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Ein Koffer für die letzte Reise

Mittwoch, 07. Oktober 2009

Fast ein jeder kennt wohl das Kinder- und Partyspiel "Ich packe meinen Koffer". Eine Gruppe sitzt im Kreis und nacheinander werden Dinge aufgezählt, die man auf eine imaginäre Reise mitnehmen würde. Dabei muss man stets darauf achten, die zuvor genannten Gepäckstücke der Mitspieler in richtiger Reihenfolge wiederzugeben. Doch vor drei Jahren wurden knapp 100 Menschen dazu eingeladen, einen etwas anderen Koffer zu packen.

Den Koffer für die Reise ins Jenseits packen - diese etwas merkwürdig anmutende Aufgabe war Grundlage einer Ausstellung, die zeigen wollte, wie sich Menschen mit ihrer Endlichkeit und der eigenen Reise ins Jenseits auseinandersetzen. Und was sie dabei in ihren ganz persönlichen Koffer packen würden.

Mehr als 500 Bewerber

Insgesamt bewarben sich für das Projekt fast 500 Menschen aus ganz Deutschland. Die Beteiligten waren dabei Männer und Frauen, Junge und Alte, Handwerker, Künstler aber auch Prominente und Personen der Öffentlichkeit. Eine bunte Mischung von Beteiligten also, die ganz verschiedene Einstellungen zum Leben und zum Tod haben und auch ganz unterschiedlich an die Aufgabe herangetreten sind.

Eine Woche dauerte es, bis die 103 identischen Koffer zu den Adressaten verschickt worden waren. Danach hatten die Auserwählten zwei Monate Zeit sich mit der Aufgabe auseinanderzusetzen. Und wie sich später herausstellte, kreisten bei vielen der Beteiligten schon wenige Tage nach der Einladung die Gedanken unaufhörlich um das Thema. Nicht verwunderlich, denn kaum jemand nimmt sich im Alltag die Zeit, über die eigene Endlichkeit und den Tod nachzudenken. Für einige wurde diese Auseinandersetzung jedoch so intensiv, dass sie die Koffer ungefüllt zurück sendeten. All die anderen Koffer wurden nach zwei Monaten wieder eingesammelt und für die Ausstellung vorbereitet.

Seit drei Jahren auf Dauertournee

Und nun sind die Koffer seit drei Jahren auf Dauertournee quer durch deutsche Städte und noch immer gibt es viele Besucher, die die Gepäckstücke bestaunen. Dabei erhalten die Interessenten sehr intime und persönliche Einblicke in die Gedanken der Akteure und deren Einstellung zu Leben, Tod und Spiritualität.

Dass aber nicht nur die Menschen, die die Koffer packten sondern auch die, die sie bestaunen, eine andere Einstellung gegenüber dem Tod bekommen haben, davon ist Fritz Roth, der Initiator dieser Ausstellung, überzeugt. Der landesweit bekannte Bestatter und Trauerbegleiter aus Bergisch Gladbach setzt sich mit immer neuen Ideen und Projekten für einen offeneren Umgang mit Tod und Trauer innerhalb der heutigen Gesellschaft ein. Durch sein Engagement erhofft er sich unter den Menschen ein Vertrauen dafür, "dass hinter dem Tod etwas wartet, das wir uns überhaupt nicht vorstellen können. Und wenn nicht, dann haben wir wenigstens hier davon geträumt."

Begleitend zur Ausstellung veröffentlichte er auch einen Bildband. Das Buch zeigt auf über 220 Seiten je ein Foto des gepackten Koffers und einen Brief, den jeder der Teilnehmer verfasst hatte und der erklärt warum gerade diese Gepäckstücke im jeweiligen Koffer gelandet sind. Ob nachdenklich, erheiternd, schrill oder subtil – die unterschiedlichen Beiträge und Erklärungen zeigen einmal mehr, dass für viele die Reise ins Jenseits so bunt zu seien scheint, wie das Leben selbst. (tj)
 
Hören Sie hier den Beitrag von Thomas Jähn

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