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Minus The Bear - "OMNI"
Alles begann mit der Auflösung dreier Bands. Fünf Musiker, die sich ehemals dem Punk und Hardcore verschrieben, gründeten 2001 die Band Minus The Bear und beschritten neue musikalische Wege. Seit der Formierung gab es eine Umbesetzung und es wurden fünf EPs, ein Remix- und drei Studioalben veröffentlicht. In diesem Jahr folgt das vierte Studioalbum „OMNI“ der Rockformation Minus The Bear aus dem US-amerikanischen Seattle. Es ist unsere CD der Woche.

Playlist: 01. My Time 02. Summer Angel 03. Secret Country 04. Hold Me Down 05. Excuses 06. The Thief 07. Into The Mirror 08. Animal Backwards 09. Dayglow Vista Road 10. Fooled By The Night
„Spritz!!! Spritz!!!“
Seit nunmehr neun Jahren veröffentlicht das Quintett mit dem seltsamen Namen Songs. Die Bezeichnung Minus The Bear entstand aus einem Insider-Witz der Band heraus: Ein Freund der Combo hatte ein Date. Als eines der Mitglieder sich nach dem Verlauf erkundigte, antwortete der Freund: „Es war wie diese TV Show aus den 70ern, ‚B.J. And The Bear’, nur ohne den Bären – Minus The Bear. Ähnlich zufällig, wie die Entstehung des Bandnamens, scheinen auch die ersten Lieder der Gruppe zu ihren Namen gekommen zu sein. So sorgten damals Songtitel für Aufsehen wie „Hey, Wanna Throw Up? Get Me Naked“ oder „Spritz!!! Spritz!!!“. 2005 erschien das zweite Studioalbum „Menos El Oso“. Ab diesem Zeitpunkt änderten sich nicht nur die Songnamen, sondern auch die Arrangements der Band. Ein sparsamerer Einsatz der Gitarren und das variierende Schlagzeug erschufen verfrickelte Strukturen. Vehement hinderten jene Konstrukte Musikkritiker daran, die Alben von Minus The Bear in eine Schublade stecken zu können. „OMNI“ ist der neue Longplayer des Quintetts und macht es den Kritikern dieses Mal einfacher.
Diskografie: 2001 This Is What I Know About Being Gigantic EP 2002 Bands Like It When You Yell "Yar!" At Them 2002 Highly Refined Pirates 2004 They Make Beer Commercials Like This EP 2005 Menos El Oso 2007 Interpretaciones Del Oso 2007 Planet Of Ice 2008 They Make Beer Commercials Like This (Digitally Remastered) 2008 Acoustics EP 2010 OMNI
Schicht für Schicht
Das Hauptmerkmal der Songs auf „OMNI“ ist der vielfache Einsatz von Synthesizern. Sie sorgen für die mal melancholische, mal euphorisierende Stimmung der Titel und verleihen den Stücken einen Großteil ihres Popappeals. Diese Entwicklung zum verstärkten Einsatz elektronischer Komponenten ist ein zweischneidiges Schwert. Denn zum Einen machen sie das Album zwar facettenreicher. Lieder, wie der Opener und die erste Single „My Time“, wirken dadurch aber etwas überproduziert. Mit dem eigentlichen Klang der Band hat das nicht mehr viel gemein. Zum Anderen zeigt „Fooled By The Night“, die Schlussnummer von „OMNI“, dass der erwähnte elektronische Einsatz funktionieren kann. Dialogartig kommunizieren Synthesizer und Elektrogitarren, die verzerrt und entfremdet wurden. Der Gesang des Frontmanns Jake Snider fügt sich optimal in das ruhigste Klangkonstrukt des Albums ein. Die positivste Entwicklung, die man auch bei diesem Song hört, ist der Gebrauch geloopter Gitarren. Eingespielte Noten werden als Samples aufgenommen und wiederverwendet. Diese Bestandteile sind auf dem vierten Longplayer allgegenwärtig. Die einzelnen Audiospuren legen sich schichtartig übereinander. Das Ergebnis sind komplexe Arrangements, die atmosphärisch sind und dem Album seinen homogenen Charakter verleihen. Von Zeit zu Zeit türmen sich Gitarrenriffs auf, die die Songstruktur durchbrechen, nur um danach wieder im Hintergrund zu verschwinden. Dieser Kontrast ist der Grund, warum „OMNI“ trotz seiner gehörigen Eingängigkeit fordernd bleibt.
Videografie: The Game Needed Me Pachuca Sunrise Knights Throwin' Shapes My Time
Musikalischer Akt
Der Song „My Time“ deutet ein, was den Hörer textlich auf „OMNI“ erwartet: „Turn off the lights / and touch me in the dark / fade into the feeling / and whisper in my ear / what you want / what you need [...] just yell out my name, baby“ – “Mach das Licht aus / und berühr mich in der Dunkelheit / verlier dich im Gefühl / und flüster mir ins Ohr / was du willst / was du brauchst […] schrei meinen Namen, Baby”. Sämtliche Titel drehen sich um Zwischenmenschliches. Um genau zu sein, geht es um Sex. Zehn Lieder laden ein („Into The Mirror“), schildern das morgendliche Nachspiel („Dayglow Vista Road“) oder beschreiben den Akt selbst („Fooled By The Night“). Trotz des engen thematischen Rahmens zeigt Frontmann und Sänger Jake Snider aber, dass man den Akt und alles Zugehörige aus vielen Perspektiven beschreiben kann. Die Zeilen auf „OMNI“ überzeugen durch ein hohes Maß an metaphorischer Vielfalt.
Links: Webseite MySpace Englische Wiki
Drei Schritte vor, zwei zurück
„OMNI“ von Minus The Bear ist sicher kein Meilenstein der Rockmusik. Vielmehr ist es eine elektronischer angehauchte Kreuzung der beiden Vorgängeralben. Trotzdem überzeugt es durch vielseitige Texte, dichte Arrangements und den bandeigenen Popappeal. Für das nächste Werk des Quintetts kann man aber nur hoffen, dass die Songs sich weniger an Eingängigkeit und wieder mehr an struktureller Verspieltheit orientieren. Denn es ist nur ein schmaler Grat zwischen tanzbaren Pop-Rock-Stücken und Liedern, die in Ermangelung musikalischer Forderung in die Belanglosigkeit abdriften.
Anspieltipps: Fooled By The Night, Into The Mirror, Dayglow Vista Road




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