Livestream

Geburtstag

Programmvorschau

Heute ab 19:00 Uhr:

Online-Redaktion

Tel.: 0341 / 97 37 976
Fax: 0341 / 97 37 999
online(ät)mephisto976.de

Pistenfahrplan

Ausgehtipps für

Blood Red Shoes, ägyptische Revolution und die Insel Leipzig

Cd der Woche

The Roots - "Undun"

von Fanny Kniestedt
Sonntag, 04. Dezember 2011

2 Studenten im Philadelphia der Mit- Achtziger Jahre, einer mit Drums, einer mit Texten + kein Geld = eine der einflussreichsten HipHop - Combos der Welt. Die Passaten, die damals auf den Gehwegen Tarig Trotter und Ahmir Khalib Thompsen haben spielen sehen, wussten ja nicht wer ihnen da für ein paar Cent ihre Kunst dar bot! Spätestens nach dem Hit “You got me” 1999 war ihnen das dann klar - The Roots. Am 6. Dezember erscheint ihr 13 Studioalbum


Wenn´s klappen soll, muss ne Frau ran


Mit “You got me” aus ihrem dritten Album “Things fall apart” kam eine Frau und der kommerzielle Durchbruch. Wenn auch schon seit 1993 auf dem Erdball unterwegs und gefeiert, war die westliche Musikwelt erst seit dem Feature mit Erykah Badu und ihrem lieblichen Gesang für eine musikalische Bewusstseinserweiterung bereit. Der Geheimtipp The Roots avanciertem zu einen nunmehrigen Klassiker.  Durch die ungewöhnliche Verbindung aus Live - Instrumenten (im Besonderem den Drums von Questlove), Jazz - Harmonien, der Philosophie von Black Thought´s Texten und der Offenheit gegenüber so gut wie jeglicher Musikrichtung begründete die Band eine neue Spezies ihres Genres - den “organic hiphop” , wie sie ihn selbst tauften.  Legendär ist mittlerweile vieles an ihnen. Vor allem ihre Life-Shows. Das hat damit zu tun, dass die Anzahl der mitwirkenden Musiker sich nicht auf zwei bis drei beschränkt, wie es klassischerweise bei HipHop Bands der Fall ist. Bei The Roots sind es ein paar mehr. Momentan insgesamt acht. Auch wenn das Bandpersonal um Questlove und Black Thought über die Jahre einem stätigen Wechsel unterlag, blieb der Charme ihrer ungewöhnlichen Performanz erhalten und der Erfolg bestehen. Genauso wie sie sich gerne von richtigen Intrumentalmusikern unterstützen lassen, lieferten immer wieder diverse Features und das Zusammenarbeiten mit HipHop Größen wie Mob Deep und Common, aber auch Soulsänger John Legend bis hin zu Indie-Pop und Singer/Songwriter Joanna Newsom und Monsters Of Folk, der Combo neue Einflüsse. The Roots bleiben “organsich” und sich ihren Wurzeln treu.



Alle Jahre wieder ...

...kommt der Nikolaus. Und ein neues Album von The Roots. Dieses Jahr kann der Nikolaus das Album gleich in die geputzten Schuhe stecken. Am 6. Dezember erscheint das mittlerweile 13te Studioalbum mit dem Titel “ Undun”.  Eigentlich sollte ja 2008 nach dem Erscheinen von “Rising down” dann doch mal Schluss sein. Aber die wohl produktivste Band der Welt muss mit nicht endend wollenden Geistesblitzen und einer überquellenden Kreativität gesegnet sein. Langeweile kann bei ihnen eigentlich nicht aufkommen. Unzählige Compiliations, EP´s, Feature- und Nebenprojekte, einem Live - Album, Konzerte und jede Woche von Montag bis Freitag als offizielle Live-Band der TV-Show „Late Night with Jimmy Fallon“ zu spielen scheinen Questlove, Thought und Co. letzten Endes wohl doch nicht auszulasten und daran zu hindern auch noch wie am laufenden Bande Alben zu produzieren. Nun also dieses.  Und das hat es nicht einfach. Denn es ist der Nachfolger von “How i got over “, das im vergangen Jahr zum “HipHop Album des Jahres” nominiert wurde. Als das “aufgeräumteste” wurde jenes bezeichnet und dessen Musik als HipHop, der mit sich im reinen ist. The Roots sind eine Band der Superlative in jeglicher Hinsicht. Aber können sie dem mit “Undun” noch etwas hinzufügen?


