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Sinnfreie Filmgimmicks

Dienstag, 17. Februar 2009

So glamourös und pressewirksam Filmfestspiele auch sind, die Milch der Produzenten machen sie auch nicht fett. Mittlerweile nutzen die großen Hollywood-Studios alle Werbestrategien, um ihre Filme dem Publikum bekannt zu machen. Seinen sie auch noch so absurd. Judith Biedermann hat sich die „interssantesten“ angeschaut.

Quelle: 20th Century Fox

Man nehme 200g Mehl, die gleiche Menge gemahlene Haselnüsse, Eier, Natron, eine Prise Salz, je 250 Gramm Butter und braunen Zucker, Zartbitterschokolade und natürlich Old English Fudge, Whiskey-flavoured. Das ganze ergibt nach 10 Minuten bei 200 Grad, Whiskey-Fudge-Cookies. Drovers Lieblingskekse, die er sich nach getaner Arbeit mehr als verdient hat.
So steht es jedenfalls im Backbuch zum Weihnachtsblockbuster Australia. Der „Ich-hatte-eine-Farm-in-Afrika“-Version für Down Under. Hugh Jackmann und Nicole Kidman versuchten sich Ende vergangenen Jahres im Australien-Epos dramatisch ineinander zu verlieben. Doch karamell-klebrige Cookies aßen sie dabei nie.
Für die Kinowerber war das aber gar kein Problem. Schließlich stand Weihnachten vor der Tür. Und was würde da besser passen, als Plätzchen-Rezepte und Film zu verbinden? Kernig-gehaltvolle Kekse für die Männer, rosenwasser-süße und zartschmelzende Plätzchen für die Frauen.
Die Australia-Weihnachtsbäckerei war geboren, ein sieben Rezepte umfassendes Heftchen, das als Gimmick, als Werbegag in den Kinos auslag.
Eine Idee ungleich gehaltvoller als die angepriesene Mandelbutterbällchen, dennoch wirksam.
Die Weihnachtsausgaben der Frauenzeitschriften immerhin gehören zu den auflagenstärksten des Jahres. Welche gute Hausfrau bäckt nicht an Weihnachten oder tauscht Rezepte. Word-of-Mouth, also Mundwerbung von Bäckerin zu Bäckerin ist garantiert.
Doch bleibt bei allen Werbestrategien die Grundfrage: Was hat das noch inhaltlich mit dem Film zu tun?
Es ist mir natürlich klar, dass mittlerweile nichts unversucht gelassen wird, um Filme zu vermarkten. Virales Marketing auf youtube, gut gestreute Gerüchte auf aintitcool.com und weltweite Werbekampagnen. Bei großen Hollywood-Produktionen fließen mittlerweile gut ein Drittel des Budgets in Werbung und Vermarktung. Bei Australia mit einem geschätzten Budget von 130 Millionen Dollar könnten so immerhin 44 Millionen veranschlagt werden. Da sollte der Zuschauer doch eigentlich auch qualitativ hochwertige Werbung und Vermarktungsideen erwarten können?
Doch Australia ist kein Einzelfall. Für die Comicverfilmung The Spirit gab es als Publikumsgeschenke Hüte, denen jedes Partyhütchen Konkurrenz gemacht hätte und Medaillons, zu denen man am Automaten für 50 Cent auch noch einen Kaugummi dazu bekommen würde.
Als der jüngste James Bond in die Kinos kam, gab es unter anderem Kaffeetassen. Kaf-fee-tassen! Haben sie James Bond jemals Kaffeetrinken sehen? Und nach zwei vollen Tassen, war der Henkel auch schon ab. Neben inhaltlichem Fehltritten, also auch noch qualitative Mängel. Und das bei Werbebudgets im oberen zweistelligen Millionenbereich.
Vielleicht wohnt der Finanzkrise hier ihr Gutes inne, wenn sie weitere sinnlose und überteuerte Werbung in der Filmindustrie verhindert. Man sollte das Geld lieber direkt in den Film stecken und mit dem eigentlichen Produkt und nicht den Werbegeschenken überzeugen. So bleiben uns vielleicht Thermobecher zu Ice Age 3, Bibel-Sonderausgaben zu Illuminati oder Spanischkurse für Terminator 4 erspart.

Judith Biedermann