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Themenwoche Religionen in Leipzig: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Dienstag, 28. April 2009

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage – besser bekannt sind sie unter dem Namen Mormonen. Eine oft kritisierte Glaubensgemeinschaft, die in den USA ihren Ursprung hat und heute dort die viertgrößte Religionsgemeinschaft stellt, findet nun auch in Deutschland Anhänger.

Der Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Freiberg (Foto: D. Wöllauer)
Die "Heiligen der Letzten Tage"

Mormonen – so möchten die Anhänger der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage nicht genannt werden. Oft wird die Kirche gemeinsam mit kleinen Splittergruppen zur Konfessionsgruppe der Mormonen zusammengefasst. Selbst bezeichnen sie sich allerdings als "Heilige der Letzten Tage".
In Leipzig sind immer wieder Missionare der Kirche Jesu Christi unterwegs. Sie sprechen in der Fußgängerzone Passanten an und erklären ihnen ihren Glauben. Erkennbar sind sie dabei an ihren Namensschildern, da alle Missionare Elder ("der Ältere") mit Vornamen heißen. Die Missionare sind meist zwischen 18 und 26 Jahren alt und verlassen für zwei Jahre ihr Heimatland um zu missionieren. Finanziert wird diese Zeit allerdings nicht von der Kirche, sondern von den Missionaren selbst.

Begegnungsstätte in Leipzig

Elder Brechbühl aus der Schweiz ist derzeit in Leipzig Missionar. Er möchte seinen Glauben an bereitwillige Zuhörer vermitteln. Abwechslung von der reinen Missionarstätigkeit findet er im Religions-Instituts-Zentrum Gohlis. Es dient den hiesigen Mormonen als Treff und Begegnungsstätte. Die Angebote reichen von der Teilnahme an kostenlosen Sprachkursen über das Studium der heiligen Schriften bis hin zu gemeinschaftlichen Sportarten. Doch im Mittelpunkt steht für die Mormonen immer der Glaube an Gott. "Wenn jemand Glaube an ein höheres Wesen oder an Gott hat, dann wird er davon ausgehen, dass dieser Gott ohne Fehler ist. Wenn das seine Kirche ist, dann ist sie ohne Fehler. Bei den Menschen ist das wieder ein anderes Thema".

Das Buch Mormon

Damit die Mormonen genau wie ihre Kirche keine Fehler machen, stehen ihnen die Zehn Gebote und das Wort der Weisheit, welches den Verzicht auf Drogen und eine gesunde Ernährung beinhaltet, zur Seite. Die Richtlinien stammen aus der Bibel und aus dem Buch Mormon, das 1830 von Joseph Smith, dem Gründer der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, veröffentlicht wurde. Smith lehrte, dass es eine unbestimmte Zahl von Göttern und Persönlichkeiten auf Götterebene gebe. Dabei kann jeder Mensch als ein Kind Gottes selber zu einem Gott werden. Jesus Christus gilt als der Erstgeborene der Geistkinder, als Erlöser und Jehova, der Gott des Alten Testaments, der die Erde mit anderen Geistwesen erschaffen habe.

Die Propheten

Kirchengründer Joseph Smith wird als der erste mormonische Prophet angesehen. Ihm folgten nacheinander weitere Propheten, die meist direkt verwandt mit dem Alten sind. Der Prophet hat das Amt des Kirchenpräsidenten inne und soll Visionen von Gott empfangen. Diese predigt er entweder vor den Gläubigen oder hält sie in heiligen Schriften für die Nachwelt fest. Das sich dabei Aussagen verschiedener Propheten auch widersprechen können, wird dabei vorausgesetzt.

Gunar Werner ist ehemaliger Mormon und betrachtet diese laufenden Veränderungen als ein Grundprinzip der Glaubensgemeinschaft. "Es ist eine neue Offenbarungsreligion. Das heißt, dass man daran glaubt, das es einen lebenden Propheten gibt, der immer neue Offenbarungen empfängt und im ständigen Kontakt mit Gott steht."

Menschen als Götter

Durch diesen engen göttlichen Kontakt werde der Mensch selbst zum Gott erhoben, so das Buch Mormon.

Götter seien dabei unfehlbar, Menschen jedoch nicht. Dieser Unterschied erzeugt bei den Gläubigen einen extremen Stress und Leistungsdruck erinnert sich Gunar Werner. "Man steht immer unter dem ständigen Stress und Druck, dass man besser ist als die Umwelt, besser ist als das, was man leisten kann. Wenn einem irgendein Unglück widerfährt oder einfach die Dinge nicht so klappen, wie man sich das vorstellt, dann muss man selbst daran schuld gewesen sein. Irgendetwas hat man falsch gemacht."

Mormonen in Deutschland

Heute sind über 13 Millionen Menschen in 160 Ländern Mitglieder der Religionsgemeinschaft, davon ca. 5,9 Millionen in den USA. Laut Auskunft der offiziellen Internetseite der Mormonen gibt es zurzeit 38.000 Mormonen in Deutschland und in fast allen größeren Städten Gemeindehäuser. Außerdem stehen in Friedrichsdorf in Hessen sowie in Freiberg Tempel der Mormonen.

Kritik

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beansprucht für sich, die einzig wahre Kirche zu sein. Mit diesem Ausschließlichkeitsanspruch stößt die Kirche immer wieder auf viel Kritik. Außerdem wird der Kirche angelastet, dass es unter Gott weitere Götter gebe und der Mensch selbst zu einem Gott werden könne. Besonders fundamentale Christen bemängeln zudem, dass Luzifer als der Bruder Jesus Christus angesehen und die Sintflut als Taufe der Erde verstanden wird. (co)

Hören Sie hier einen Beitrag von Alexander Scholz

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