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Berlinale 2012

„Man soll die Frau, nicht die Königin sehen“

von Sara-Lena Niebaum
Freitag, 10. Februar 2012

Marie Antoinette gilt als eine der umstrittensten Frauen rund um die Französische Revolution. Diane Kruger gilt als bester Deutschland-Export im Schauspielgeschäft. Was beide eint: Sie sind Teil des Films „Leb‘ wohl, meine Königin!“ von Regisseur Benoît Jacquot. Sowohl als Wettbewerbs- als auch als Eröffnungsfilm geht das Werk des Franzosen in die Geschichte der Berlinale im Jahr 2012 ein – auch wenn die erzählte Zeit drei wichtige Tage im Jahr 1789 umfasst. Die gewissen Parallelen zum Arabischen Frühling 2011 waren beim Dreh nicht absehbar, wie das Team berichtete, lassen ihn aber genau dank ihnen zu einem thematisch passenden Werk der 62. Berlinale werden.

Gut gelaunt startet Diane Kruger in die Berlinale. Ob das offene Lächeln auch danach noch bleibt? (Foto: S.-L. Niebaum)

Für Diane Kruger ist die filmische Eröffnung der diesjährigen Berlinale nicht nur ein Heimspiel. Vielmehr muss sie sich einem kritischen und fachkundigen Publikum stellen, während abends bei der Eröffnungsgala ihr aktueller Film vor Journalisten und natürlich Kollegen gezeigt wird. Gerade da sie in „Leb‘ wohl, meine Königin!“ keine geringere als Marie Antoinette spielt (an der sogar schon Kirsten Dunst gewissermaßen scheiterte) wächst die Anspannung umso mehr. Das ist jedenfalls zu vermuten. Nach außen hin wirkte sie während der Pressekonferenz zur Premiere des Films dennoch ruhig. Das German-Fräulein switchte zwischen den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch und stellte sich den ersten Fragen. An ihrer Seite: Die Darstellerinnen Léa Seydoux und Virgine Ledoyen sowie Regisseur Jacquot und die Produzenten Kristina Larsen und Jean-Pierre Guerin.

Jacquots Version der Marie Antoinette

Marie Antoinette? Die Story ist doch bekannt – allerdings nicht so, wie Jacquot sie erzählt. Im Gegensatz zu der detailreichen Analyse des Lebens und Genießens der Königin richtete Jacquot sein Interesse mit Sinn für Genauigkeit auf etwas anderes: „Ich habe sehr viel Zeit zur literarischen Recherche verwendet. Was mich gerade interessiert hat, war dieses ‚aus dem Ruder laufen‘.“ Thematisiert werden so die letzten Tage kurz vor dem Sturm auf die Bastille. Revolution und Untergang im Pöbel kreuzen Überheblichkeit und Wohlstand im Königshaus. Und mittendrin stellt Jacquot eine gewagte These auf: Marie Antoinette war lesbisch und pflegte eine Liebschaft zu einer hübschen Brünetten. Für Diane Kruger war genau diese Idee einer der Gründe für ihr persönliches Interesse: „So wie Benoît sie darstellt, hat man sie noch nie gesehen. Wir hatten keine Referenzen.“ An der Authentizität der These zweifelte Kruger dann aber doch. Sie glaubt nicht, dass Marie Antoinette lesbisch war.

Der Fokus liegt auf Marie Antoinette als Frau

Ob lesbisch oder nicht, sei erst einmal dahingestellt. Filmästhetisch geht es ohnehin um etwas anderes. „Es ist schon wichtig, dass man die Frau, nicht die Königin Marie Antoinette sieht. Schließlich ist das ein sehr intimer Film!“, so Kruger. Benoît Jacquot brachte die Intimität, Weiblichkeit und Ästhetik in Kombination mit dem tragischen Untergang einer interessanten Persönlichkeit anschließend so auf den Punkt: „Wir wollten den Gestank und die Schönheit darstellen!“ Zu finden ist in dem Film beides - das eine mehr, das andere weniger…

Beitrag empfehlen: meinVZ

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