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Blood Red Shoes, ägyptische Revolution und die Insel Leipzig
Dan Mangan - "Oh Fortune"
Zugegeben – wenn man Dan Mangan zum ersten Mal sieht, kann einem schon mal ein „Ach ja, schon wieder einer dieser bärtigen Indiezausel-Träumer, der mit seiner Klampfe Lagerfeuersongs über die Liebe singt“ durch den Kopf schießen. Gut, dass sein neues Album „Oh Fortune“ sehr viel mehr bereit hält.

Dinge, an die man denkt, wenn man „Kanada“ hört:
Ahorn, Lumberjacks in Flanell, Hockey, Lachs.
Aber auch: Feist, Metric, Owen Pallett, Arcade Fire, Hot Hot Heat, Tegan And Sarah, Austra. Kurz: Großartige Musiker! Und da wäre eben auch dieser Dan Mangan. 28 Jahre alt, Wuschelhaare, knallblaue Augen, Karohemd und ein Bart, ohne den er vermutlich aussehen würde wie zwölf. Achja, beeindruckenden Folkrock macht er auch noch.
Nett, nett, sehr nett
In seiner Heimat kennt man ihn schon länger, denn er ist einer dieser Musiker, die nur mit Gitarre auf dem Rücken durchs Land ziehen und in jedem kleinen Café gemütliche Konzerte geben, auch wenn das Publikum nebenbei quatscht und allerhöchstens mitnickt.
Dan auf CD
2005 Postcards + Daydreaming
2009 Nice, Nice, Very Nice
2011 Oh Fortune
Ganze zwei Jahre tourte Dan so durch Nordamerika, Europa und Australien. Das 2009 erschienene „Nice, Nice, Very Nice“ diente nicht nur dazu, diese Reiseerfahrungen aufzuarbeiten, sondern war zugleich der Karrierestart des Folk-Newcomers. Kurze Zeit später spielte er bereits vor Tausenden beim Glastonbury in England und auf dem riesigen Woodford Folk Festival in Australien.
Und mittlerweile ist man in Kanada schon so weit, dass er der erste Mann ist, wenn es darum geht, jemanden zu finden, der für die musikalische Unterhaltung des royalen Traumpaars Willi/Kate sorgt. So geschehen beim kanadischen Nationalfeiertag 2011 in Ottawa.
„Sie waren sehr nett», sagte er später über dieses Zusammentreffen . «Ich habe ihnen die Hände geschüttelt und rund neun Worte mit ihnen gewechselt.“
„So…apples?“ – „Yeah. Yeah, apples.“
Eins gleich vorneweg: Dan Mangan ist ziemlich witzig. Das zeigten schon ältere Songs wie die humorvollen und ironischen Stücke „Sold“ (Video anschauen!) oder „Robots“, ein schmissiger Folkrocksong und zugleich Ode an die Gang-Movies der frühen 80er. Im Video dazu lassen zwei sehr schlecht gekleidete Gangs in grausigen Jeans-Westen und Lederoutfits ihre Spielzeug-Roboter gegeneinander antreten. Das Ganze begleitet von choralem „Robots need love, too“. Zweifelt noch jemand an seinem Humor?
Mit Pauken und Trompeten
Auf dem neuen Album hat sich jedoch einiges geändert. Die Texte sind, wenn auch teilweise immer noch mit lyrischem Witz versehen, tiefsinniger geworden, die Musik allgemein dichter, schwerer und weniger Cowboy-Country-Klamauk.
Er thematisiert Isolation und Verzweiflung und verfällt trotzdem nicht der Versuchung, die Melancholie der großzügig eingesetzten Geigen- und Kontrabassparts die Oberhand gewinnen zu lassen, sondern inszeniert ganz im Gegenteil opulent angelegte, orchestrale Klangteppiche aus Pauken, schrägen mehrstimmigen Trompeten und einem sphärisch hallenden Chor.
Tracklist
1. About As Helpful As You Can Be Without Being Any Help At All*
2.How Darwinian
3.Post-War Blues*
4.If I Am Dead
5.Daffodil
6.Starts With Them, Ends With Us
7.Oh Fortune*
8.Leaves, Trees, Forest
9.Rows Of Houses
10.Regarding Death And Dying*
11.Jeopardy
*Anspieltipps
Der Opener, der den sperrigen Namen "About As Helpful As You Can Be Without Being Any Help At All“ trägt, kommt beispielsweise fast ganz ohne Gitarre aus. Den Anfang des sehr imposanten und fröhlichen Songs dominiert nämlich eine eingängige Geige, in die ab der Hälfte des Songs sehr unvermittelt eine märchenhaft anmutende Instrumentralpassage des Orchesters einbricht.
Oh, (Orchester-)Glück
Bevor man überhaupt so richtig begriffen hat, was man da gerade alles gehört hat, ist es auch schon wieder vorbei. Und das ist Dans Stärke: Überraschung, Bewegung, Vielfalt. Seine Songs stehen nie still, sie sind ein ständiges Auf- und Abbauen, ein Schichten von pathetischen und beeindruckenden Orchester-Arrangements auf einfache Gitarrenakkorde.
Den leiseren Singer-Songwriter-Dan, den man vor allem vom Debutalbum kennt, bekommt man erst mit dem poetischen „If I Am Dead“ und dem sehr klassisch folkigen „Leaves, Trees, Forest“ wieder zu hören. In solchen Momenten des Zurücklehnens fällt dann auch wieder die sehr bärige Bariton-Stimme auf, die stark an Marcus Mumford erinnert.
„Oh My God, It’s Killing Me“
Der Titelsong "Oh Fortune" ist einer der dynamischen Höhepunkte der Platte.
In den einfachen und monotonen Gitarrenrhythmus fallen immer wieder ein paar knallender Bass-Drum-Beats ein, die einen, egal wie oft man den Song schon gehört hat, gehörig zusammenzucken lassen und die Stimmung des gesamten Songs in euphorischen Tatendrang umschwenken lässt. „Oh My God, It’s Killing Me“, singt Dan Mangan, begleitet von einem choralen Geheule und - man glaubt es ihm direkt.
Das sehr vielfältige Album geizt nicht mit Herzstillstand-Momenten, die einfach nur umhauen. Die Songs sind wie kurze Ausflüge in andere Welten. Mal laut, mal leise, oft dramatisch, meistens imposant, immer mit viel Herz.
Tourtermine in der Nähe
4. Dezember Beatpol, Dresden
5. Dezember Lido, Berlin



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