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CD der Woche

Enter Shikari - A Flash Flood Of Colour

von Maria Hantschmann
Sonntag, 08. Januar 2012

Unsere CD der Woche kommt diesmal aus Großbritannien. Genauer gesagt von der britischen Band Enter Shikari. Enter wer? Den Namen sollte man sich besser merken, denn von den vier Jungs aus St. Albans wird man 2012 noch jede Menge hören.

Die vier Briten haben mit "A Flash Flood Of Colour" ihr bisher bestes Studioalbum geschaffen. (Foto: PIAS)

2012 soll ja die Welt untergehen. In solch düsteren Zeiten kann jeder ein kleines bisschen Hoffnung gebrauchen. Und die liefern vier sympathische Briten in musikalischer Form. "A Flash Flood Of Colour" ist ihr drittes und bisher bestes Studioalbum.

“Come On, Just Open The Doors!”

1999 haben Rou Reynolds, Chris Batten und Rob Rolfe eine Band namens „Hybryd“ gegründet, die nach vier Jahren und einer EP namens „Commit No Nuisance“ zu Enter Shikari wurde. Die Band hat sich nach einem Boot benannt, das Rous Onkel gehört. Abgesehen davon bedeutet „Shikari“ auch so viel wie Jäger auf Hindi. Nochmal vier Jahre später, 2007, brachten sie schließlich ihr Debütalbum „Take To The Skies“ auf den Markt. In diesem Jahr spielten sie auch schon auf vielen wichtigen Festivals, wie das Download Festival, Leeds, Reading und auch Rock am Ring in Deutschland. 2009 folgte dann schließlich das zweite Album „Common Dreads“. Bis heute ist Enter Shikari die erst zweite Band, die das Londoner Kult-Venue London Astoria auch ohne Plattenvertrag ausverkauft bespielen konnten.

„Transformation In Progress“

“A Flash Flood Of Colour” ist anders als seine beiden Vorgänger und hat es doch geschafft, die wirklich guten Elemente der beiden Alben zu erhalten und mit einigen erfrischenden neuen Einflüssen zu verbinden. Bassist Chris Batten erzählte uns in einem Interview auf ihrer Europatour im Herbst 2011, dass das neue Album schon gewissen Einflüsse aus „Common Dreads“ enthalte, sie aber nie Angst hätten, neue Sachen auszuprobieren und „A Flash Flood Of Colour“ deswegen auch Dubstep und Dance Elemente habe. Geblieben sind aber die hymnenhaften, von Hardcore und Punk beeinflussten Refrains, die man vor allem in Songs wie „Warm Smiles Do Not Make You Welcome Here“ und „Sssnakepit“ hört.

„I’m Sick Of This Shit“

Enter Shikaris Texte waren schon immer mit politisch-kritischem Unterton versehen, wenn auch sparsam dosiert. Auf ihrem dritten Album scheint es aber so, als wäre den sympathischen und zurückhaltenden jungen Briten der Kragen geplatzt und sie hätten ihre ganze Frustration über das Weltgeschehen in ihre Songtexte gepackt.

Tourdaten
12.3. Hamburg
13.3. Köln
14.3. Frankfurt
1.-3.6. Rock Am Ring/Rock Im Park

„A Flash Flood Of Colour“ enthält mehr Hymnen für unsere Generation, als so manches Album einer aktiv politischen Band. Die insgesamt elf Songs befassen sich mit so unterschiedlichen Themen wie Krieg („Stalemate“), Immigration („Warm Smiles Do Not Make You Welcome Here“) Umweltverschmutzung und Wirtschaftskrise („Ghandi, Mate, Ghandi“), Klimaveränderung („Arguing With Thermometers“) und Menschen, die zu sehr an ihrer Macht festhalten („Hello Tyrannosaurus, Meet Tyrannicide“). Die Texte sind dabei aber immer nicht belehrend, sondern rufen dazu auf, sich für Veränderungen einzusetzen und sind von einem feinen Sinn für Wortspiele geprägt (Hello tyrannosaurus, meet tyrannicide, you haven’t read your history yet, have you?).

„I Know That We’ve Got To Find Something New“

Auch musikalisch gehen die vier Briten neue Wege. Abgesehen von den neuen Einflüssen aus Dubstep und Dance wird auch mehr mit Gesang gearbeitet. Natürlich gab es auf dem Vorgänger „Common Dreads“ schon Mitsing-Songs wie „No Sleep Tonight“. Dieser Teil ist aber auf „A Flash Flood Of Colour“ noch stärker ausgeprägt. Das hat schon die erste Singleauskopplung „Sssnakepit“ gezeigt und auch das verhältnismäßig ruhige „Stalemate“ ist zum Mitsingen durchaus geeignet.

Doch wer denkt, dass sich Enter Shikari von der für sie typischen Verbindung vom aus dem Hardcore kommenden Growlen und den harten Techno und Trance Beats entfernt haben, der irrt sich. Hierfür sind „Arguing With Thermometers“ und „Ghandi, Mate, Ghandi“ das beste Beispiel. Auch der früher schon auftretende Sprechgesang und das Gewirr von Stimmen, das immer wieder eingebaut wurde, ist auf „A Flash Flood Of Colour“ zu finden. Auf diesem Album wird es aber auch als Trenner in den einzelnen Songs verwendet. So hört man in „Ghandi, Mate, Ghandi“ Rou, der nach einer besonders aggressiv geschrienen Passage ein „Calm down, calm the fuck down“ dazwischenspricht. Auch in „Sssnakepit“ sagt er ganz ruhig „Come on, just open the door.“ bevor der Song zu einem vorläufigen Höhepunkt kommt.

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Einen krönenden Abschluss findet „A Flash Flood Of Colour“ im Song „Constellation“, der am Anfang sehr an „Adieu“, einen Song vom ersten Album „Take To The Skies“ erinnert. „Constellations“ baut sich langsam auf und ist zuerst noch sehr spärlich instrumentiert, wird aber mit der Zeit immer dichter. Auch Rous Gesang ist am Anfang noch eher ein Sprechen, geht mit der Zeit aber ins Singen über. Ganz zum Schluss endet das Album genauso wie es angefangen hat: mit leisen, ruhigen Tönen, die aber nicht vom harten, elektronischen Kern ablenken.

„Fuck Old Boundaries – System Meltdown“

 „A Flash Flood Of Colour“ ist Enter Shikaris drittes Studioalbum und man kann ohne zu übertreiben sagen, dass es ihr bisher bestes ist. Haben „Take To The Skies“ und „Common Dreads“ die Musikwelt neugierig gemacht, wird „A Flash Flood Of Colour” sie süchtig machen. Alles kann, nichts muss. Es erklärt, ohne belehrend zu wirken, es berauscht, ohne einen Kater zu verursachen, es weckt Hoffnung, ohne dass es falsche Erwartungen schürt. Es ist ein Album für Leute, die die Wahrheit zu schätzen wissen und sie dabei aber gerne in guten Songs verpackt wissen.

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