Programmvorschau
Pistenfahrplan
Etwas ernstere Ausgehtips zu einem etwas wärmeren Wintertag...
Rächer mit roter Krawatte
Es ist noch kein Ende in Sicht: Nach Spider Man, Hulk und Batman kommt nun die nächste Comicverfilmung in die Kinos. Doch dieses Mal ist es kein DC- oder Marvel-Superheld, sondern der Held eines Zeitungscomicstrips aus den 40er Jahren. Die Rede ist von "The Spirit".

The Spirit – so heißt der mysteriöse Kämpfer gegen die Unterwelt von Central City. Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein ganz normaler Mann im schwarzen Anzug. Einzig auffällig sind seine schwarze Maske und die rote Krawatte. Doch The Spirit hat übermenschliche Kräfte und scheint unsterblich zu sein: Verletzungen heilen bei ihm binnen kürzester Zeit. Nur einer kennt sein Geheimnis und das ist ausgerechnet sein schlimmster Feind: der Octopus. Sein Ziel: The Spirit vernichten und die Herrschaft über Central City an sich reißen. Beim Kampf von Gut gegen Böse dürfen natürlich auch schöne Frauen nicht fehlen.
Nach der ersten Einstellung ist klar, wer hier seine Finger im Spiel hat: die Farben meist in schwarz, weiß und rot gehalten, Schatten in der Totalaufnahme und eine hochkarätige Besetzung – wer jetzt an Sin City, 300 und Frank Miller denkt, liegt goldrichtig. Miller verewigt sich mit The Spirit nicht nur als Drehbuchautor und Regisseur, sondern sogar in einer kleinen Gastrolle. Die Comicvorlage lieferte dieses Mal allerdings nicht Miller selbst, sondern ein Comicstrip, der wöchentlich von 1940 bis 1952 in verschiedenen amerikanischen Zeitungen erschien. Miller bleibt dem Muster seiner vorigen Filme treu und setzt auch hier vielfach auf plumpe gedankliche Monologe.
Frank Millers Comicverfilmungen haben einen ganz eigenen Stil, der sie von Filmen wie Hulk oder Spiderman unterscheidet. Bei Spiderman und Co. sind die Bösen in der Regel gar nicht ausschließlich böse, sondern vielschichtige Charaktere mit einleuchtenden Motiven für ihr Handeln. Doch genau darauf verzichtet The Spirit – wie es übrigens auch die meisten Comics tun: Hier kämpft der knallharte Einzelgänger gegen die Bösen, die einfach das machen, was sie wollen, ohne lange Erklärungen. So zum Beispiel auch gegen Scarlett Johansson alias Silken Floss, die Helferin des Octopus.
Zeitweise glaubt man, ein Theaterstück zu sehen: Da hüpft Samuel L. Jackson als Spirits Widersacher eben noch als Samurai verkleidet herum und im nächsten Moment in SS-Uniform. Doch skurrile Ideen allein machen noch keinen herausragenden Film. Zwar ist Frank Millers The Spirit eine außerordentlich mutige Comicverfilmung, aber auf einen spannenden Plot wie in The Dark Knight oder Spiderman kann man lange warten. Gemessen an Millers vorigen Werken Sin City und 300, zieht The Spirit trotz Hollywoodgrößen wie Eva Mendes, Scarlett Johansson oder Samuel L. Jackson den Kürzeren.
Gregor Teggatz


hören
herunterladen
Beitrag empfehlen / kommentieren