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Got Milk?

Dienstag, 17. Februar 2009

Got Milk? ist in den USA ein erfolgreicher Werbedauerbrenner der Milchindustrie. Auch viele Prominente hielten schon ihren Milchbart für die Kampagne in die Kamera. Ein Prominenter Amerikaner, der wie kein anderer auf die Kampagne gepasst hätte, wäre Harvey Milk. Allein schon des Namen wegens. Der bekennende Homosexuelle bewarb sich in den 70ern um einen Sitz im Stadtrat von San Fransico und wurde zur Ikone der Schwulenbewegung. Gus van Sant hat Harvey Milks Leben nun porträtiert. Kerstin Ruskowski hat "Milk" schon gesehen.

Quelle: Constantin Film

Mein Name ist Harvey Milk und ich will Euch rekrutieren. Ich will Euch rekrutieren für den Kampf zur Erhaltung Eurer Demokratie. Brüder und Schwestern, Ihr müsst Euch outen! Outet Euch vor Euren Eltern, outet Euch vor Euren Freunden, wenn sie tatsächlich Eure Freunde sind.

1972 künden diese Worte von dem Aufbruch in eine neue Zeit. Denn trotz freier Liebe und Hippie-Bewegung sind gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen in den USA verpönt.
Anfang der 70er Jahre zieht Harvey Milk mit seinem ungleich jüngeren Freund Scott nach San Francisco. Doch in der Castrostreet, einer irisch-katholischen Nachbarschaft, stößt das schwule Pärchen auf wenig Gegenliebe. Das ist der Moment, in dem Harvey Milk beschließt, nicht nur sein Leben zu verändern.


Ich brauch ne Veränderung.
Ja. Hey, Du bist jetzt 40.
40 Jahre alt und ich hab noch nichts getan, worauf ich stolz wär.
Iss weiter solchen Kuchen und Du bist fett sobald Du 50 wirst.
Sofern ich jemals 50 werde.


Fortan kämpft Milk für die gesellschaftliche Akzeptanz von Schwulen. Und zwar im großen Stil: Sein Ziel ist ein Sitz im Stadtrat. Er findet schnell Mitstreiter, die ihn im Wahlkampf und mit Demonstrationen unterstützen.

Civil rights and civil war. Gay rights now! Civil rights and civil war. Gay rights now!

Zwar gelingt es nicht auf Anhieb, doch 1977 wird Harvey Milk als erster Schwuler in den Stadtrat von San Francisco gewählt. Sein Privatleben leidet allerdings unter seinem beruflichen Erfolg: Scott, der ihn von Anfang an unterstützt hat und mit dem ihn eine starke Liebe verbindet, trennt sich von ihm.
Eines Abends schleicht der junge Latino Jack vor der Fensterscheibe von Milks Wahlkampfzentrale herum. Diego Luna, bekannt aus „Y tu mamá también“ gibt der Figur des Jack etwas schizophrenes. Jack ist fordernd, anstrengend und nervig. Und vom ersten Moment an ahnt man, dass diese Liebesgeschichte zwischen dem schwulen Politiker und dem durchgeknallten Latinojungen ein böses Ende nehmen wird. Der Schauspieler Diego Luna verschmilzt geradezu mit seiner Rolle des aufgesetzten Klischeeschwulen.

Ist das alles für Dich, Harvey? Bist Du so berühmt, ja? Echt?
Nein, so ist das hier eigentlich immer. Gefällt’s Dir?
Ja.
Die neue Mrs. Milk. Ich geb ihm ne Woche.


Auch Sean Penn überzeugt als facettenreicher Harvey Milk – bisweilen unsicher und auf die Unterstützung seiner Freunde angewiesen, mimt Penn Harvey Milk als einen Mann zwischen menschlichen Bedürfnissen, alltäglichen Problemen und beruflichem Erfolg, der zur Leitfigur der amerikanischen Schwulenbewegung wird.
Cleve Jones, der im Film von Emile Hirsch gespielt wird, gehörte zu Harvey Milks engsten Freunden. Als Student der Politikwissenschaft war Jones als berater der vielleicht wichtigste Teil von Milks Wahlkampfteam. Heute setzt sich Jones noch immer für Homosexuelle und für Aidskranke ein. Dass das Leben seines Freundes Harvey Milk nun verfilmt wurde, ist für ihn besonders wichtig.

Ich möchte, dass die Leute wissen, dass er ein gewöhnlicher Mann war. Er war kein Heiliger, er war kein Genie, sein persönliches Leben war oft in Unordnung. Er starb mittellos. Und trotzdem – mit seinem Beispiel und seinen Taten hat er ganz sicherlich die Welt verändert.

Der Regisseur Gus van Sant hat mit „Milk“ das Leben des ersten bekennend schwulen Stadtrats von San Francisco porträtiert. Doch auch 30 Jahre nach dem öffentlichen Engagement Harvey Milks ist das Thema noch genauso aktuell und heiß diskutiert: Gleichgeschlechtliche Ehen wurden 2004 zunächst erlaubt und dann in einigen Bundesstaaten, unter anderem in Kalifornien, wieder verboten – per Volksentscheid.

Von Kerstin Ruskowski