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Tag 1: "Life, a Long Way Away" & "Generation Kunduz - Der Krieg der Anderen"

von Hans Jakob Rausch
Mittwoch, 19. Oktober 2011

Zwei Länder, zwei Filme. Und in beiden Fällen der Zugang über deren Menschen. Doch in der Umsetzung vollkommen verschieden.

Die "Generation Kunduz" zwischen Talbian Terror und Luftangriffen (Foto: M. Gerner)

"Life, a Long Way Away" von Marc Weymuller

Am ersten Tag wurde im internationalen Wettbewerb "Life, a Long Way Away" gezeigt. Regisseur Marc Weymuller blickt auf ein ablegenes Dorf in der portugiesischen Provinz. Ganz ruhig, im Rhythmus des Tagesablaufes, nähert er sich zwei Figuren. Dem Priester und dem Poeten. Zwei Männer, zwei Leben, zwei Perspektiven. 

In gedeckten Farben und sorgfältig kadrierten Einstellungen werden das Dorf und die umgebende Natur gezeigt. Dann ganz nah die Gesichter, Hände, die dichte Textur der Häuserfassaden.

Der Film funktioniert als literarisch-biographisches Porträit eines Dorfes. Wie aus der Zeit gefallen. Leider vertraut der Film zu sehr seinen Bildern. Aber mit einer digitalen Videokamera gedreht, gehen viele Details und Farben verloren. Der Film büßt dadurch einiges von seiner optischen Qualität ein.

 

"Generation Kunduz - Der Krieg der Anderen" von Martin Gerner

Trailer

Kunduz. Eine Stadt, die Deutschen in den Ohren klingt. 2009 wurden durch einen Luftangriff deutscher Truppen fast 150 Menschen getötet. Viel mehr wird in den Medien von diesem Ort nicht vermittelt. Martin Gerner versucht sich an einer Neuausrichtung dieses Bildes. Er spricht mit jungen Afghanen und begleitet sie bei ihrer Arbeit: Eine junge Frau macht Radio; ein junger Mann dreht Filme, in denen er die Rolle der Frau thematisiert. Die Gesellschaft scheint im Aufbruch. Aber immer präsent ist der Krieg: Kampfjets donnern am Himmel, nachts erhellen Explosionen die Stadt. Zwischen ISAF Angriffen und Taliban-Terror findet das Leben statt. 

"Generation Kunduz" ist eine klassische journalistische Arbeit. Ganz anders als Weymullers Film ist hier nichts inszeniert. Die Bilder sind authentisch, eine spezifische Bildsprache wird nicht entwickelt. Das soll keinen Makel bedeuten. Gerner hat lediglich seine Schwerpunkte anders gesetzt. Politische Relevanz hat sein Film in jedem Fall. Die ganz große Kunst ist er wohl nicht. 

 

Life, a Long Way Away: Fr, 17 Uhr, CineStar
Generation Kunduz: Do, 19.30 Uhr, CineStar // So, 20.15 Uhr, Filmeck

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