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Studiogespräch

Freie Software - Zukunft der Medienkultur?

von Jonas Böhm
Dienstag, 14. Dezember 2010

Immer am zweiten Montag des Monats wird im sublab rund um "Freie Software - Freie Gesellschaft" diskutiert. Also weg vom technischen Detail zu ethischen, politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen.

Thomas Jensch von der FSFE (Foto: F.Krause)
Freie Software: Zukunft oder Marktkiller?

Diskussionen/ Vorträge zu:
"Freie Software - Freie Gesellschaft"
Kulturzimmer des sublab im Westwerk, Karl-Heine-Str. 93
20 Uhr
immer am 2. Montag des Monats

Laut ARD-Angaben, nutzen fast 50 Millionen Deutsche das Internet. Fast täglich gehen rund siebzig Prozent der Deutschen online. E-Mails statt Briefe, Word-Dokument statt Schreibblock, Blog statt Tagebuch: Der Trend geht von der analogen zur digitalen Nutzung. Glaubt man dem Branchenverband BITKOM, sehen neunzig Prozent der Internetnutzer im Web einen Gewinn der Lebensqualität. Doch welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die (analoge) Gesellschaft? Sollte die Software zur digitalen Nutzung dann allen frei zugänglich sein? Oder vernichtet das die wachsende IT-Branche?

Diskussionen und Vorträge der FSFE

Um solche Themen geht es im Leipziger "sublab". Immer am zweiten Montag des Monats lädt die Ortsgruppe der Free Software Foundation Europe (FSFE) zu einer offenen Diskussionsrunde über Freie Software ein. "Frei" heißt dabei aber nicht einfach nur "kostenlos". Nach FSFE-Angaben gibt es für Freie Software vier Kriterien: freie Nutzung der Software, sie studieren, verbessern und weiterzugeben zu können. Diese Definition stammt aus dem ersten GNU's Bulletin aus den 1980er Jahren. Dabei schließt die FSFE eine kommerzielle Nutzung nicht aus, schon viele Unternehmen würden freie Software für sich nutzen. Doch der kommerzielle Fokus sollte weg vom Softwarevertrieb, hin zu Dienstleistungen, also dem Erstellen von Websites, Betreuen von Netzwerken oder spezifischen Programmierungen, gehen.

Hören Sie hier das Studiogespräch über freie Software mit Redakteur Frank Krause und Moderatorin Katja Schmidt:

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Kommentare


Seyra Schlau, 14.12.10 15:51:
Warum gibt es denn dann überhaupt noch kommerzielle Software, wenn der Rest so schön ist. Also ich glaube nicht an die Freie Software. Bei Freiwilligkeit in den Vereinen sieht man ja schon mal wieviel Chaos dabei rauskommt. So was will ich dann nicht auf meinem Rechner haben!
Frank Krause, 14.12.10 20:24:
Das Problem zurzeit ist das eingeschränkte Feld in dem freie Software verfügbar ist. Aber zum Beispiel bei Serveranwendungen, vor allem Webservern (Apache mit etwa 60%), wird fast nur auf freie Software gesetzt, zumal es ja auch die Entwicklung voranbringt. Bei kleinen Projekten magst du Recht haben, aber Beispiele wie OpenOffice, Typo3, Linux usw. sind äußerst erfolgreich.
So wie du es beschreibt, dass freie Software nur von ein paar Chaoten entwickelt und verbreitet wird ist aber nicht richtig. Es gibt auch Firmen, die mit diesem Modell arbeiten. Siehe z.B. das Betriebssystem Android von Google, das zurzeit in der breiten Masse Erfolg hat. Und Google ist nun wirklich kein kleiner Chaotenbetrieb.

Kommerzielle Software gibt es, weil sich die Gesellschaft daran gewöhnt hat, weil wir damit aufgezogen wurden. Ich denke auch nicht, dass sie gänzlich verschwinden wird, dafür sind viele Produkte zurzeit am Markt auch zu Ausgereift in ihrem Spezialgebiet (z.B. Photoshop, Avid, etc.) oder die Infrastruktur ist davon Abhängig. Aber offene und freie Software bietet den Vorteil dass sie nach den Bedürfnissen des Kunden entwickelt werden kann und dass man vor allem sehen kann, was sie genau macht. Wenn du mal in einer großen Firma die Umstellung von Windows NT oder 2000 auf XP mitgemacht hast, wirst du wissen, was ich meine.
Dass du gar keine freie Software benutzt oder je benutzen wirst, glaube ich aber nicht. Es gibt soviele Anwendungen, die sich im Alltag wiederfinden: Audacity, Linux, LaTeX, OpenOffice, Java, Eclipse, VLC-Player, uvm.
Michael Stehmann, 16.12.10 11:31:
Das Gegenteil von Freier Software ist nicht kommerzielle Software, sondern proprietäre Software.

Proprietäre Software ist solche, bei welcher durch die Lizenz dem Nutzer gewisse Rechte ganz oder teilweise vorenthalten werden.

Sowohl Freie als auch proprietäre Software können kommerziell oder nicht nichtkommerziell sein.

Ein wesentlicher Teil Freier Software wird von Menschen geschaffen, die für die Aufgabe in nichtgemeinnützigen (also kommerziellen) Unternehmen angestellt sind. Dies gilt für den Linux-Kernel genauso wie für OpenOffice.org und viele andere - auch außerhalb von Insiderkreisen bekannte - Programme.

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