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The Maccabees - "Given To The Wild"
Jeder wird irgendwann erwachsen. Die einen früher, die anderen später. Musiker wollen sich das jedoch selten eingestehen. Oder erst dann, wenn es schon zu spät ist. Davor haben sie noch versucht, sich krampfhaft an vergangene Erfolge aus den Anfangstagen zu krallen. Die Folge davon ist meistens Ernüchterung. Im Falle des Londoner Quintetts The Maccabees verlief der Prozess des Erwachsenwerdens parallel zur Produktion des dritten Albums. Also zum genau richtigen Zeitpunkt.

Weiterentwicklung. Ein Begriff, den sich Bands nach einem hochgehandelten Debüt oft vorschnell auf die Fahne schreiben. Ja nicht auf der Stelle stehen oder sich gar wiederholen. Prinzipiell eine richtige Zielsetzung. Doch gerade bei Bands von der Insel hat das in vielen Fällen zu einem falschen Verständnis von Veränderung geführt: Zwanghaftes Über-Bord-Werfen der eigenen musikalischen Identität, Aufgreifen angeblicher Trends und Experimente nur um eben dieser wegen. Das entfremdet Hörer und Band, aber auch die Bandmitglieder voneinander. Bestes Beispiel: Bloc Party. Nach drei auffällig unterschiedlichen Alben war Schluss. Es hieß, die gemeinsame Kreativität sei aufgebraucht. Diese Zeit kommt nun auch auf The Maccabees zu: „Given To The Wild“ ist ihr drittes Album. Doch an der Zukunft der Band besteht kein Zweifel.
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Album-Teaser (Video)
Intensive Ruhe
Zurück in die Gegenwart: Auf „Given To The Wild“ herrscht ein allgemein ruhigerer Grundton – so jedenfalls der erste Eindruck. Allmählich wird dem Hörer jedoch eine geschickte Balance zwischen schnellen und zurückhaltenden Parts präsentiert. Das Rezept vieler Songs ist dabei ein stetiger Aufbau von Intensität, bevor sich zum Ende hin die angesammelte Energie entlädt. „Feel To Follow“ ist so ein Beispiel. Der zweite Track nach dem Album-Intro vermittelt genau das: Bitte folgen! Im weiteren Verlauf der Platte wird deutlich: Die einzelnen Songs sind nicht isoliert, sie bilden ein großes Ganzes. Durchdacht. Und doch entfaltet jedes Lied eine andere, eigene Ausdruckskraft.
1. Given To The Wild (Intro)
2. Child
3. Feel To Follow*
4. Ayla
5. Glimmer
6. Forever I've Known*
7. Heave*
8. Pelican
9. Went Away
10. Go
11. Unknow*
12. Slowly One
13. Grew Up At Midnight
*Anspieltipps
„So klingen die Maccabees“
Stilistisch erinnert nur die erste Single „Pelican“ an den jugendlichen Indie-Rock der beiden Vorgänger. Songs wie „Unknow“ oder „Heave“ zeugen von einer weitaus größeren musikalischen Bandbreite. Soul-Gitarren, 80s-Wave, zarter Pop, Rock’n’Roll und sogar psychedelische Momente sind auf „Given To The Wild“ zu finden. So erscheinen Aussagen der Band plausibel, sie hätten während der Aufnahmen viel Stone Roses, Kate Bush und David Bowie gehört. „Endlich – so klingen die Maccabees“, ist Gitarrist Felix White überzeugt.
Eine neue Erfahrung
„Auf dem ersten Album lernten wir Songs zu schreiben und unsere Instrumente richtig zu spielen. Auf dem zweiten haben wir gemerkt, dass wir besser werden im Songschreiben und Instrumente spielen. Jetzt wollten wir etwas versuchen.“ Sänger Orlando Weeks spricht von Mut. Mut, den die Maccabees während der Produktion des Albums bewiesen: Die über zwei Jahre angesammelten Songideen sollten nicht gemeinsam im Studio verfeinert werden, sondern jedes Bandmitglied schloss sich zuhause ein und arbeitete ganz individuell an den Songs. „Das gab uns einfach mehr Freiheit bei der Gestaltung“, stellt Felix White fest. Diese getrennte Arbeitsteilung war eine völlig neue Erfahrung.
„Da ist mehr, was ich in eurer Musik höre“
So kam es dazu, dass sich die Band nach einer individuellen Phase wieder zusammenfand, um die vielen verschiedenen Ideen zusammenzubringen. Laut Orlando Weeks keine leichte Aufgabe. Professionelle Hilfe bekamen die Süd-Londoner u.a. vom UNKLE-Produzenten Tim Goldsworthy, der zuletzt mit Bands wie Cut Copy und Massive Attack arbeitete. „Er sagte, da ist mehr, was ich in eurer Musik höre. Er kommt aus dem elektronischen Bereich, also nicht aus unserem. Deshalb vertrauten wir ihm“, sagt Orlando Weeks. Das Ergebnis ist ein stimmiges, kohärentes Album.
The Maccabees auf Tour:
13.02. München, Backstage-Halle
15.02. Köln, Gebäude 9
16.02. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.02. Berlin, Festsaal Kreuzberg
Fünf Neugeborene
Auf das Artwork hat die Band schon immer viel Wert gelegt. Bereits beim Vorgänger „Wall Of Arms“ beauftragten sie einen Künstler. Jetzt war Andy Goldsworthy, Vertreter der Natur-Kunst, für das Design verantwortlich. Und dessen Symbolik scheint die Musik perfekt darzustellen: Eine eiförmige Konstruktion aus Backsteinen steht in der Mitte eines bis zum Horizont reichenden Feldes. Davor drängt ein wild brennendes Feuer in Richtung des Eis. Es scheint, als ob die Maccabees mit dem Album vor einer Neugeburt standen und die Zeit drängte, um diese musikalisch auch zu vollziehen. Sie haben es. So kommt einem ein Begriff immer wieder in den Kopf, der bedenkenlos unter dieses Album geschrieben werden kann: Weiterentwicklung.
Das Album erscheint am Freitag, den 20.1.2012.



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