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CD der Woche

Spaceman Spiff - "...und im fenster immer noch wetter"

von Anne Koch
Montag, 21. März 2011

Ich träumte, ich ging mit Scherenhänden durch die Straßen von Hamburg, Schnee tauchte die Stadt in klares schwarz weiß. Das Gefühl irgendwo ist immer woanders verwirrte mich. Ich begann, mit Photonenkanonen auf Elefanten zu schießen. Dabei versank ich im Treibsand und mir wurde klar: Es ist Zeit zu Bleiben. Zeit, ab heute immer jetzt die CD der Woche zu hören. Die kommt übrigens von Spaceman Spiff.

...und im fenster immer noch ein weltraummensch. (foto: f. krause)

Weltraum erkundet

Manchmal soll man über etwas schreiben, das man so gut findet, dass man ihm mit keiner Beschreibung gerecht wird. Das neue Album des Musikers Spaceman Spiff ist für mich so ein Fall. "...und im fenster immer noch wetter" könnte man nach dem ersten Hören schnell in der Schublade "Betroffenheitspop" verschwinden lassen, es schön finden und nicht weiter darüber nachdenken. Doch das würde diesem kleinen Wunderwerk in keiner Weise gerecht werden, es wäre schlichtweg eine Beleidigung. Ja - dieses Album ist melancholisch, bisweilen tieftraurig, aber genauso ist es ein Verweigern der Resignation und ein Bombast an Optimismus. Es kommt eben nur darauf an, wann, wo und wie man es anhört.

Instrumente gefunden

Spaceman Spiffs erstes Album "Bodenangst" war ein Rohdiamant: eher aus Zufall aufgenommen, innerhalb von nur einer Stunde, wertvoll in seiner Schlichtheit, minimal besetzt mit Akustikgitarre und der Stimme von Hannes Wittmer, der sich seinen Namen bei Bill Wattersons "Calvin & Hobbes" abgeschaut hat. "Bodenangst" ließ das erahnen, was bei "...und im fenster immer noch wetter" jetzt einen Feinschliff erfahren hat. Das Album wirkt überlegter, strukturierter und ist vor allem musikalisch versierter. Spaceman Spiff hat sich eine ganze Reihe Musikerfreunde ins Raumschiff geholt, die seinen Worten mit Klängen von Klavier über Cello bis Akkordeon noch harmonischer Nachdruck verleihen, als es seine einsame Gitarre auf dem Vorgänger schon vermochte. Ein auf dem Dachboden gefundenes Reiseharmonium verwandelt "Photonenkanonen" in eine kleine, leise Hymne an das "trotzdem!" und in Elefanten sorgen ein beschwingtes Banjo und schiefe Takte für einen zum Glück eben nur fast-Radiohit.

unterwegs:
22.03. hamburg - prinzenbar
24.03. coburg - sonderbar
25.03. saarbrücken - sparte 4
26.03. köln - aetherblissement
11.04. hannover - loge 13
27.04. kiel - prinz willy
06.05. helmstedt - street poetry abend
13.05. husum - speicher

Album verlegt

Erschienen ist Spaceman Spiffs zweites Album nicht bei einem Plattenlabel, sondern bei einem kleinen Indepentent Buchverlag namens mairisch - ein Statement äußerst sympatischer Andersartigkeit und bei längerem Überlegen die sinnvollste Konsequenz. Vielleicht, weil die Texte ebenso wunderbar in einem Lyrikband aufgehoben wären. "Jetzt steh ich hier, wie die Axt im Wald und wollt doch eigentlich ein Baum sein" - Spaceman Spiff packt all seine Gedanken und Gefühle in Metaphern und Wortspielereien, ohne in Phrasen zu verfallen. Dieses Album ist groß, viel größer als es nach außen scheint und viel größer, als sich Spaceman Spiff vielleicht selbst bewusst ist.

Das Album ist seit 18. März erhältlich, zum Beispiel auf der Homepage von Spaceman Spiff.

Was Spaceman Spiff zu seiner Musik und seinem neuen Album sagt, können Sie hier nachhören:

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