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Tag 3: "Schönheit" & "Decrescendo" & "Argentinian Lesson"

von Hans Jakob Rausch
Freitag, 21. Oktober 2011

Relative und absolute Schönheit. Drei Filme spüren dem Konzept nach und liefern Bilder, Worte und Stille.

Ganz genau hinhören: Janek und Marcia in der Fremde (Foto: W. Staroń)

»Schönheit« von Carolin Schmitz

Trailer

Was sind das für Menschen, die sich die Brüste vergrößern und den Magen verkleinern lassen? Wer lässt sich die Vaginalwand unterpolstern? Carolin Schmitz besucht einige dieser Menschen. Zuhause, bei der Arbeit, in der Klinik. Und lässt sie erzählen.

Die Bilder sind tableauartig inszentiert. Die Figuren stehen in streng komponierten Arrangements und erzählen. Was sie erzählen, grenzt allein schon ans Absurde. Aber Carolin Schmitz kann sich den Witz nicht verkneifen. Sie montiert die Bilder so, dass zwangsläufig Pointen entstehen. Der Schönheitschirurg »springt« dann von Zimmer zu Zimmer in seiner Praxis und präsentiert erst seinen Wohlstand und dann den Behandlungsstuhl.

Diese Menschen werden zum Gespött einer sich geschmacklich überlegen fühlenden Zuschauerschaft. Im Prinzip nicht viel anders als die Realitydokus im Fernsehen.

 

»Decrescendo« von Marta Minorowicz

23 Minuten, um zu ergründen, was Schönheit sein kann. Marta Minorowicz reicht diese Zeit aus. Warum? Weil sie sehr genau beobachtet hat, sich viel Zeit für die Recherche genommen hat, und nun die richtigen Bilder liefert.

Tomasz arbeitet als Pfleger in einem Altenheim in Krakau. Er ist engagiert. Tanzt mit dem Alten, geht mit ihnen hinaus, hört ihnen zu. Er selbst ist eine schillernde Figur - er schminkt sich, bewegt sich mit graziler Gestik. Das bereichert den Film um eine weitere Ebene.

Das Decrescendo verlangt ein Leiserwerden der Musik. Es ist eine Bereicherung, es befüllt die Dynamik, hier also das Leben. Der Film findet das Schöne im Zarten, Leisen und Vergänglichen. Ein großer Film - ganz kurz.

 

»Argentinian Lesson« von Wojciech Staroń

Der Film feiert das Schmalfilmformat 16mm mit traumwandlerischen Bildern. Im Gegenlicht färbt Staroń die Aufnahmen in sanftes Gelb. Die Handkamera ist ganz nah am Gesicht des achtjähirgen Janek. Er taucht seinen Kopf ins schäumende Flusswasser - das Bild verlangsamt sich. Alles fällt in diesen Moment zusammen: Die Fremde, das Neue, die Freundschaft, die Kindheit. Walter Benjamin sagt, der Film lege mit seinen technischen Möglichkeiten von Vergrößerung und Zeitlupe das optisch Unterbewusste frei, so wie die Psychoanalyse das geistig Unterbewusste. Hier findet Benjamins Analyse seine stärkste filmische Auslegung.

Wojciech Staroń begleitet seinen Sohn in der neuen Heimat in Argentinien. Eine Geschichte der Reife. Nah am Spielfilm. Vieles wirkt inszeniert. Na und? Gut so! Staroń sagt im Gespräch im Anschluss an den Film den klügsten Satz des gesamten Festivals: Was auf der Leindwand zu sehen ist, ist immer Fiktion.

Darin liegt oft die tiefste Wahrheit.

 

»Schönheit«: Fr, 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels
»Decrescendo« & »Argentinian Lesson«: Sa, 20 Uhr, Polnisches Institut

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