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Blood Red Shoes, ägyptische Revolution und die Insel Leipzig
Tag 1: Mord und Puppe
Ein Mann allein auf der Bühne. Er erzählt von brutalen Sexualmorden. An beiden Händen trägt er Puppen. Das Stück heißt "Jerk" und erzählt vom Serienmörder Dean Corll und seinen beiden Komplizen. Viel Ausstattung braucht Regisseurin Gisèle Vienne nicht, um den Horror erfahrbar zu machen.

"Jerk" von Gisèle Vienne
Schweiß und Speichel fliegen über die Bühne, wenn Jonathan Capdevielle die Morde nachstellt. Der Fall ist historisch, Dean Corll ermordete Anfang der 1970er Jahre mindestens 28 Menschen in den USA. Meist junge Männer. Aber eigentlich spielt Historizität hier keine Rolle. Die Performance funktioniert, weil sie das nicht Zeigbare visualisiert. Die Puppen dienen Capdevielle als abstrahiertes Werkzeug und Gegenpart, mit dem er kommunizieren kann. Sie sind die Figuration des Grauens. Gleichzeitig ist alles explizit und drastisch. Die Gewalt, der Sex, die Geräusche. Capdevielle imitiert alles bis ins Detail.
Das Stück lebt vor allem von seinem Darsteller. Der verschmilzt zusehends mit seiner Rolle, irgendwann verschwindet Capdevielle und David Brooks erscheint. Die Irritation liegt auch in seiner Sanftheit. Capdevielle trägt Muscle-Shirt und Tatoos, aber sein Gesicht ist fein gezeichnet, sensibel. Die Handpuppen haben verzerrt lachende, weiß-getünchte Gesichter mit rot-verschmierte Mündern. Darin ähneln sie Chuky, der einen Ikone des klassischen amerikanischen Horrorfilms. Der Wahnsinn und die Verstörung liegen auf diesem schmalen Grad. Darin trifft es den Nerv.
Hören Sie hier das Gespräch mit Kulturredakteur Hans Jakob Rausch:



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