Programmvorschau
Online-Redaktion
Tel.: 0341 / 97 37 976
Fax: 0341 / 97 37 999
online(ät)mephisto976.de
Pistenfahrplan
Blood Red Shoes, ägyptische Revolution und die Insel Leipzig
Tag 2: "Vivan las antipodas!" & "Peak"
Argentinier sind faul, Chinesen ganz wuselig, aber fleißig. Und Afrikaner leben mit Löwen in der Savanne. Klischees sind was tolles. Aber bitte nicht im Film! Ein Österreicher zeigt, wie man es besser macht.

"Vivan las antipodas" von Victor Kossakovsky
Schöne Bilder - die hat der Film, sicherlich. Aber ansonsten herrscht hier erschreckende Konzeptionslosigkeit. Kossakovskys Ansatz ist simpel: Gehe zu jeweils zwei Orten, die auf der Erdkugel einander gegenüberliegen und filme, was dort zu sehen ist. Zumindest das zieht er durch.
Im Vorspann heißt es zwar, es würden nur bevölkerte Orte gezeigt, aber wenn nun mal keiner da ist - es wird gefilmt. Deshalb ist in Spanien ein Fels mit einem Schmetterling drauf zu sehen. Aber der Fels sieht aus wie ein Wal, und weil in Neuseeland (das ist der Antipode von Spanien) ein Wal gestrandet ist, wird der gefilmt. Schuss, Gegenschuss, Schuss, Gegenschuss. Ah, der Wal und der Stein sehen einander ähnlich. Aber vielleicht ist es noch nicht gannz klar, deshalb wird beides nochmal in ein Bild montiert. Dann hat es wirklich jeder begriffen. Subtilität? Fehlanzeige.
Und sowieso: Denken muss hier niemand. Alles reine Oberfläche: Berge, Blumen, Wasser, Hochhäuser, Autos, Lava, Steine, Löwen, Giraffen und ein gestrandeter Wal. Die Welt ist so schön. Wellnessdoku at it's best.
Die Menschen interessieren Kossakovsky nicht. Sie bleiben Statisten im Panorama. Und damit gefangen in Klischees: Fleißige, trippelnde Chinesen, faule Argentinier, einsame Russen. Dieser Film wiegt den Zuschauer in wohlgenährten Vorurteilen.
"Peak" von Hannes Lang
Panorama. Die Alpen. Hier erfüllt das Pittoresque eine Funktion. Im Gegenschuss die futuristischen Schneemaschinen. Plastikplanen. Der Gletscher weicht zurück und die Technik soll ihn aufhalten. Bagger graben riesige Bassins in den Fels. Das Schmelzwasser im Sommer dient als Vorrat für den Kunstschnee im Winter. Soll will die Stadt der Natur etwas zurückgeben (siehe Bild). Und die Touristik retten.
Schwarzblende. Im Tal wuchert der Wald. Die Jungen verschwinden, zurück bleiben die Alten. Die Natur erobert wieder das einstige Kulturgebiet.
Es sind zwei entgegengesetzte Entwicklungen, die Hannes Lang zusammenbringt. Aber es gibt kein Gegeneinander, keine Anklage. Die Bilder wirken ohne den erhobenen Zeigefinger. Das Potential liegt in der Montage - im Zusammenfügen der Bilder. Hier entfaltet sich vieles, was ohne Worte funktioniert.
Der Film erfordert einen mündigen, kritischen Zuschauer, der die Bilder zusammendenkt. Die Gestaltung hat dabei eine großartige fiktionale Qualität. Man erkennt den inszenatorischen Willen des Regisseurs. Alles fügt sich. Ein echtes Werk und großartiges Kino!
Vivan las antipodas: Fr, 22 Uhr, Schaubühne Lindenfels // Sa, 10.30 Uhr, CineStar
Peak: Fr, 10.30 Uhr, CineStar



hören
herunterladen
Beitrag empfehlen / kommentieren
Kommentar abgeben