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The Black Keys - El Camino

von Moritz Usalli
Montag, 19. Dezember 2011

Die Black Keys sind tot - es leben die Black Keys ? Dan Auerbach und Patrick Carney, alias The Black Keys, haben für ihren siebten Langspieler El Camino erneut die heimischen Kellerstudios verlassen, der Waschzuber-Sound aber bleibt.

Es muss ein salziger Geruch sein der „El Camino“ umgibt. Eine Brise die vom Pazifik hinüberweht und den Staub von der mäandernden Straße fegt. Kantige Karren rumpeln Hügel über Hügel gen Süden auf „dem Weg“, so heisst „El Camino“, aus dem spanischen übersetzt. Der Highway 101, der jenen Beinamen trägt, verbindet den Norden der amerikanischen Pazifikküste mit dem Süden und steht seit jeher für ein Amerika das nicht mehr ist. Auf eine gewisse Art und Weise trifft das auch die Black Keys zu . Nach Jahren der Bedeutungslosigkeit haben die jüngsten Veröffentlichungen des Duos ihnen zu Weltruhm verholfen. Logisch dass dabei die Eigenbrötelei der ersten Alben verlorengeht, aber wen juckt das schon.

Statt Minimalblues gibt es Glamrock

Für El Camino hat Brian Burton, alias Danger Mouse, nach den Erfolgen der Vorgänger Attacke & Release (2008) und Brothers (2010) wieder die Produktion übernommen. Sein Gespür für das Wirken und Zusammenspiel der kantigen Klänge der Black Keys mit Orgelsounds und Hintergrundchören war es auch, dass dem Duo aus den heimischen Kellern auf die großen Weltbühnen verhalf. Brachte er auf Brothers eine gehörige Menge Soul ins Spiel, so klingt  El Camino viel deftiger. Schon der Opener Lonley Boy krächzt wie eine Mottete aus Auspuffknarzen einer Motorradgang. Doch so ungestüm der Track einen überrollt, so schnell gibt er den Zügel auch wieder ab.  Spätestens im Refrain merkt man dass hinter dieser Platte ein höherer Plan stehen muss, der die rauen Töne der Black Keys an der richtigen Stelle abfängt und so der Musik zu mehr Vielfalt und Anspruch verhilft. Ungewohnt unschuldig erzählt Sänger und Gitarrist Dan von seiner einsamen Liebe: „Oh, oh-oh I got a love that keeps me waiting“. Die Themen von denen er singt sind zwar die gleichen, Mann und Frau, aber es wirkt alles erwachsener und zurückhaltender als zum Beispiel auf Magic Potion aus dem Jahr 2006. Das ist wohl der normale Gang der Dinge wenn Musik nicht mehr dem reinen Selbstzwecke dient, sondern zugleich den Lebensunterhalt der Künstler tragen muss. Die Black Keys als Heuchler zu verschreien ginge jedoch zu weit.

„...Wir wollen weiterhin abgefuckt klingen...“

Denn Mainstream ist El Camino noch lange nicht. Die Black Keys schieben sich, dank ihrer Eigenwilligkeit für eine solche Marke zu weit ins Abseits. Danger Mouse‘ Experimentierfreude muss hochgehalten werden, denn meisterlich lässt er den Blues swingen und verleibt dem Rock den Soul ein. Diese Mischung fesselt genau wie auf Brothers und lässt die Tanzbeine jodeln. Das ist es auch was El Camino zu einem kleinem Meisterwerk macht. Tracks wie Gold on the ceiling, Run right back oder Sister rattern dank Röhrenverstärker und retrofizieren jede Sause ohne jedoch den Kitsch von Schmalztolle und Lederjacke zu bedienen. Der Vintagesound ist für die Black Keys kein Kostüm dass sie je nach Zielgruppe beliebig an- und abstreifen. Es ist Lebensgefühl und Hommage an vergangene Jahrzehnte die sie zwar selbst nie erlebt haben, mit Anfang 30 sind sie noch zu jung, die sie aber seit ihrer Kindheit prägten.

Reifenproduktion und Mississipilegenden

Die Retroattitüde kommt nicht von ungefähr, vielmehr haben Pat und Dan sie mit der Luft eingeatmet. Ein scheußlicher Geruch muss es gewesen sein, denn ihre Heimatstadt Akron in Ohio war jahrzehntelang der Mittelpunkt der Autoreifenproduktion der USA. Riesige Fabriken und Schornsteine prägen noch immer das Stadtbild, der Boom ist aber lange vorbei. Der derbe Blues der Black Keys war von Anfang an inspiriert von der untergegangenen Industrie. Fabrikhallen wurden als Probe- und Aufnahmeräume verwendet. Rubber Factory aus dem Jahr 2004 ist diesem Sound gewidmet. Eine ganz andere Prägung erfuhren die Beiden aus dem Süden. Von dort wo sich der große Fluß Nordamerikas millionenfach verzweigt und der Blues geboren wurde. Wo sich Jazz, Rock & Roll und Soul die Hand geben mischen die Black Keys den rauen Klang der Nordstaaten unter. El Camino ist genau das, ein bunter Mix, eine amerikanische Collage und ein großer Schritt. Den was zunächst nach Massentauglichkeit klingt entpuppt sich als homogenes Werk dass nicht den Fehler macht den Übererfolg von Brothers zu kopieren sondern eine Entwicklung darstellt.

Trackliste:
'Lonely Boy'*
'Dead And Gone'
'Gold On The Ceiling'
'Little Black Submarines'*
'Money Maker'
'Run Right Back'
'Sister'*
'Hell Of A Season'
'Stop Stop'
'Nova Baby'
'Mind Eraser'

*Anspieltipps


Akkustikoverdrive statt Heroldsformel

Eine Premiere gibt es zu hören auf El Camino: Little Black Submarines beginnt mit akustischer Gitarrenbegleitung bevor es einem Flugzeugstart gleich hochfährt. Money Maker und Nova Baby röhren knallhart aus den Lautsprechern. Die Black Keys sind gewachsen, es ist nicht mehr der Zufall oder eine spontane Eingebung die ihrer Musik das Prädikat „handgemacht“ verleihen, es ist das Wissen über die eigenen Fähigkeiten und die Erfahrung die sie seit knapp 14 Jahren des Zusammenspiels haben. Nostalgische Gefühle, an die Zeiten als Alben noch mit analogen 8-Spur Rekordern aufgenommen wurden, können getrost in der Schublade bleiben. Wer sie trotzdem hat sei auf den immensen Output des Duos verwiesen. Es gibt genug um in Vergangenem zu schwelgen. Auch wenn El Camino nicht an die Lässigkeit des Vorgängers anknüpfen kann, und zugleich aber auch nicht den Charme der Rauheit der älteren Platten aufgreift, so ist es durch und durch ein hörenswertes Werk einer Band die sich nicht an sich selbst zu messen braucht. El Camino ist keine Zäsur in der Geschichte der Black Keys, es ist das Zeugnis einer gewachsenen Freundschaft und einer gereiften Produktionsweise. Der Sound wird erneuert und vorangetrieben statt bis zum Erbrechen ausgespielt zu werden. Folglich bewahrt sich das Duo vor der Wiederholung und schafft etwas Neues.
Kurzum, das Album ist notwendiger und hinreichender Fortschritt wider der Belanglosigkeit. Es liegt nicht in der Macht des Hörers, zu bestimmen welche Richtung der Künstler einschlägt, wem es nicht gefällt, der möge die Stopptaste betätigen. Der Rest wird noch lange die Köpfe nicken lassen.

Beitrag empfehlen: meinVZ

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