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Redaktion M19
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Blood Red Shoes, ägyptische Revolution und die Insel Leipzig
"Satire ist immer mit einem aggressiven Moment verbunden"
Er ist Deutschlands Krawallsatiriker Nummer 1. Geliebt von den einen, gehasst von den anderen. Die Rede ist von Martin Sonneborn. Im langen Interview "m19" sprach er über Satire, die Politik der Partei "DIE PARTEI" und warum es Spaß macht, die Leute auf die Schippe zu nehmen.

Besonders BILD-Leser können seinen satirischen Aktionen nichts abgewinnen und beschimpften ihn einst als "ganz großes Schwein". Der Grund: Sonneborn bestach mit einem Fax angeblich den FIFA-Stimmberechtigten aus Neuseeland, der sich in der Abstimmung zur Vergabe der WM enthielt. Das Ergebnis lautete 12:11 Stimmen für Deutschland. Sonneborn wurde daraufhin vom DFB eine 317-Millionen-Euro-Klage angedroht und verpflichtete sich, nicht mehr in die Belange der FIFA einzumischen. Daraufhin rief die BILD-Zeitung ihre Leser zu einer Beschwerde-Telefonaktion beim Titanic-Magazin auf. Mit der Folge, dass die gesamte Titanic-Redaktion einen Heidenspaß hatte und ihren treuen Abonnenten eine CD mit den besten Sprüchen als Prämie schenken konnte.
Er ist ein angenehmer Interviewgast
Unsere M19-Redakteure hatten erst einmal großen Respekt vor Martin Sonneborn. Anders als Christine Westermann haben sie das aber für sich behalten und festgestellt: Der langjährige Titanic-Chef Sonneborn kann auch mal ernst sein - und ist vor allem ganz sympathisch.
Treffpunkt für unser Interview ist das Hinterzimmer im Beyerhaus. Nach seiner dreistündigen Lesung gesellt sich der Chefsatiriker der Nation zu uns, isst in Ruhe seinen großen Salat und freut sich über das Tablett voller Bier, das wir mitgebracht haben. Um 23 Uhr noch ein langes Interview zu geben scheint ihn nicht besonders zu stören, obwohl er am Abend zuvor schon in einer Berliner Bar versackt ist. Zur Leipziger Spezialität "Gisela" hat er aber nur ein "Das könnt ihr gleich wieder vergessen!" übrig.
Um so besser: So können sich der Moderator und die drei aufgeregten Redakteure noch ein bisschen Mut antrinken. Denn schaut man die WDR-Sendung “Zimmer frei!” mit Sonneborn als Gast, muss man zwangsläufig denken, er sei kein besonders angenehmer Interviewgast. Das Youtube-Video bietet eine Stunde lang Fremdschämen. Sonneborn meint dazu, er sei Interviews nicht generell abgeneigt. Leider habe zwischen ihm und Christine Westermann die Chemie nicht gestimmt. "Mit Christine Westermann und mir sind einfach zwei verschiedene Konzepte aufeinandergestoßen. Götz Alsmann hat witzige Sachen gemacht. Er ist einfach doppelt so lustig wie Christine Westermann."
Satire ist sein Leben
Den Weg in die Satire fand Martin Sonneborn direkt nach seinem Studium (Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaft) in Münster, Berlin und Wien. Satire war schon immer ein Bestandteil in seinem Leben, wie seine Magisterarbeit beweist, die er über die Wirkungsmöglichkeiten von Satire schrieb. Daraufhin folgte ein Praktikum beim Satiremagazin Eulenspiegel, bis er schließlich 1995 zum Titanic-Magazin wechselte. Hier wurde er 2000 Chefredakteur und blieb es für die kommenden fünf Jahre. Ernsthafter Journalismus kam für Sonneborn nie ihn Frage. Einmal probierte er es aus und scheiterte kläglich, wie er meint.
"Es ist viel lustiger, mit 0,9 Prozent Politik zu machen."
Sonneborn feierte als Chefredakteur der vergleichsweise auflagenstarken Satirezeitschrift einige Erfolge. Er etablierte den "Titanic Telefon Terror", nahm Promis und normale Bürger aufs Korn und veröffentlichte die 20 lustigsten Beschimpfungen aufgebrachter BILD-Leser auf CD. Doch mit seiner Zeit als Chefredakteur endete seine Satire-Karriere nicht. 2004 gründeten er und weitere Titanic-Redakteure die Satirepartei "Die PARTEI" (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiativen). Mit der sind sie mittlerweile bei einer Bundestagswahl (2004) sowie bei den Landtagswahlen in Hamburg und Berlin in diesem Jahr angetreten. Die PARTEI konnte ihr Ergebnis dabei kontinuierlich steigern - auf zuletzt 0,9 Prozent in Berlin. "Ein Prozent weniger als die FDP - das ist beschämend." Objektiv könnte man meinen, das Projekt sei gescheitert. Sonneborn findet: "Es ist viel lustiger, mit 0,9 Prozent Politik zu machen und eine große Klappe zu riskieren."
"Das Thema Mauerbau meide ich in Ostdeutschland."
Allgemein ist Martin Sonneborn ein entspannter Typ. Zurzeit ist er auf Lesereise durch die Republik, deren Teilung er in seinem Parteiprogramm propagiert. Das Programm sieht die endgültige Teilung des Landes vor, die Mauer soll wieder aufgebaut werden. "Das Thema meide ich in Ostdeutschland eher" gibt Sonneborn zu. Und das, obwohl der PARTEI-Ortsverband Leipzig ihm in diesem Punkt Rückendeckung gibt. Sie wollen probehalber zunächst einmal Connewitz einmauern - das Material wollen sie vom Völkerschlachtdenkmal generieren. Hingegen der Zoo laut dem Leipziger-Ortsverband "nicht angerührt wird", da die Tierstars sich hervorragend für populistische Zwecke eignen würden.
Bundespräsident oder einen Job bei mephisto 97.6
Martin Sonneborn kann aber auch ernst sein, zum Beispiel wenn es über die aktuelle Situation im Euro-Raum geht. Die Geldsummen, um die es geht, findet er bizarr und unrealistisch. "Das ist glaube ich alles sehr irreal, was da gerade passiert. Es versteht auch niemand, auch niemand von denen, die das gerade entscheiden." In die Politik will Sonneborn aber trotzdem nicht ernsthaft einsteigen, höchstens kann er sich das Amt des Bundespräsidenten vorstellen. Oder einen Job bei mephisto 97.6.
Moderator Christoph Kotschate spricht mit Martin Sonneborn über Satire, seinen Job als Außenreporter für die ZDF heute Show und warum manche Menschen es verdienen auf die Schippe genommen zu werden. Hören Sie hier das Interview nach!




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