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Das lange Interview mit Dr. Georg Prinz zur Lippe

"Wein ist ein fantastischer Kulturbotschafter einer Region"

von Viktoria Hänsel
Freitag, 02. Dezember 2011

"Ein guter Wein ist ein Geschenk der Götter", das wussten schon die Römer. Das m19-Team weiß, dass es auch in Sachsen guten Wein gibt. Und so besuchten sie das Weingut Schloss Proschwitz in Zadel über Meißen. Im langen Interview erzählt Weingutsbesitzer und Unternehmer Georg Prinz zur Lippe, was ihn dazu veranlasst hat, nach der Wende zurück in den Osten zu gehen und woran jeder guten Wein erkennen kann.

Georg Prinz zur Lippe und Moderator Julius Heeke genießen nach dem Interview in der Vinothek ein Glas Sekt. (Foto: Viktoria Hänsel)
In der Kellerei auf dem Vierseitenhof werden die Weine gewonnen.
Das Barockschloss mit Blick auf den chinesischen Pavillon.
Einen prachtvollen Ausblick von den Weinbergen auf die Stadt Meißen.

Rund 100 Kilometer östlich von Leipzig liegt Zadel über Meißen. Ein kleines Dorf, welches das Weingut Schloss Proschwitz beherbergt. Es ist eines der ältesten Weingüter in Sachsen. Die Proschwitzer Weinberge liegen entlang der Elbe mit einem pittoresken Blick auf die Stadt Meißen. Seit 20 Jahren baut hier Georg Prinz zur Lippe Wein an. Mit Erfolg, denn jährlich werden seine Weine prämiert und zählen mittlerweile zu den besten in ganz Deutschland.

Aller Anfang war schwer

Seine Erfolgsgeschichte könnte auch aus einem Märchenbuch entsprungen sein: Ein Prinz aus dem Westen kehrt kurz nach der Wende zurück an den Ort seiner Vorfahren, verliebt sich in die Landschaft und entscheidet sich zu bleiben. Der Unternehmensberater gibt sein wohlsituiertes Leben in München auf und zieht in das kleine Weinberghäuschen. Dort lebt er anderthalb Jahre lang ohne warmes Wasser und nächtigt auf einem Feldbett. Nach und nach kauft er Land für Land zurück – ganz ohne Streit mit den Menschen vor Ort.

„Mensch, das war ein ganz schönes Risiko“

1996 steht auch endlich das heruntergekommene Barockschloss zum Verkauf und Georg Prinz zur Lippe greift sofort zu. Er investiert Millionen in die Weinberge und in die Sanierung des Schlosses. Und nur weil er nebenbei noch als Unternehmensberater arbeitet, gewähren ihm die Banken die Kredite. Mittlerweile dient das Schloss als Veranstaltungsort für Hochzeiten oder Empfänge. Auf dem Weingut in Zadel gibt es neben der Vinothek noch eine kleine Pension und ein Feinschmeckerlokal.

Weingut Schloss Proschwitz
Das Weingut Schloß Proschwitz ist sowohl das älteste als auch das größte private Weingut Sachsens. Dr. Georg Prinz zur Lippe kaufte nach 1990 das Weingut seiner Familie Schritt für Schritt wieder zurück. Nach den ersten Jahren des Gutes in den Räumlichkeiten einer alten Obst LPG in Reichenbach, werden die Weine seit 1998 in der neuen, hochmodernen Kellerei im Vierseitenhof in Zadel ausgebaut. Die ca. 87 ha großen Weinberge des Weingutes Schloß Proschwitz werden kontrolliert, umweltschonend bewirtschaftet. Sie bilden die Grundlage für die hochwertigen Rot-, Weißweine und Sekte. Das Weingut wurde 1996 als erstes sächsisches Mitglied im Verband der deutschen Prädikats- und Qualitätsweingüter Deutschlands (VdP) aufgenommen.

Dass man mit Wein kein Vermögen verdienen kann, das weiß auch Georg Prinz zur Lippe. Zehn Jahre lang schrieb der Unternehmensberater und Weingutsbesitzer rote Zahlen, um den Betrieb zum Laufen zu bringen. Heute ist er sich ziemlich sicher: „Wäre ich kein Unternehmensberater gewesen, dann hätte ich dieses Unternehmen schon längst gegen die Wand gefahren.“ Mittlerweile schreibt das Weingut schwarze Zahlen. Das Problem: Der Gewinn hängt wie jedes Jahr von einer guten Ernte ab. Denn wenn das Wetter nicht mitspielt, dann kann die Ernte sehr schlecht ausfallen. Schließlich kann aus schlechten Trauben keinen guter Wein gewonnen werden.

Weinanbau in Sachsen

Sachsen zählt zu den kleinsten und nördlichsten Weinanbauregionen in Deutschland. Das Elbtal bietet für den Weinanbau günstige klimatische Bedingungen. Vor allem warme Sommertage mit kühlen Nächten schaffen ideale Voraussetzungen für die Reben. Jedoch können kontinentalklimatische Auswirkungen wie kalte Winde oder Spätfröste diesen erheblichen Schäden zufügen. Daher sind geringe Erträge kennzeichnend für die Region Sachsen. Nichtsdestotrotz ist das Elbtal mit seinen Böden aus Lößlehm und Graniturgestein ein sehr guter Ort, um filigrane Weine zu gewinnen.

Obwohl Sachsen nicht zu den bekanntesten Weinregionen Deutschlands zählt, ist sich Georg Prinz zur Lippe sicher, dass gerade sein Qualitätswein ein guter Botschafter für Sachsen ist.

Moderator Julius Heeke sprach mit Georg Prinz zur Lippe über die schwierigen Aufbaujahre von Schloss Proschwitz, den Weinanbau in Sachsen und warum Öko-Wein nicht immer ökologisch sinnvoll ist. Hören Sie hier das Interview!

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