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Sportliche Indianerspiele

Mittwoch, 09. April 2008

Es ist hart, schnell und sieht verdammt gefährlich aus. Lacrosse ist ein amerikanischer Ballsport, der Fußball, Handball, Basketball, Hockey und American Football vereint und seit einem Jahr auch in Leipzig gespielt wird.

Schutz für ein gefährliches Spiel

Im Auwald südlich vom Connewitzer Kreuz ist es stockfinster, kalt und regnerisch. Der Wald scheint menschenleer. Doch aus einer Ecke strahlt helles Flutlicht. Einige Jugendliche mit Helmen stehen auf einem Fußballfeld, das eher einem matschigen Acker gleicht. Sie sind mit Stöcken bewaffnet. Lautes Geschrei hallt durch den Wald. Hier treffen sich aber keine verfeindeten Hooligantruppen aus Leipzig. Hier trainieren die Sportler der Miwoks -  Leipzigs erster und einziger Lacrosseverein.

Schnelles Spiel

Lacrosse ist vor allem in Amerika beliebt. In Kanada ist es sogar Nationalsport. Auf Außenstehende wirkt Lacrosse zunächst ungewöhnlich. Christian, ein Mitbegründer der Leipzig Miwoks, versucht den Sport zu erklären. "Lacrosse ist zunächst erstmal die schnellste Sportart auf zwei Beinen, vergleichbar mit Hockey. Es geht einfach darum, den Ball ins gegnerische Tor zu bringen."Ganz so einfach ist es aber nicht. Pro Mannschaft stehen zehn Spieler auf dem Feld. Alle sind gut geschützt – sie tragen Helme, Brustpanzer, Armschützer und Handschuhe. Das ist auch notwendig. Denn Lacrosse spielt man mit einem käscherähnlichen Stock. An dessen Spitze befindet sich ein Netz, mit dem die Spieler einen kleinen Ball fangen und werfen. Der ist hart und fliegt mit einer Geschwindigkeit von bis zu einhundert Kilometer die Stunde. Zusätzlich nutzt man den Stock, um anderen Spielern den Ball abzunehmen. Die Verteidiger versuchen dem ballführenden Spieler auf Stock, Hände oder Oberkörper zu schlagen. Wenn das nicht klappt, hilft sich Christian mit Plan B. "Und wenn du ihn dann nicht aufgehalten kriegst, dann gehst du mit dem Körper rein und haust den nach Möglichkeit noch um, dass der Ball rausfällt. Nimmst den auf, machst dich von dannen und dann geht das weiter."

Traditionelles Spiel

Lacrosse sieht durchaus gefährlich aus. Doch dank guter Polsterung hält sich die Verletzungsgefahr in Grenzen. Es ist auch keine moderne Spaßsportart. Lacrosse hat eine lange Tradition und seinen Ursprung in Amerika. Die Indianer nannten es Baggataway - kleiner Bruder des Krieges. Zwei bis drei Stämme spielten über mehrere Tage gegeneinander, die Tore standen mehrere Kilometer auseinander. „Da durftest du auch deinem Feind auflauern. Durftest ihn KO schlagen, am Baum fesseln und den Ball mitnehmen und dann durftest du wieder gehen", erklärt Christian. Heute spielt man Lacrosse gesitteter. Es gibt klare Regeln. Aber die Tradition wollen die Leiziger Sportler nicht vergessen. Deshalb benannten Sie sich nach dem Indianerstamm der Miwoks. Seit einem Jahr steigt die beschauliche Mitgliederzahl. Mittlerweile sind es über zwanzig Sportler. Noch spielen die Miwoks in einer Spielgemeinschaft mit Cottbus. Aber sie streben ein eigenes Team an. Es gibt sogar schon eine kleine Frauenmannschaft.

Gefährliches Spiel

Obwohl die Miwoks die Gefahren des Sportes gerne herunterspielen, gibt es am Trainingsende noch Aufregung. Ein dumpfes Geräusch, erschrockene Blicke und der Student Albrecht geht zu Boden. Er hat ohne Helm mitgespielt, aber er nimmt es gelassen. Wer Lacrosse spielt muss eben auch einstecken können."Ich hab auch schon Schläger ins Gesicht gekriegt und es gehört halt mit dazu. Das ist nicht Schach oder Dart. Das ist halt Lacrosse!"

Foto: Jason Kissel (www.sxc.hu)

Hören Sie hier den Beitrag von Adrian Kriesch

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