Sag ma, hörst du das auch? Kommt das vom Kühlschrank?

Ein einsames “piieeeep” aus der Ferne, das kurz hinter der Wahrnehmungsgrenze liegt. So beginnt das Album. Es ist ein uns fremder aber doch bekannter Ton. Von diversen Arztserien oder gar live im Krankenhaus haben wir diesen Ton schon einmal gehört. Herzstillstand.
Mit dem Ende beginnen The Roots.
“Undun” ist ein Konzeptalbum; ihr erstes. Es erzählt vom Leben und Sterben der fiktiven Figur Redfort Steward (1974 - 1999) einem jungen Mann, der in der schwarzen Community des Kleinstadtamerikas in den Strudel des kriminellen Millieus hineingezogen wird und darin unter geht. Kritische Stimmen könnten meinen :Na gut, Kleinkriminalität, Gangstagehabe, die schwarze Randgruppe der USA, Drogen - das kennen wir doch alles schon von 50 Cent & Co, Von den Roots könnte man da eigentlich was Tiefgründigeres erwarten. Das kann man, und das bekommt man auch. “Undun” is the story of this Kid who becomes criminal, but he wasnt born criminal. He is not the nouveau exotic primitive bug-eyed gunrunner....he is actually thoguhtfull and is neither victim nor hero. Just some kid wo begins to order his world in a way that makes the most sense to him in the given Moment[...]”. So beschreiben die Roots selber den Held in ihrem ambitionierten Projekt, aus deren Sicht sie seine Geschichte erzählen. Es herrscht also eine philosophische Grundstimmung gerade eben weil der Protagonist kein typischer Gangster ist. Die Songs, die die Geschichte tragen, sind zudem nicht chronologisch angeordneten, was vom Zuhörer durchaus einen hohen Grad an mit denken abverlangt. Doch gerade das macht das Zuhören spannend.

Symphonie eines Lebens

Im ersten Song “Sleep“ wird gleich klargestellt, dass es der Held nicht geschafft hat. Das würde, könnte man meinen,  etwas vorweg nehmen und das Interesse abwürgen sich die Geschichte überhaupt noch anhören zu wollen. Man kennt das  Ende ja schon. Aber genau dieses entfaltet einen ganz anderen Effekt. Songs wie“ Kool on”, das eine fröhliche Funkstimmung mitbringt oder “Lighthouse”  mit wunderschönem gesungenden Hook von Dice Raw, lassen die dort positiven Lebensabschnitte des Redford um so tragischer erscheinen.  Ganz im Sinne ihrer breitgefächerten Einflüsse geben Ausflüge in die Klassik mit den Instrumentalstücken “Redford”, “Possibility” und “Finality”  dem Album einen durchkomponierten Synphoniecharackter. Wie auch in Opern wird hier das musikalische Thema “Redford” einmal von Streichern, dann vom Piano aufgegriffen und variiert. Die feinfühlige Komposition selbst schürt eine Melancholie, die erstaunlicherweise gar nicht wirklich betrübt sondern eher Zeit gibt, das vorher gesagte für sich selber zu reflektieren.  Doch keine Angst! Selbstverständlich bekommt man auch den einmaligen Sound, den man von den Roots gewöhnt ist - die charakteristischen Drums von Questlove, viel handgemachte Intrumentaleinspielungen, melodische Refrains mit Ohrwurmpotential (hauptsächlich von Features wie Aron Livingstone, Bilal und dem schon erwähnten Dice Raw gesungen) und tiefschürfenden Texten von Black Thought. Das Album ist nicht lang, gerade einmal 40 Minuten dauert es. Aber auch das ist natürlich gewollt. So lässt es sich wunderbar von Anfang bis Ende durchhören. Sie haben es also mal wieder geschafft - auch nach 24 Jahren wird es nicht langweilig. Denn ihr Ursprungskonzept geht auf: Die Offenheit für musikalisch Gutes egal aus welcher Richtung gepaart mit dem eigenem Anspruch an Tiefe machen sie zu dem was sie sind - eine der besten im Musikgeschäft. “Undun” hat die Länge einer Fernsehepisode doch das Kopfkino eines Blockbusters.

Beitrag empfehlen: meinVZ

Kommentare


Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentar abgeben

* = mit Stern gekennzeichnete Felder müssen ausgefüllt werden.

*

*

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*

*

Mit Abgabe Ihres Kommentars stimmen Sie den Kommentar-Richtlinien zu.