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Platte: rund, Filmrolle: rund, Rundgang: rund!
Musiker im Iran - Sounds of Silence
Dass die Regierung des Iran ein Atomprogramm entwickelt, kann man seit Monaten den Medien entnehmen. Die Tatsache, dass auch die Musiklandschaft im Iran sich weiterentwickelt, schaffte bisher aber noch nicht den Sprung in die Schlagzeilen. Beim Stichwort „Musik im Iran“ tönen einem dann sicher die traditionellen Klänge und Gesänge einer uralten Kultur in den Ohren. Aber jeder, der einen Blick hinter die Fassade wirft, wird feststellen, dass auch im Iran die Zeit nicht stehen geblieben ist. Die iranischen Filmemacher Amir Hamz und Mark Lazarz erzählen in einem Dokumentarfilm die Geschichte einer jungen Generation von Musikern in ihrer Heimat.

Nach der islamischen Revolution im Jahre 1979 wurde die meiste Musik im Iran verboten. Die „Kinder der Revolution“ begannen ein anderes Ventil gegen Wut und Unterdrückung zu finden.
Westlicher Rock, HipHop, House und viele andere Richtungen sind heute sehr beliebt. Bands haben sich gegründet, singen Songs auf persisch mit selbst geschriebenen Texten. Doch das Künstlerleben ist alles andere als einfach. Das weiß auch Babak, der Gitarrist der Band o-hum.
"Sie sagen, dass der Gesang angeblich nicht korrekt, der Gitarrensound zu laut oder die Musik allgemein zu ausländisch ist."
Handlungsort: Teheran. Ohne große Vorrede beginnt der Film direkt in die Problematiken einzusteigen, mit denen die Musiker aus Nahost konfrontiert werden. Staatliche Kontrollen durch Zensur der Texte sowie der Musik sind an der Tagesordnung. Eine lange Kette von Verboten schneidet der jungen Generation jeglichen Weg in die Öffentlichkeit ab. Von Ershad ist die Rede, einer staatliche Einrichtung, die jede Musik auf ihre Spielbarkeit überprüft. Ein Text- und ein Musikkomitee machen den jungen Künstlern das Leben schwer. Shadi ist Journalistin der Teheran Avenue und kennt die Probleme.
"In den letzten Jahren hat keine Kooperation zwischen diesen Komitees statt gefunden. Sie sagen zum Beispiel, dass bestimmte Texte politische Parts enthalten würden. Das passierte auch mit o-hum einer sehr bekannten Band. Generell kann man sagen, dass die Mitglieder dieser Komitees nur traditionelle oder klassische Songs kennen, also keinen Rock oder irgendeinen anderen neuen Musikstil.“
Hamz und Lazarz halten die Kamera drauf und lassen ihre Protagonisten ausreden. Mit bewundernswertem Mut schildern diese jungen Leute Szenen aus ihrem Musikeralltag. Die Story hangelt sich an verschiedenen Einzelgeschichten von Bands, einem Musikproduzenten, einer Journalistin aber auch traditionellen Künstlern entlang. Diese kleinen Geschichten lösen beim Zuschauer anfangs eher Verwirrung aus, fügen sich im Laufe des Films allerdings immer mehr zu einem großen Ganzen. Hier geht es um junge Musiker aus dem mittlerem Osten, die nichts anderes wollen, als einfach nur Musik zu machen.
"Wenn ich Gitarre spielen möchte, dann spiele ich Gitarre. Ich habe dann keine anderen Ziele oder Absichten, will weder damit eine Revolution auslösen oder Leute mit meinen Songs belehren. Nichts."
Die Regisseure lassen ihren Zuschauern genug Freiraum diese fremde Welt und ihren Durst nach Weiterentwicklung zu ergründen. Den jungen Künstlern geht es nicht darum den Westen zu kopieren, sondern die eigene Tradition instrumental wie auch gesanglich mit westlichen Musikrichtungen zu verbinden. Shadi erklärt, dass Ershad trotzdem einen Weg findet, um alles zu verbieten.
"Sie sagten einmal zu einer Band: Ihr sprecht von Liebe in euren Songs, aber Liebe kann nur in Verbindung mit Gott existieren. In eurem Song aber singt ihr über die Liebe zu einer anderen Person. Das dürft ihr nicht!"
Die einzige Plattform, die dieser iranischen Musikergeneration bleibt, ist das Internet. Ein kleiner Keim in einer schwierigen Welt, der langsam aber stetig Veränderung verlangt.
Der Titel des Dokumentarfilms spricht für sich. Sounds of Silence, die Klänge der Stille.
"Wir können die Hände einfach nicht von unserer Musik lassen. Die Folge wird sein, dass wir einfach zu Hause aufnehmen, wenn sie unser Studio blockieren. Und auch wenn sie unsere Websites verbieten, werden wir eine Lösung finden. Wir werden immer einen Weg finden. Wenn jemand unsere Musik mag, wird er sie weiter geben."
Von Alexandra Falk


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