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"Das Schiff des Torjägers"

Ein Film über Fussballstars und Kinderhandel

von Jonas Böhm
Mittwoch, 20. Oktober 2010

Vor neun Jahren stand es überall in den Zeitungen: Vor Afrikas Küste wurde ein Schiff aufgebracht - mit über hundert Kindersklaven an Bord. Heidi Specogna griff dieses Ereignis wieder auf und sprach mit den damaligen Protagonisten. Es entstand ein Dokumentarfilm über das Leben zwischen Europa und Afrika, sowie das Problem der Schuld.

Jonathan Akpoborie in Freiburg (Foto: teamWorx)
Skandalschiff

Heidi Specogna behandelte in ihren früheren Filmen vorwiegend Südamerika - mit all seinen Tiefen und Konflikten. Doch wenn sie im April 2001 die Zeitung aufschlug, mag sie auch diese Geschichte nicht kalt gelassen haben. Vor der Küste Gabuns, einem Land in Zentralafrika, wurde ein Fährschiff aufgebracht. Das Schiff "Etireno" kam aus Benin und hatte rund 100 Kinder an Bord, die als Arbeitskräfte verkauft werden sollten - Kinderhandel. Als Besitzer des Schiffs war Jonathan Akpoborie eingetragen, ein Stürmer des VFL Wolfsburg, Torschützenkönig der Saison 2000/2001. UNICEF veranlasste die sofortige Rückkehr der Kinder in ihre Heimat und Jonathan Akpoborie wurde der Vertrag gekündigt. Doch eine Verwicklung des ehemaligen Fussballprofis konnte bis heute nicht nachgewiesen werden, da seine Brüder das Fährgeschäft betrieben.

Ein Film, in dem jeder und keiner Schuld trägt

Heidi Specogna recherchierte drei Jahre lang zu diesem Thema; reiste durch Westafrika, führte Gespräche und baute Vertrauen auf. Dabei stieß sie auf damalige Beteiligte, wie Adakou und Nouman. Beide waren Kinder auf der "Etireno". Sie wurden von ihren Eltern aufgrund von zwielichtigen Versprechen auf einen gut bezahlten und sicheren Arbeitsplatz an Menschenhändler verkauft. In zwei weiteren Erzählsträngen erzählt der Film die Geschichte von Jonathan Akpobories, dem ehemaligen Fussballtalent, dessen Leben aufgrund eines Verdachts der bis heute nicht bewiesen ist, zerstört wurde und die Geschichte des Schiffs, der "Etireno". Sie war eigentlich ein Geschenk das Hoffnung nach Afrika bringen sollte und nun im Meer verrostet. Heidi Specogna möchte bei diesem Film keine Schuld aufdecken, keinen Verdacht begründen. Eltern, die ihre Kinder wegen falscher Versprechungen verkaufen, der Fussballstar, der seiner Familie helfen wollte, aber die Dinge nicht unter Kontrolle hatte.

Der Film bewegt sich ständig zwischen Europa und Afrika, Deutschland und der Schweiz und Benin, Togo und Nigeria. Ein Film über Globalisierung, Hoffnungen und harte Realitäten.

Hören Sie hier das Studiogespräch mit Anne Even:

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