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Festival oder nicht Festival, das ist hier die Frage...
Wie viel Kino braucht eine Stadt? Und vor allem: Wie viel Rummel rund ums Kino und den Kinofilm kann eine Stadt wie Leipzig vertragen? Die Auswahl an Filmfestivals ist kaum noch zu überblicken. Was der normale Kinogänger, oder auch der überzeugte Cineast davon hat, kommentiert Super8-Redakteur Michael Bartel.

„Mach doch mal was zu diesen ganzen Filmfestivals hier in Leipzig – einen Kommentar oder so.“ – Das waren die Worte der verantwortlichen Redakteurin für diese Sendung. So einen richtig schönen, bissigen Kommentar wollte sie haben - geschrieben mit spitzer Feder. Einen Aufreger über die vielen aus dem Boden schießenden Filmtage.
Und damit war es da - mein Problem. Doch zuerst die Fakten: Es ist schier unmöglich die in Leipzig organisierten Filmfestivals beziehungsweise Filmtage zu zählen. Einige starten hoffnungsfroh und werden dann im nächsten Jahr doch nicht mehr veranstaltet. Andere haben sich fest etabliert:
Darunter an erster Stelle das Dokfilm-Festival, die Argentinischen Filmtage oder die schwul-lesbische Filmreihe. Kein Genre, keine Region und keine Volksgruppe scheint zu klein oder unbedeutend, als das sie nicht für den Leinwandkosmos taugen würde – wie der jüngste Spross in dieser Reihe beweist: Die Bayerischen Filmtage. Der Kreativität der Veranstalter jedenfalls sind keine Grenzen gesetzt.
Und wer soll bei diesem anarchischen Wildwuchs den Überblick behalten? Es scheint ja ganz nach dem Motto zu gehen: „Jedem Tierchen sein Pläsir’chen“. Und außerdem: Spricht nicht alles dafür, dass bei soviel Masse, am Ende alles andere als Klasse herauskommt? Und genau jetzt kommen wir zurück zu meinem Problem: Ich kann an dieser Anarchie, an dem Durcheinander nichts Negatives finden, nichts Herumkritteln oder zynisch zuspitzen.
Ganz im Gegenteil: Filmfestivals sind eine riesige Fundgrube. Ich selbst stoße immer wieder auf Filme die mich begeistern und lange Zeit nicht mehr loslassen. Filme, die ich mir in einer regulären Vorstellung nicht angesehen und damit verpasst hätte. Und auch generell gilt, dass Independentfilme, die auf kleinen Festivals das Laufen lernen, später sogar einen Oscar gewinnen. Wie „Pans Labyrinth“, eine fantastische Geschichte des heute zu Recht gefeierten mexikanischen Filmemachers Guillermo del Toro. Oder „Die Geschichte vom weinenden Kamel“, ein Dokumentarfilm über eine mongolische Hirtenfamilie, der für einen Oscar nominiert wurde.
Es ist eben doch keine Region, kein Genre und kein Thema zu klein, als das es nicht für die Leinwand taugen würde. Und wo können Enthusiasten und Neugierige besser zusammen kommen als auf einem Festival?
Michael Bartel


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