Programmvorschau
Kontakt
Tel.: 0341 / 97 37 -962
und -968
Fax: 0341 / 97 37 999
Redaktion Faustschlag
Pistenfahrplan
Platte: rund, Filmrolle: rund, Rundgang: rund!
Online-Redaktion
Tel.: 0341 / 97 37 976
Fax: 0341 / 97 37 999
online(ät)mephisto976.de
Subadeh Mohafez gewinnt MDR-Literaturpreis
Was haben Clemens Meyer, Thomas Pletzinger und Sudabeh Mohafez gemeinsam? Sie haben alle drei den MDR-Literaturpreis bekommen. Sudabeh Mohafez ist die Preisträgerin in diesem Jahr. Sie ist schon lange keine Unbekannte auf dem literarischen Parkett mehr.

Der Tag danach
Der erste Freudentaumel ist vorbei, die Flut an Glückwunsch-SMS und E-Mails ebbt wieder ab. Es ist der Tag nach der Verleihung des 13. MDR-Literaturpreises. Immer noch in bester Laune empfängt mich die Preisträgerin Sudabeh Mohafez in der Wohnung ihrer Freundin Rebecca. Diese ist auch Schriftstellerin. Beide haben sich durch ein Autorenforum im Internet kennengelernt. Ja, auch Schriftsteller nutzen den virtuellen Raum, um Kontakte zu knüpfen.
Iranisch deutsche Kindheit
Wir sitzen bei einer Tasse Tee in Rebeccas Küche und Sudabeh Mohafez erzählt. Sie ist wohl die erste Preisträgerin mit einem bikulturellen Hintergrund. „Für mich ist es unvorstellbar zwei Eltern aus einer Kultur zu haben, die beide derselben Religion angehören. Oder zum Beispiel nur mit einer Sprache als Kind aufgewachsen zu sein oder mit meinen Eltern in derselben Sprache zu sprechen. Das ist superstrange für mich.“ Sudabeh Mohfez hat eine deutsche Mutter und einen iranischen Vater. Sie kam 1979 im Iran zur Welt. Als sie sechzehn ist, kehrt die Familie nach Berlin zurück.
Schreiben gegen Gewalt
Sudabeh Mohafez studierte dann Anglistik, Erziehungswissenschaften und Musik. Sie war Leiterin eines Frauenhauses. Gewaltprävention ist eines der Gebiete, in denen sie besonders aktiv ist. Ein anderes ist das Schreiben. Dafür hat sie schon mehrere Preise bekommen, unter anderem den Adelbert-von-Chamisso-Preis. Die Autorin hat bereits zwei Bücher veröffentlicht, einen Roman und einen Erzählband.
Unberechenbare Menschen
Deine Freunde sind hier, sage ich.
Du bist die Einzige, die mich verteht, sagt Matze.
Sie haben Angst, dass du dir was anstust.
Tu ich auch, sagt Matze.
Tust du nicht, sage ich.
Du musst bei mir bleiben, sagt er.
Auf keinen, sage ich.
Ich tu mir was an, sagt er.
Quatsch, sage ich.
Na, ihr Turteltäubchen? Das sagt Mark. Er lehnt im Türrahmen und hält eine Dose Lübzer Pils in der Hand.
Textauszug aus "Von wegen Türöffner"
Mit der Erzählung "Von wegen Türöffner" hat sie die Jury in Leipzig überzeugt. Die Protagonistin erzählt von ihrem Nachbarn Matze. Er ist Neonazi, sie Ausländerin. Er stinkt immer nach Bier - morgens nach frischem, abends nach altem - und er hört immer viel zu laut harte Musik mit deutschen Texten. Nach dem Selbstmord von seiner Freundin, will er keinen anderen sehen als die Nachbarin. Er sagt, sie ist die Einzige, die ihn versteht. Ein merkwürdiger Plot. Ein Rechtsradikaler, der meint, dass nur die ausländische Nachbarin ihn verstehen kann. Sudabeh Mohafez bricht damit Klischees auf. „Ich bin keine Freundin von Polarisierung oder von Extremsetzungen, weil ich glaube, dass das ja gerade das Spannende im Leben ist, dass wir eben nicht berechenbar sind. Menschen sind nicht eindeutig.“
Die Zukunft
Gerade arbeitet Sudabeh Mohafez an einem neuen Roman, der bald erscheinen wird. Das Thema ist leider noch Top-Secret, sagt sie. Aber das Preisgeld des MDR-Literaturpreises kann ihr dabei wieder ein Stück weiterhelfen. Denn als Schriftstellerin braucht sie Zeit zum Schreiben. Und Zeit ist bekanntlich Geld. (js)
Foto: Giles Newman (www.sxc.hu)
Hören Sie hier den Beitrag von Iris Riedel




hören
herunterladen
Beitrag empfehlen / kommentieren
Kommentar abgeben