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slowakisches Romatheater will mit Vorurteilen aufräumen

Dienstag, 19. Mai 2009

Das Team Slowakei ist in den Osten des Landes gereist, genauer nach Kosice und hat dort das Theater Romathan besucht. Es ist das weltweit einzige professionelle Theater, das von Roma betrieben wird. Doch auch in Osteuropa haben die Theater mit Problemen zu kämpfen.

Reisen durch ganz Europa

Das Volk der Roma ist bei zahlreichen Menschen eher als Zigeuner bekannt. Und die haben bei einigen Leuten einen eher schlechten Ruf. Kriminell und aggressiv seien sie und schlagen sich auf schmarotzerhafte Weise durch das Leben. Mit diesen Vorurteilen will das Theater Romathan aufräumen. Die Schauspieler, allesamt Roma, erzählen in ihren Stücken vom wahren Leben und den Problemen der Roma. Mit ihren Inszenierungen, die für Roma genauso wie für Nicht-Roma gemacht sind, reisen sie durch ganz Europa. Sie spielen auf Festivals und in den europäischen Metropolen und darauf ist Theaterdirektor Karol Adam auch sehr stolz. Doch bleibt das Theater auch ganz nah an den Bürgern der Slowakei. "Wir versuchen so oft wie möglich in Roma-Dörfern zu spielen. Da die Roma aber sehr arm sind und eigentlich nichts für die Vorführungen zahlen können, decken wir einen Teil der Kosten durch Spenden ab," erzählt Adam.  

Finanzielle Probleme erschüttern das Theater nicht

Der 56-Jährige Karel Adam ist nicht nur Direktor des Romathans, sondern auch der Dirigent des Orchesters.
Beim Dirigieren denkt Karel Adam nicht an die finanziellen Probleme des Theaters. Doch die lassen sich nicht wegspielen. Die Region Kosice kürzt seit einigen Jahren dem Romathan die Zuschüsse. Auch aufgrund der wirtschaftlichen Krise stehen der slowakischen Kultur weniger Fördergelder zur Verfügung. Die Kürzungen wirken sich auch auf das Personal aus. "Als das Theater vor 17 Jahren gegründet wurde, haben hier 100 Menschen gearbeitet. Sechs Jahre später waren es noch 60, heute sind 40 übrig, das ist das absolute Minimum." Mit weniger Angestellten könne sich das Theater nicht mehr halten, erzählt eine Angestellte des Romathan. Selbst die Garderobe werde mittlerweile von einer Schauspielerin betreut. Und nicht nur das Geld für Angestellte fehle, auch das heruntergekommene Gebäude des Romathan müsse dringend saniert werden. Trotzdem versucht das Romathan weiter sein Hauptanliegen zu erfüllen: den Erhalt und die Verbreitung der Roma-Kultur.

Aufklärungsarbeit leisten

Karel Adam und seine Mannschaft wollen Akzeptanz und Toleranz zwischen Roma und Slowaken aufbauen, indem sie auch Nicht-Roma ihre Kultur mit Gesang, Tanz, Musik und Schauspiel näherbringen. Offiziell leben in der Slowakei etwa 100.000 Roma. Karel Adam ist aber sicher, dass es über 800.000 sind. Die meisten würden in den Statistiken einfach nicht erfasst. Das mache es für die Roma noch schwerer, sich in die Gesellschaft zu integrieren.
Trotzdem lassen sich das Romathan und dessen Direktor nicht entmutigen. Die Zukunft des Theaters sieht er optimistisch. "Wir müssen die aktuelle Krise überstehen und dann hoffe ich, dass das Romathan noch 200, 300 Jahre weiter existiert." (db)

Hören Sie hier den Beitrag von Stefanie Gerressen und Konstantin Biehl

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