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Tag 2: Babys und Maschinengewehre

von Fanny Kniestedt & Hans Jakob Rausch
Freitag, 11. November 2011

Die politische Bühne: Eine Schießbude. Das Baby: Ein Maschinengewehr. Und dazu: Krieg, Verzweiflung und the American Way of Life. Ganz schön viel auf einmal. "Ich - Das Maschinengewehr" feuert als allen Rohren.

Schießen, Schreiben, Anklagen: Ich bin ein Maschinengewehr. Und zwar ein lautes. (Foto: D. Anoufriev)
"Ich - das Maschinengewehr" von Wladimir Pankow & Juri Klawdijew

Einsam sitzt der alte Mann am Tisch und schneidet Brotscheibe um Brotscheibe. Ihm gegenüber: Eine junge Frau. Sie blickt apathisch in die Leere. Ihr einziges Kind: Ein automatisches Gewehr. Im Hintergrund ist ein Gerüst mit mehreren Ebenen aufgebaut. Darauf bewegen sich die großen Figuren der politischen Weltbühne. Obama, Sarkozy, Putin, ja und auch Merkel. Sie sind Schießbudenfiguren. Wenn sie mal ans Mikro dürfen, dreschen sie Phrasen. 

American Way of Life

Dann singt die junge Frau die ersten Zeilen aus "Hotel California": "On a dark desert highway, cool wind in my hair [...] Up ahead in the distance I saw a shimmering light". Freiheit, Hoffnung, Lebenslust. Ergo: American Way of Life. Die Russische Föderation nutzt zur Durchsetzung augenscheinlich ähnlich Methoden, wie die Vereinigten Staaten, allen voran kriegerische. Die thematische Spannbreite im Stück reicht dabei vom Zweiten Weltkrieg bis zu den aktuellen Krisen in Tschetschenien. Alles findet Erwähnung, alles wird angeschnitten. Dem Maschinengewehr werden dabei offenkundig omnipotente metaphorische Eigenschaften zugesprochen. Jedenfalls taucht es nicht nur im Titel, sondern auch ständig auf der Bühne auf. Allen voran als Baby in weißen Laken.

Wut im Bauch

Das Stück ist ein großes Weh- und Anklagen. Man spürt die Wut des Regisseurs in allen Sätzen. Laut brüllend, werden der staatlichen Autorität die geballten Fäuste entgegengestreckt. Die Musik ist ohrenbetäudend, das Licht blitzt grell in die Augen der Zuschauer. Angenehm ist das zwar alles nicht. Aber auch nicht wirklich anstrengend. Eher angestrengt. So, als solle hier mit aller Kraft das Unbehagen erzeugt und die Plaisir vertrieben werden. "Die Medizin muss bitter schmecken, sonst wirkt sie nicht", scheint es aus allen Fugen zu dröhnen. Aber die Zwischentöne gehen in dieser Kakophonie der Anklage zu schnell unter.

Laut, lauter, Tonstörung

Eine "Tonstörung" ist das nicht im besten Sinne, leider. Eher provinziell anmutende Pseudoprovokation. Aber wenigstens eine laute. Warum das Stück im Programm läuft, ist deshalb offenkundig. Eine bisschen weniger kunstideologische Programmatik hätte allerdings nicht geschadet.

Hören Sie hier das Gespräch mit Redakteurin Fanny Kniestedt:

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