:00-15:30, außer bei Sportereignissen im Stadion
Einziger privat betriebener Wochenmarkt in Leipzig
Besteht seit 1990
Hannah Kappes und Moritz sind der Spur des Dumping-Gemüses von der Jahnallee bis zum nächtlichen Einkauf auf dem Großmarkt gefolgt. Dort haben sie auch den niederländischen Großhändler Peter Timmer getroffen.
„Kiste egal ein Euro!“ - rufen die Händler, die vor dem Leipziger Zentralstadion ihre Stände aufgebaut haben. Rund 140 sind es, aus 14 Nationen. Bei ihnen kostet das Netz Orangen einen Euro, um 14 Uhr gibt es schon zwei für einen Euro und kurz vor Abbau drücken sie ihren Kunden auch mal eine ganze Kiste in den Arm. Selbst wenn ein Teil der Früchte schon schimmelt, ist der Markt bei vielen ein Renner – beliebt bei Studenten, einkommensschwachen Familien und Durchschnittsleipzigern.
Resteverwertung statt Abfallentsorgung
Wo die Waren herkommen, ist den Käufern meistens nicht bewusst. Stutzig wird höchstens, wer an Avocados, Salatköpfen oder abgepackten Kräutern vereinzelt die Aufkleber von Supermarkt-Ketten entdeckt. Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Überhänge, die im Supermarkt keine Käufer finden, werden an Händler auf dem Leipziger Großmarkt verkauft. Diese wiederum geben sie zu günstigen Preisen an die Händler vom Jahnalleemarkt weiter. Supermärkte sparen so die Entsorgungskosten und die Markt-Kunden kommen zu günstigen Vitaminen.
Lagern bis zum Letzten
Aber nicht alle Waren sind Restposten der Supermärkte. Viele der Händler haben nicht nur einen Stand am Stadion, sondern verkaufen auch unter der Woche in der Innenstadt oder in anderen Städten - allerdings zu höheren Preisen. Können sie ihre Waren dort nicht vollständig verkaufen, beispielsweise weil die Kundschaft bei schlechtem Wetter ausbleibt, lagern sie die Reste ein und bringen sie am nächsten Samstag zum Jahnalleemarkt. Das erklärt auch die Qualität: durch die zahlreichen Transportwege und die längere Lagerung sind Obst und Gemüse zum Teil nicht mehr frisch. Das kalkulieren viele Kunden jedoch mit ein: Wer genau hinsieht, vergleicht und seinen Einkauf zu Hause nicht mehr lange liegen lässt, kann auf dem Jahnalleemarkt durchaus gut und günstig einkaufen.
Hartes Geschäft im Winter
Allerdings klagen die Händler darüber, dass sich vor allem in den Wintermonaten das 1-Euro-Prinzip für sie nicht rentiere. Bei Regen oder Schnee fehle die Kundschaft, dazu kämen zu hohe Ausgaben für Steuern, Benzin, die Lagermiete beim Großmarkt und die Standmiete am Stadion. Im Winter das Geschäft ruhen zu lassen, sei keine Option: In dieser Zeit arbeitslos zu sein sei schlimmer, als das Minus in Kauf zu nehmen und es durch das Geschäft im Sommer wieder auszugleichen. Auch die Preise für Obst und Gemüse von einem auf zwei Euro zu erhöhen, ginge nicht: Zu sehr seien die Leipziger an das 1-Euro-Gesetz gewöhnt.
Audio: Reportage Jahnalleemarkt (Hannah Kappes)



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