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Frisch gepresst: Seabear - "we built a fire"

Samstag, 20. März 2010

Unsere CD der Woche ist “we built a fire” von der Indie-Folkband Seabear. Dieses Album versöhnt scheinbare Gegensätze: Es ist experimentell, aber dennoch eingängig. Und es klingt zugleich beschwingt und melancholisch.

Musikredakteur Conrad Pohlmann mit seiner Seabear-CD (Foto:TR)

Vom Solotrip zur Gemeinschaftserlebnis

Unter dem Namen Seabear startete der Sänger und Multi-Instrumentalist Sindri Mar Sigfusson im Jahr 2000 ein Soloprojekt. Als ihm angeboten wurde, das Berlin-Konzert von The Books zu eröffnen, bat er zwei Freunde um musikalische Unterstützung. Aus dieser Zusammenarbeit entwickelte sich schnell eine feste Bandbesetzung. Mittlerweile ist Seabear sogar zu einem siebenköpfigen Kollektiv angewachsen, das überdies gelegentlich durch einige Gastmusiker erweitert wird: Örvar Þóreyjarson Smárason und Eiríkur Orri Olafsson von Múm sind hierbei die bekanntesten Teilzeit-Seebären.

Viele Köpfe – eine Stimme

Die vielen Köche verderben bei Seabear keinesfalls den Brei: Gitarren, Violine, Klavier, Schlagzeug, Akkordeon, mehrstimmige Chöre und vieles mehr fügen sich hier zu einer behutsam ausbalancierten Einheit zusammen; die Songs sind bis oben hin mit Instrumenten vollgepackt, klingen aber dennoch niemals überladen. Und es bleibt immer genug Raum, damit sich die melancholische Stimme von Sindri Mar Sigfusson voll entfalten kann. Mittlerweile hat der Bandleader unter dem Namen Sin Fang Bous übrigens doch noch mal den Solopfad eingeschlagen: Sein 2008 erschienenes Album „clangour and flutes“ ist für Seabear-Liebhaber ebenfalls empfehlenswert.  


Wie gemacht für große Gefühle

Momentan hat Sindri für Alleingänge aber keine Zeit: Schließlich befinden sich Seabear gerade auf großer Amerika-Reise. Diese Tour wurde durch das Stück „I sing I swim“ vom Debüt „the ghost that carried us away“ möglich. Denn das fand in der TV-Serie „Gossip Girl“ Verwendung und machte Seabear so in den USA auf einen Schlag bekannt. Die Musik des Septetts ist allem Anschein nach bestens zur Untermalung von großen Gefühlen in der Flimmerkiste geeignet: Denn derzeit sind die Macher von „Grey’s Anatomy“ an einem Lied vom neuen Album interessiert. Um welchen Song es sich dabei handelt, hat die Band bislang noch nicht verraten. Vielleicht ist es ja einer der


drei Anspieltipps:

1. softship

Auf ihrem Debüt „The ghost that carried us away“ machten Seabear noch vorrangig besinnliche Musik, zu der man mit einem seligen Lächeln beruhigt einschlafen konnte. Diese Ruhe strahlt „we built a fire“ phasenweise noch immer aus – aber mittlerweile schalten Seabear auch gerne mal einen Gang höher. Durch diese Umstellung fliegen die behutsam ausgeklügelten Melodien keineswegs aus der Kurve – und im Falle von „softship“ biegen sie sogar schwungvoll in Richtung Indie-Tanzfläche ab. Dieses Lied verdeutlicht am eindrucksvollsten die nach dem Debüt vollzogene Wandlung bei Seabear. 


2. cold summer

Der berührendste Moment des Albums ist jedoch der Ruhepol „cold summer“. Dieser Song weist nicht nur wegen seiner Bläser- und Streicherarrangements Parallelen zu den „endtime ballads“ der Band Crippled Black Phoenix auf. Denn die Dramaturgie von „cold summer“ erinnert an die Geschichte eines verkrüppelten Vogels: Zu Beginn trippelt er herzerweichend und scheinbar hoffnungslos traurig auf einer Klaviermelodie herum. Die unvermittelt einsetzende opulente Instrumentierung trägt ihn dann aber doch noch in erhabene Höhen. Begeben sie sich mit ihm auf die Reise – aber halten sie dafür unbedingt eine Familienpackung Taschentücher bereit.

3. warm blood

Von Björk einmal abgesehen ist der renommierteste Musikexport Islands unzweifelhaft Sigur Ros: Deren Post-Pop ist schwebend, experimentell, melodiös, melancholisch und zeitweise auch ausufernd lärmend. Diese Beschreibung trifft auch auf den Seabear-Lied „warm blood“ zu – aber es vereint die genannten Attribute auf eine ganz andere und eigenständige Weise. Mit seinen fiependen Gitarrenrückkopplungen und der zerrissenen Songstruktur ist dieser Track der unangepasste Rebell des Albums. Aber auf wundersame Weise fügt er sich dennoch harmonisch in den konstanten Fluss der Platte ein. Ohne „warm blood“ wäre „we built a fire“ auf jeden Fall um eine Attraktion ärmer.(cp)  


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