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„Diese Mädchen sind keine Opfer!“
Bezaubernd, sympathisch, eine echte Beau: Juliette Binoche. Kaum hat sie Platz genommen, ist sich einmal durchs Haar gefahren und hat ihr Lachen aus vollem Herzen aufgelegt, kann man einfach nicht anders, als sie zu lieben. Und das gilt auch für ihren neuen Film „Elles“ (Deutsch: „Das bessere Leben“). Gemeinsam mit Regisseurin Malgoska Szumowska und Ko-Schauspielerin Joanna Kulig stellte sie sich am vergangenen Wochenende den Fragen der Journalisten. Und thematisierte so ganz nebenbei einen erschreckenden Trend unter Studentinnen, die sich für die Finanzierung ihres Studiums und eines zugegebenermaßen etwas luxuriösen Lebensstils für Männer aller Art hergeben.

Sex, Geld, Liebe und Wunschträume eines besseren Lebens – „Elles“ erzählt die Geschichte von zwei Mädchen, die Männern anbieten, ihnen die Auslebung ihrer sexuellen Neigungen ermöglichen und dafür ordentlich bezahlt werden. Doch wer jetzt denkt, dass wir es hier mit einem typischen Klischee-Film über Prostitution inmitten des schönen Scheins von Paris zu tun haben, liegt falsch. Regisseurin Szumowska inszeniert viel mehr ein Phänomen und eine Option, die immer mehr Studentinnen nur allzu gern in Kauf nehmen, wie sie erklärt: „Das sind Mädchen, die sind keine Opfer, sondern entscheiden sich frei dazu.“ Den entsprechenden Beweggründen dazu geht eine französische Journalistin, gespielt von Juliette Binoche, auf den Grund. Sie trifft sich mit den beiden Mädchen, befragt sie und kann einfach nicht mehr abschalten. Das Thema und die Lebensgeschichten nimmt sie mit nach Hause, mit in die eigene Sexualität, mit in die eingeschlafene Beziehung zu ihrem Mann.
Aktualität hin oder her, Binoche selbst weiß, dass der Film nicht in allen Bereichen auf Begeisterung stoßen wird: „Es ist natürlich gefährlich, so etwas zu drehen. Themen wie diese werfen immer Fragen auf.“ Dass nicht jeder begeistert davon war, bekam das Team schnell zu spüren. Die Finanzierung, so erzählen Binoche, Szumowska und Drehbuchautorin Tine Börkel, war vor allem bei den sonst so filmaffinen Franzosen alles andere als einfach. Erst durch die Koproduktionen und Hilfen aus Deutschland ließ sich der Film realisieren. Gelohnt hat sich das Zittern um die Veröffentlichung dennoch – und das nicht nur, weil Binoche wirklich überzeugt, und es schafft, das Publikum trotz des harten Themas mit Situationskomik zum Lachen zu bringen. Für Malgoska Szumowska ist das kein Wunder: „Ich hatte wirklich ein wenig Angst vor Juliette. Ich meine, sie ist ein Star – ich nicht!“ Mit diesem Debüt am internationalen Filmmarkt wird sie jedoch sicher noch einer werden. Wer einen derart weiblichen Film über ästhetische Sexualität mit der perfekten Balance zu authentischer Härte drehen kann, sollte sich nicht wundern, wenn das mit dem unscheinbaren Leben bald ein Ende hat…



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