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Französische Filmtage 2011

Auf der Suche nach einer dunklen Vergangenheit

von David Kopp
Donnerstag, 17. November 2011

Die französischen Filmtage in Leipzig sind die Gelegenheit, sich mit unserem westlichen Nachbarn und dessen Kinoproduktionen zu befassen. Heute Abend läuft zum Beispiel der Film „Elle s’appelait Sarah“ - keine leichte Kost, denn es geht um den Holocaust in Frankreich.

Der Pariser Journalistin Julia Jarmond (gespielt von Kristin Scott Thomas) fällt es schwer zu glauben, was sie über die Razzia "Rafle du Vélodrome d’Hiver" und das Schicksal der kleinen Sarah recherchiert. (Bild: Camino Filmverleih)

Wir schreiben das Jahr 1942. Eine junge Familie wird im Rahmen einer Massenrazzia von der Polizei aus ihrer Pariser Wohnung abgeholt. Der zehnjährigen Tochter Sarah gelingt es, ihren kleinen Bruder im Kleiderschrank hinter der Tapetentür zu verstecken und ihn somit vor der Deportation zu bewahren. Vater, Mutter und Tochter kommen in ein Zwischenlager und werden voneinander getrennt. Alles, was Sarah bleibt, ist der Schrankschlüssel zu ihrem Bruder. Mit Hilfe eines gnädigen Wachmanns kann sie dem Lager und den unmenschlichen Bedingungen entfliehen. Sie kann sich bis nach Paris durchschlagen, wo sie ihren Bruder befreien will.

Zwei parallele Handlungen - damals und heute

Bei den französischen Filmtagen läuft der Film mit deutschen Untertiteln heute (17.11.) um 16:45 Uhr und am Samstag (19.11.) um 18:45 Uhr in den Passage Kinos (Hainstr. 19a).

Das ist die eine Geschichte des Films. Die andere spielt in der Gegenwart. Eine Journalistin recherchiert über die Nazi-Zeit und die Deportationen in ihrem Pariser Viertel. Zur gleichen Zeit plant die Journalistin mit Mann und Tochter in eine Wohnung zu ziehen, die dessen Familie seit Jahrzehnten gehört. Genau in dieser Wohnung wohnten zuvor Sarah und ihre Familie - bis zur Deportation.

Immer wieder wird zwischen den beiden Welten gewechselt. Doch der Zuschauer weiß genau, in welcher der beiden Geschichten er sich gerade befindet. Zu groß sind die Unterschiede: Auf der einen Seite die ungeschönt dargestellte Juden-Verfolgung in Frankreich zu Zeiten des Vichy-Regimes. Und auf der anderen Seite das Leben der ehrgeizigen Journalistin mit ihren vergleichsweise kleinen Problemen. So sind etwa von ihren Recherchen nicht alle begeistert. Ihr Schwiegervater zum Beispiel verlangt, dass sie „ihre Nase nicht in Angelegenheiten steckt, die sie nichts angehen“.

Dunkles Kapitel französischer Geschichte

Der Spielfilm „Elle s’appelait Sarah“, inspiriert durch das Buch Sarah's Key von Tatiana de Rosnay, beschäftigt sich mit einem Kapitel der Geschichte Frankreichs, das dort lange ein Tabuthema war. Aber auch vielen Zuschauern hierzulande dürfte der Film verdeutlichen, was zu Hitler-Zeiten unter deutschem Befehl auch in Frankreich geschah. Dies war auch für Verleihchef Kamran Sardar Khan ausschlaggebend:

Selbstverständlich fand ich den Film sehr wichtig, weil wir diese aufklärende Seite von Frankreich nicht kennen. Und hier ist es wirklich eine interessante Mischung, wo eine fiktive Geschichte um dieses fürchterliche Ereignis erzählt wurde.

Die deutsche Version trägt den Titel „Sarahs Schlüssel“ und kommt Mitte Dezember in die Lichtspielhäuser. (zum Trailer)

Bisher hat Regisseur Gilles Paquet-Brenner überwiegend Actionfilme produziert. Das ist seinem aktuellen Werk auch anzumerken - jedoch nicht negativ. Den Zuschauern der französischen Filmtage in Tübingen hat der Film sogar so gut gefallen, dass sie ihn zum Gewinner des Publikumspreis gewählt haben.

 

Was das Publikum der französischen Filmtage in Tübingen zum Film „Elle s’appelait Sarah“ sagte, ist hier zu hören:

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