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Besuch aus israelischer Partnerstadt Herzliya

"Brücken bauen, obwohl es noch wehtut"

von Astrid Wulf
Mittwoch, 25. Januar 2012

Acht Partnerstädte hat die israelische Stadt Herzliya in Europa. Leipzig ist seit gut vier Monaten eine davon und zudem die erste Partnerstadt, die Yael Geman besucht. German ist die Oberbürgermeisterin von Herzliya und gemeinsam mit einer Delegation von heute bis übermorgen in Leipzig zu Gast.

Burkhard Jung und Yael German im Neuen Rathaus (Foto: Astrid Wulf)

Seit 1998 ist Yael German als Bürgermeisterin von Herzliya im Amt. Die israelische Stadt mit rund 83.000 Einwohnern liegt am Mittelmeer, 15 Kilometer von der Metropole Tel Aviv entfernt. Dort unterzeichneten German und der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung Mitte September vergangenen Jahres die Städtepartnerschaftsurkunde. Zurzeit besucht German, zusammen mit israelischen Kollegen, erstmals die Partnerstadt Leipzig und erstmals überhaupt eine Partnerstadt Herzliyas.

Brücken bauen, ohne die Vergangenheit zu vergessen

Gleich zu Beginn ihres Besuchs trug sich die israelische Bürgermeisterin im Neuen Rathaus ins Goldene Buch der Stadt ein. Am frühen Nachmittag war sie dann im Stadtrat zu Gast. Oberbürgermeister Jung betonte, dass vor dem Hintergrund des Holocaust, Freundschaft und Versöhnung nicht selbstverständlich seien. 13.000 Menschen umfasste die israelitische Religionsgemeinde vor dem Nationalsozialismus, nach dem Zweiten Weltkrieg waren es 24. Heute wächst die Gemeinde wieder: Mehr als 1.300 jüdische Gläubige gehören ihr an. Jung sagte auch, er hoffe, dass Brücken zwischen den Bürgern der zwei Städte gebaut werden - ohne dabei den Massenmord an Millionen von Juden zu verdrängen. Die Vergangenheit dürfe nicht vergessen werden, hob ebenfalls Yael German hervor. Deshalb seien die Gegenwart und die Zukunft von großer Bedeutung: Gerade weil die Vergangenheit noch wehtue, sei es wichtig, Brücken zwischen Deutschland und Israel zu schlagen, so die israelische Bürgermeisterin. Beide Städte verbinde die Liebe zur Kultur. Herzliya wolle außerdem von Leipzig lernen, vor allem in Bezug auf den öffentlichen Wohnungsbau, Transport und Verkehr sowie Bildung. Der Jugendaustausch liege ihnen besonders am Herzen, unterstrichen sowohl German als auch Jung. 

Israel sehnt sich nach Frieden

Vor den Stadträten erzählte German aus ihrer Heimatstadt: In Herzliya werde derzeit vor allem für die Sicherheit Geld ausgegeben. Häuser würden zum Schutz vor atomaren, chemischen und biologischen Angriffen aufgerüstet, denn die Menschen seien einer ständigen Gefahr aus Iran und Syrien ausgesetzt. Die Konsequenzen der angespannten, innenpolitischen Lage im Nachbarland Syrien für Israel können derzeit schwer eingeschätzt werden. Den möglicherweise nuklear aufgerüsteten Iran sieht Israel als existenzielle Bedrohung an, so auch die Einschätzung des Auswärtigen Amtes. Auch durch den Konflikt zwischen Israel und Palästina kommt es immer wieder zu neuer Gewalt in der Region. Dabei sehnten sich die Israelis nach Frieden, sagte German. Das habe die Geschichte des israelischen Soldaten Gilad Shalit gezeigt. Nach fünf Jahren Gefangenschaft durch die radikal-islamische Hamas wurde er im Austausch gegen mehr als tausend palästinensische Häftlinge im Oktober 2011 freigelassen. Große Teile der israelischen Bevölkerung hatten sich für die Rettung Shalits eingesetzt.

Viele Gespräche und eine Straßenbahn

Nach dem Auftakt im Neuen Rathaus stehen für die israelische Bürgermeisterin unter anderem Gespräche im Ariowitsch-Haus, dem Begegnungszentrum für jüdische Kultur, sowie im Reclam- und Klinger-Gymnasium auf dem Programm. Außerdem wird German in alter Städtepartnerschaftstradition eine Straßenbahn auf den Namen "Herzliya" taufen. Am Freitag nimmt die Politikerin an einer Feier zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus teil. Für German ein Anlass mit persönlichem Bezug: Wie mehr als eine Million Juden wurden auch ihre Großeltern im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau umgebracht. Der Holocaust sei eine offene Wunde, die noch immer schmerze. Umso mehr müsse der Blick auf eine bessere Zukunft gerichtet werden, so die Ansicht Germans.

Junge Partnerschaft

Weitere Informationen:
Städtepartnerschaft
Herzliya (Hebräisch)

Bereits vor gut drei Jahren war Burkhard Jung mit einer Delegation aus Leipzig in Herzliya zu Gast und verbrachte dort den Tag der Deutschen Einheit. Die Beziehungen zwischen den Städten wuchsen, auch mithilfe des Verbandes ehemaliger Leipziger in Israel. Am 18. September 2011 wurde die Partnerschaftserklärung dann unterschrieben. Leipzig ist damit die erste Stadt in den neuen Bundesländern, die eine Partnerschaft mit einer israelischen Stadt eingegangen ist. Das ist für Oberbürgermeister Jung ein neues Kapitel für die deutsch-israelischen Beziehungen. Für Mai ist die zweite Bürgerreise nach Israel geplant. Interessierte Leipziger können dann Herzliya, Tel Aviv und Jerusalem kennenlernen.

Audio: Interview mit Yael German über Leipzig, Herzliya, den Holocaust und die Konflikte Israels (Astrid Wulf)

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