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Blood Red Shoes, ägyptische Revolution und die Insel Leipzig
Tag 4: "Work hard - Play hard"
Hart Arbeiten, hart Spielen: Im englischen Sprachraum ein Sprichwort, trifft es auf die Unternehmenskultur vieler "Major Player" voll zu. Die totale Vereinnahmung des Lebens im Sinne des optimalen Wachstums.

»Work hard - Play hard« von Carmen Losmann
Einsam sitzt er auf der Bank, die Tristesse des Innenhofes erinnert an ein Gefängnis. Das Smartphone in der Hand. Die Konnektivität nach außen. Oder zum Mailpostfach? Zum Job? Diese Einstellung vereint vieles. Da wartet einer auf das Ergebnis aus dem »Assessment-Center«. Einsam, sehnsüchtig nach Kontakt, zittrig. Und trotzdem voll drin im System.
Aber das ist kein Mensch. Das ist Humankapital. Und das muss optimiert werden. Genauso wie die Sprache, die hier gesprochen wird. Der »cultural change« hält mit den »booking work places« Einzug in die deutschen Unternehmen. Wer nicht mitmacht beim »change« muss eben mit »Leidensdruck« (Achtung: Originalzitat) forciert werden. Da zuckt keiner in der Runde, wenn das gefordert wird. Das System funktioniert. Und zwar bei allen.
Keine wohlige Distanz
Aber als Zuschauer kann man sich nicht distanzieren. Die Beklemmung ist omnipräsent. Regisseurin Carmen Losmann unterlegt die Szenen mit subtil bedrohlicher Musik. Der Fingerzeig geht Richtung Gesellschaft: Da hängen wir irgendwie mit drin. Da ist auch unser System.
Die Kamera untermalt das. Ganz ruhig hält sie drauf. Ausgerichtet an den Vertikalen und Horizontalen der modernen Bürogebäude. Am Schluss fährt das Bild langsam auf ein Wandmuster zu. Wie eine Blase biegen sich da Einsen und Nullen heraus. Die Vergößerung steigert sich ins Unendliche. Dann: Schwarzblende mit Tusch. Man hat das dumpfe Gefühl: Irgendwann platzt die Blase. Die richtige Krise kommt noch.



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