Livestream

Geburtstag

Programmvorschau

Heute ab 19:00 Uhr:

Online-Redaktion

Tel.: 0341 / 97 37 976
Fax: 0341 / 97 37 999
online(ät)mephisto976.de

Pistenfahrplan

Ausgehtipps für

Blood Red Shoes, ägyptische Revolution und die Insel Leipzig

CD DER WOCHE

KRAFTKLUB - mit K

von Ronny Müller
Montag, 30. Januar 2012

Randie-Pop, Sex auf Deutsch, Männermusik für Mädchen – egal wie man es nennt, Kraftklub sind derzeit in aller Munde. Auf ihrem Debütalbum „mit K“ erfüllen sie mit Indie-Rock und Deutsch-Rap zwei totgesagte Genres mit Leben und holen eine Stadt aus der Versenkung, von der keiner mehr etwas innovatives erwartet hat.

Foto: Community

„Wir sind Deine neue Lieblingsband“

Chemnitz im Februar 2010: Der Winter hat die 240.000-Einwohner-Stadt in Westsachsen fest im Griff. Doch im Club Atomino in der Innenstadt tropft der Schweiß von der Decke. Die Indie-Rockband Neon Blocks und der Rapper Bernd Bass veröffentlichen unter dem Projektnamen Kraftklub ihre EP „Adonis Maximus“. Es ist die Hochzeit zweier Genres, die spätestens seit Crossover in den Neunzigern als unvereinbar gelten.


„Denn bei uns klauen alle diese schwedischen Bands“

Zwei Jahre lang schürte die Band durch ständige überzeugende Livepräsenz ein Feuer, dessen Hitze sich durch „mit K“ entlädt und Bravo-Leser wie Musikkritiker gleichermaßen mitreißt. Die Rezeptur scheint denkbar einfach: eingängige Indierock-Melodien á la The Hives, Franz Ferdinand und Arctic Monkeys treffen auf schlagfertige Rap-Texte wie die von K.I.Z. Die Frage muss aber nicht lauten „Warum machen Kraftklub das?“ sondern „Warum ist da niemand vorher drauf gekommen?“

„Alles schon mal dagewesen“


Kraftklub gehen selbstbewusst mit ihrem Schlamassel um und haben den Grund für ihren Erfolg längst erkannt: „Der große Hype ist vorbei, wir haben nicht mehr 2001“ („Eure Mädchen“). Vor zehn Jahren wäre die Band in der allgemeinen Indie-Euphorie vielleicht untergegangen, heute preist man sie als Erneuerer.
In dem Wissen, dass eh alles schon einmal da war, inszenieren sich Kraftklub gekonnt als Außenseiter. Sie bekennen sich zu ihrer Heimat und geben in „Karl-Marx-Stadt“ einer Stadt ein Gesicht, die außerhalb ihrer Grenzen noch immer als tristes Sozialismus-Hinterbleibsel verschrien ist. Mit dem Hipster-Bashing in „Ich will nicht nach Berlin“ schafft die Band auch gleich den passenden Gegenpol.

 Tracklist:
1. Eure Mädchen
2. Ritalin / Medikinet
3. Ich will nicht nach Berlin
4. Liebe *
5. Melancholie
6. Karl-Marx-Stadt
7. Songs für Liam *
8. Kein Liebeslied
9. Lieblingsband (Oh Yeah)
10. Mein Leben
11. Scheissindiedisko
12. Zu jung
13. Wieder Winter *

*Anspieltipps

„Ein, zwei Pillen am Tag und der Till ist normal“

Allgemein ist die Flucht aus der Heimat ein häufiges Thema auf „mit K“. Neben der Anti-Berlin-Hymne greifen auch „Songs für Liam“ und „Wieder Winter“ darauf zurück. Doch „mit K“ behandelt auch andere Probleme der Generation 15-25: „Ritalin/Medikinet“ handelt von Wirkung und Missbrauch der angesagten Schüler- und Studentendroge, „Zu jung“ zeichnet das Bild einer Jugend zwischen Desorientierung und fehlenden Vorbildern: „Wir wollen Rockstars sein, doch irgendwie klappt es nicht. Mein Opa hat wahrscheinlich mehr Frauen gehabt als ich. [...] Ich fühl mich wie James Dean wenn ich auf sein Grundstück piss.“ Oft sind die Texte so ironisch gebrochen. Das sorgt häufig für ein Schmunzeln und macht Spaß, erschwert es aber auch, die Texte ernst zu nehmen.

„Hey ho, lass uns gehen“

Neben der Ironie ist die kulturelle Referenz das beherrschende Stilmittel auf „mit K“. Ob die von Beck's „Loser“ abgekupferte Refrain-Melodie in „Karl-Marx-Stadt“, die reingerufenen Übersetzungen bekannter Rock-Titel in „Zu jung“ oder die Josh-Homme-Schelte in „Songs für Liam“ - Kraftklub lassen keine Möglichkeit der Ehrerbietung aus und sorgen so auch bei dem Hörer immer wieder für einen Aha-Effekt.

Fazit: „Wir sind nicht kredibil, wir machen Popmusik“

Kraftklub haben einen Nerv getroffen: Alle Lieder auf „mit K“ gehen sofort ins Ohr und in die Beine. Ihre Liveenergie konnten die Chemnitzer zwar nicht  konservieren, doch es reicht immer noch, um viele andere Künstler staunend hinter sich zu lassen. Bei allem Lob bleibt aber die Skepsis, ob die explosive Mischung aus ironisch gebrochenen Texten und Indie-Geschrammel auf mehr als einem Album zündet. Das ernsthaftere und atmosphärische Schlusslied „Wieder Winter“ zeigt aber zumindest, in welche Richtung die Musik der Chemnitzer in Zukunft gehen kann.

Hört hier das Studiogespräch zum Album zwischen Moderatorin Astrid Wulf und Musikredakteur Ronny Müller!

Verwandte Beiträge
Beitrag empfehlen: meinVZ

Kommentare


Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentar abgeben

* = mit Stern gekennzeichnete Felder müssen ausgefüllt werden.

*

*

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*

*

Mit Abgabe Ihres Kommentars stimmen Sie den Kommentar-Richtlinien zu.