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Stühle für unbesetzte Lehrstühle
Kritik an der Studiensituation kann auch kreativ geäußert weden. Zum Beispiel durch das Kunstprojekt "Leerstuhl". Mit roten Holzstühlen soll vor den jeweiligen Instituten auf nicht besetzte Lehrstühle an der Universität Leipzig hingewiesen werden.
Ein Stuhl für eine leere Stelle
Die Idee zu dem Projekt "Leerstuhl" stammt von der Psychologiestudentin Laura Wolf. Sie will an allen Instituten, an denen es freie Lehrstühle gibt, rote Stühle an die Wand hängen. Ein roter Stuhl steht für jeweils einen unbesetzten Lehrstuhl an dem Institut. Mit der Kunstaktion möchte die Studentin jedoch nicht bestimmte Personen persönlich kritisieren. Vielmehr gehe es "allgemein um die strukturellen Probleme an der Universität und an den vielen Eckpunkten, an denen das Ganze hakt. Ich möchte einfach visualisieren, dass es hier Missstände gibt."
Studenten streiken in ganz Deutschland: Am 17. Juni 2009 werden zirka 150.000 Studenten auf den Straße erwartet, um auf die schlechten Studienbedingungen hinzuweisen. In den großen Städten wie München, Hamburg und Berlin demonstrieren tausende Studenten. In Leipzig sind es dagegen nur ein paar Hundert.
Die Künstlerin ist selbst betroffen
Mit ihren roten Stühlen möchte Wolf darauf aufmerksam machen, dass überall an der Uni Professoren fehlen. Genau genommen handelt es sich um 29 freie Lehrstühle, die nicht besetzt sind. Davon gibt es an der Uni Leipzig jedoch für 12 Stellen einen vorübergehenden Ersatz. 17 Lehrstühle sind aber gänzlich unbesetzt. Wenn es drauf ankommt, will Laura Wolf deshalb einen ganzen Stuhlturm in einer Fakultät bauen.
Laura Wolf ist auch selbst von dem Problem betroffen. Zwei Lehrstühle in der Psychologie sind frei, einer schon über eineinhalb Jahre. Lehraufträge, meint die Studentin, seien kein vollwertiger Ersatz. Die zwei Holzstühle in der Psychologie aufzustellen, war kein Problem. Bei den anderen Instituten muss sie erst noch anfragen.
Für die Farbe rot hat sie sich nach einigen Überlegungen entschieden. Zuerst plante sie weiße Stühle an die Wände zu bringen, doch die würden vor einer ebenfalls weißen Wand ihre Wirkung verlieren. Dann kam ihr die Farbe rot in den Sinn: "Außerdem glaube ich, dass rot mehr so eine Signalfarbe ist."
Mehr Transparenz über die Missstände gefordert
Das Kunstprojekt "Leerstuhl" kommt bei den Studenten gut an. Doch kritisieren sie, dass auf den ersten Blick das Anliegen der Aktion nicht ersichtlich würde. Die wenigsten Studenten wüssten um die zu besetzenden Stellen an der Uni und fordern eine Bekanntmachung dieser Umstände. In den nächsten Wochen will Laura Wolf noch weitere Stühle an der Uni aufhängen, so lange bis es 29 sind. Für jeden fehlenden Professor einen leeren, roten Stuhl. (db)
Hören Sie hier einen Beitrag von Raili Münke




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