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Pierre Brice zum 80. Geburtstag

Dienstag, 03. Februar 2009

Cowboy und Indianer: Das hat früher jeder gespielt. Und wer wollte man sein? Natürlich das Vorbild aus dem Sonntagnachmittagsfilm: der rechtschaffene Old Shatterhand oder noch lieber der edelmütige Winnetou. Pierre Brice hat mit seiner Darstellung des Apachenhäuptlings ganze Generationen geprägt. Am Freitag wird der Franzose 80 Jahre alt.

Pierre Brice 2005 in Zivil

Die weite Prärie. Am Horizont zwei einsame Reiter. Aufrecht und erhaben, Bärentöter und Henrystutzen am Sattel des einen, die Silberbüchse auf den Knien des anderen. Old Shatterhand, der Bärenbezwinger aus Europa und Winnetou, der letzte Apachenhäuptling. Blutsbrüder bis in den Tod. Ihre bedingungslose Freundschaft prägte ganze Generationen. Edelmütig und rechtschaffen, nobel und tapfer wurden sie für viele zu Helden der Kindheit. Vor allem Winnetou war nie ein Mann vieler Worte. Doch was er sagte, hatte Gewicht.

1962 entdeckte der Produzent Horst Wendlandt Pierre Brice auf der Berlinale und wusste sofort, dass er seinen Winnetou gefunden hatte. Nur der Franzose Brice konnte mit der Indianer-Figur des Karl May zunächst nichts anfangen. Nachdem er jedoch eine französische Ausgabe der deutschen Abenteuerromane gelesen hatte, sagte er zu. Zwei Wochen später begannen die Dreharbeiten in Jugoslawien – und die Karriere von Pierre Brice.

Lange schwarze Haare, blaue Augen, Stirnband und vornehme Zurückhaltung. Das verhaltene Spiel Brices, der traurige die-Verantwortung-für-einen-ganzen-Stamm-tragende Blick und der edle Charakter prägen das Bild der Deutschen vom Indianer, dem „edlen Wilden", bis heute. Keiner, außer Winnetou, lehrte ganze Generationen Werte wie Vergebung, Großmut, Gerechtigkeit, Frieden und Freundschaft mit so viel Pathos.

In sieben Jahren verkörperte Pierre Brice elf Mal den Winnetou. Sein Bild zierte in dieser Zeit 56mal das Titelblatt der BRAVO. Der Bravo Otto erhielt wegen Pierre Brice die Form eines Indianers und wurde ihm für seine Rolle des  Apachenhäuptlings allein zwölf Mal verliehen.

Zwar war Pierre Brice als Darsteller des Winnetou ein Megastar. Doch blieb sein Erfolg hauptsächlich auf Deutschland und vor allem die Rolle des Indianers begrenzt. Nachdem er Ende der 60er Mokassins und Lederkluft an den Nagel gehangen hatte, folgten nur noch unbedeutende Rollen in Filmen und Fernsehserien.

Pierre Brice selbst, sagte in einem Interview anlässlich seines 80. Geburtstags, dass die Rolle des Winnetou seine Karriere ruiniert habe. Er hätte nach dem dritten Teil, auf dem Höhepunkt seiner Karriere mit Winnetou aufhören sollen. Er hätte jede Rolle bekommen.

Doch das Publikum wollte ihn nur in der Rolle des Winnetou sehen, löste zum dritten Teil 1965 sogar eine landesweite Protestwelle aus, um den Filmtod des Häuptlings zu verhindern. Erfolgreich. Winnetou und Pierre Brice verbindet auch heute noch eine nicht enden wollende Blutsbruderschaft.

Judith Biedermann