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The Great Bertholinis - "Gradual Unfolding Of A Conscious Mind Pt.3"
Ungarische Zirkusfamilie oder hungarophile Franken? Um ihre Herkunft machen The Great Bertholinis gerne ein Geheimnis. Mittlerweile ist Nürnberg als Heimat des Oktetts überliefert. Wo diese Band ihre Wurzeln hat, ist jedoch vollkommen egal, wenn dabei Alben herauskommen wie dieses: „Gradual Unfolding Of A Conscious Mind Part 3“ ist ein Meisterstück und unsere CD der Woche.

Puszta, Puszta, Puszta täterää
Die Puszta spielt die Hauptrolle in der Legende, die The Great Bertholinis um sich spinnen. Die acht Bandmitglieder stammen von der ungarischen Zirkusfamilie Bertholini ab, tragen Namen wie Todor, Zoltán oder Gábor und kommen aus der Kleinstadt Àtánly, so der Mythos. Ob wahr oder nicht – die Geschichte passt gut zur Musik der „großen Bertholinis“. Glaubhaft verarbeitet die Band südosteuropäische Einflüsse. Besonders ist die Wahl der Instrumente. Neben typischen Indie-Pop-Klangkörpern wie Akustik-Gitarre oder Schlagzeug reicht das Repertoire bis hin zu Banjo und Kontrabass. Eine wesentlich wichtigere Rolle spielen jedoch Blasinstrumente: Posaune, Saxophon und Trompete prägen den Stil dieser Band. Egal ob gemäßigt im Hintergrund oder lautstark im Refrain – das Bläserspiel trägt viel zum Charme von The Great Bertholinis bei. Mit Ska oder Ähnlichem hat ihr Sound dennoch nichts zu tun. Vielmehr schielen Rhythmen und Melodien der Band mit mehr als einem Auge deutlich gen Osten.
Tracklist:
1. Bright Days (Intro)
2. Run to hide
3. I am can
4. The Things I gave
5. Puzzle with a million Thoughts
6. Who do you trust
7. Lucky Pinto
8. String Puppets and Bees
9. Resetera
10. Zucker Serenade
11. Lost the Key
12. Bright Days
Im Walzertakt zum großen Sprung
Hierzulande reicht das Bild osteuropäischer Musik selten über „Kalinka“ und peinliche Auftritte beim Eurovision Songcontest hinaus. Nun hat ausgerechnet eine Band aus Nürnberg in Franken das Potential, für musikalische Völkerverständigung zu sorgen.
Zwar nähern sich The Great Bertholinis in Liedern wie „Resetera“ modernen Indie-Pop-Standards an, dennoch behalten sie sich stets einen Schuss Eigenartigkeit und Besonderheit. Dieser zeigt sich auch in der Taktart. Wer so offensiv mit dem Dreivierteltakt liebäugelt, landet schnell bei Hochzeitsfeiern oder beim sonntäglichen Tanztee. Auch „The Great Bertholinis“ stehen häufiger an diesem Punkt. Gerade im richtigen Moment variiert die Band jedoch Tempo und Takt – und stellt so tanzwütige Großmütter vor unlösbare Aufgaben.

Ein musikalisches Kaleidoskop
Überhaupt liegt der große Trumpf von „Gradual Unfolding Of A Conscious Mind Part 3“ in der abwechslungsreichen musikalischen Gestaltung. Selbst in kurzen Liedern wie „Zucker Serenade“ – gerade drei Minuten lang – kann der Hörer vier verschiedene musikalische Themen ausmachen. The Great Bertholinis variieren im Tempo, räumen jedem Instrument seine verdiente Aufmerksamkeit ein und zerschlagen so die starre Strophe-Bridge-Refrain-Struktur ohne Stückwerk zu produzieren. So wirkt auch die Pop-Marathonstrecke von fast sechs Minuten bei „Lost the Key“ so kurzweilig wie ein Dreiminüter.
Links:
The Great Bertholinis beim Label Hazelwood
Blog der Band
The Great Bertholinis bei MySpace
Welcome to the next Level
Bereits das Vorgängeralbum „Planting A Tree Next To A Book“ (2009) wusste die Kritiker zu überzeugen. Mit ihr schafften es The Great Bertholinis zur Band der Woche beim Online-Radio „on3“ und auch zur CD der Woche bei mephisto 97.6. Nun stellt „Gradual Unfolding Of A Conscious Mind Part 3“ noch eine Steigerung dar. Mit ihrem dritten Album bedienen die Bertholinis noch mehr Stimmungen als zuvor. Romantisch-verträumte Titel war man von den hungarophilen Franken bereits gewohnt. Jetzt erweitert die Band ihr Spektrum in Richtung mystisch-freakig („String Puppets and bees“) bis hin zu fast schon übertrieben fröhlich („Lucky Pinto“).
„Gradual Unfolding Of A Conscious Mind Part 3“ sollte allen weltoffenen Musikliebhabern ein Begriff werden und The Great Bertholinis endgültig den Stempel „Geheimtipp“ abwaschen.




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