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Händel - ein Hitkomponist
Was den Leipzigern ihr Bach, ist den Hallensern ihr Händel. 1685 wurde Georg Friedrich Händel in Halle an der Saale geboren. Gestorben ist er allerdings vor 250 Jahren in einer Stadt an einem ganz anderem Fluss: in London an der Themse. Auf dieser wurde auch seine bekannte Wassermusik zum ersten Mal auf dem Wasser aufgeführt. Wasser und Feuerwerksmusik sind wohl heute die Stücke, die jeder sofort mit Händel in Verbindung bringt. Auch das berühmte Halleluja aus seinem Oratorium der Messias ist zu einem Schlager der Barockmusik geworden. Doch weder Instrumental noch Kirchenmusik machen den Großteil seines Werkes aus. In seinen über vierzig Opern finden Musiker noch heute einen reichen Schatz an wunderbaren Musikstücken. Unser Redakteur Denny Niesar hat zwei Leipzigerinnen getroffen, die im Händeljahr ihren ganz eigenen Zugang zu Händels Arien suchen.

Der Musiker Händel genoss bereits zu Lebzeiten den Ruf genial zu sein. In London, wo er die meiste Zeit seines Lebens arbeitete, wurde ihm ein Denkmal gesetzt. Eine unglaubliche Ehrung für einen Komponisten in dieser Zeit. Die Grundlage für die ersten Erfolge in London brachte er aber aus Italien mit: Die italienische Opera seria. Vor allem in Venedig hatte sich der junge Händel länger aufgehalten, die großen Komponisten dieser Zeit getroffen und seinen italienischen Stil verfeinert. Das Erfolgsgeheimnis der italienischen Oper seria war die Dakapo-Arie: Eingängig und gefühlvoll, zugleich virtuos und reich an waghalsigen Verzierungen.
Diese Arie findet sich auch auf der neuen CD der Leipziger Barocksopranistin Simone Kermes. Darauf singt sie Arien, die Händel einst für Francesca Cuzzoni schrieb. Sie möchte in ihren Interpretationen den deutschen Kern in der Musik des Hallensers - die Schlichtheit - nach außen kehren. Simone Kermes singt Händel schon lange. Seine Arien begegneten ihr im Studium. Und oft waren sie Glücksbringer bei gemeisterten Wettbewerben. Manchmal - sagt sie scherzhaft - fühlt sie sich so vertraut mit dieser Musik, als hätte Händel ihr diese Stücke auf den Leib geschneidert.
Zwar nicht ihr, aber Francesca Cuzzoni und anderen Primadonnen seiner Opernaufführungen hat er die Melodien gewidmet. Opernstars waren auch damals die Aushängeschilder der Inszenierungen. Deshalb war Händel bemüht besonders effektvolle und anrührende Arien für sie zu komponieren.
Hitverdächtige Arien kamen dabei nicht nur einmal zum Einsatz.
Der Erfolgsdruck Hits zu schreiben hing aber nicht nur mit den hohen Erwartungen der Sänger zusammen. Händel war als Komponist und Mit-Initiator zu einem großen Teil auch vom wirtschaftlichen Gelingen der Opernunternehmungen abhängig. Vielleicht sind die ökonomischen und künstlerischen Zwänge der Grund dafür, warum Händels Arien auch heute noch so populär sind und warum Künstler immer wieder nach neuen Aspekten in dieser Musik forschen.
Simone Kermes hat in Händels Arien die Schlichtheit wieder entdeckt und hat ihnen damit den ursprünglichen Glanz zurückgegeben. Auch die Choreografin Heike Hennig aus Leipzig ist in Händels Vokalwerk fündig geworden. Sie hat die innere Bewegung in seinen Melodien aufgespürt. In ihrer neuesten Produktion "Rituale" werden Händels Opernarien getanzt.
Für Heike Hennig sind die Opernarien Händels weitaus inspirierender als seine eigentlichen Tanzmusiken. Zorn, Liebe und Verzweiflung: es sind die starken Gemütszustände, die sich in den Arien in einer so reinen Form ausdrücken. Heike Hennig und Simone Kermes haben sich ihren eigenen Weg zu Händels Oper gebahnt. Sie haben sich der Musik geöffnet, haben ihr Empfinden gekonnt zum Ausdruck gebracht und sind erfolgreich damit: Heike Hennigs Tanzoper "Rituale" wurde von Kritik und Publikum begeistert aufgenommen. Auch Simone Kermes neue CD "Arien für Cuzzoni" bewegt sich auf den vorderen Rängen in den Klassik-Charts.
Wer Lust bekommen hat die Tanzoper "Rituale" von Heike Hennig zu sehen, muss sich leider noch bis zur nächsten Spielzeit gedulden. Dann wird sie wieder im Kellertheater der Oper aufgeführt.
Ein Beitrag von Denny Niesar




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