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Singing in the Rain: Das Melt! Festival 2009

Montag, 20. Juli 2009

Vom 17.-19. Juli fand das Melt! Festival dieses Jahr zum 12. Mal statt. Auf dem Gelände des ehemaligen Tagebauwerk Gräfenhainichen, Ferropolis, spielten auf sechs Bühnen einige der derzeit national und international bekanntesten und erfolgreichsten Bands, DJs und Kollektive. Ein Rückblick.

Fotos: C. Tornow
Melting away

Festivals sind soziologisch immer hochinteressant. Zehntausende Menschen hocken für drei Tage Zelt an Zelt aneinander, haben kaum fließend Wasser, ernähren sich von Grillgut und Bier, mangels Mülleimer dient die Natur als Entsorgungsstätte, wenn es regnet verkriechen sie sich in ihre Zelte (die Hartgesottenen waschen sich im Regen) und entwickeln sich ein paar Kilometer fernab der Zivilisation in Primaten zurück, die sich ihrer Körperinhalte überall und egal wo entledigen, nur kaum auf den dafür vorgesehenen Örtlichkeiten – während der drei Tage hat man dann also alles mögliche kotzen und scheißen gesehen und traut sich selber kaum mehr in die Nähe irgendwelcher Büsche und üppiger bewachsenen Gefilde. Selbst beim Vorbeigehen an Dixi-Klo-Kolonnen fühlt man sich wie bei der Inspektion eines Klärwerks, aber das liegt in der Sache der Plastetoiletten. Was also tun? 50 Cent bezahlen und 15 Minuten für ein sauberes Geschäft bezahlen oder Nase zu und durch.

Das Festivals allgemein keine saubere Sache sind, ist nicht neu, bestätigte die Sache an sich jedoch wieder auf dem diesjährigen Melt! Festival und passte auch ganz gut zu dessen Motto: „The Dirty Dozen“, das dreckige Dutzend, lautete es der 12-Jährigkeit wegen, besser beschrieb es allerdings nicht nur die Zustände außerhalb des Festivalgeländes, sondern auch das Wetter, das schon wie letztes Jahr Künstler und Besucher forderte. Ein paar Bands mussten kurzfristig ihre Konzerte absagen (Foals zur großen Enttäuschung vieler sogar im Vorfeld wegen Krankheit) um die teure Technik vor Regen und Sturmböen zu schützen, die 20.000 Festivalgänger erprobten ihre Kleidung auf Unwettertauglichkeit, mussten nachts ihre Zelte auf undichte Stellen absuchen und morgens feststellen, dass der Pavillon in Einzelteilen am Boden lag oder gar weggeflogen war.
Ganz so schlimm wie letztes Jahr war es dann aber doch nicht. Zwei der vier Konzertbühnen waren überdacht, kaum eine Band hatte Verspätung und tornadoartige Gebilde wie in 2008 wurden nicht gesichtet. So also konnten zumindest die Bands auf der Hauptbühne pünktlich und ihre Spielzeit ausschöpfend die Masse begeistern.

Das wohl größte Publikum durfte die norwegische Band Röyksopp am Freitag sehen, die zurecht frenetisch bejubelt wurden. Fever Ray wiederum überzeugten am Samstag mit ihrer ruhigen, psychedelischen, Schamanenhaften Musik und ihrer pittoresken, an Naturvölker erinnernden Bühnenshow. Highlights bildeten außerdem die Auftritte der Amerikaner Gossip, deren Frontfrau Beth Ditto trotz Masse wie ein Flummi über die Bühne tobte, Animal Collective, die verstörende Bilder passen zur Musik auf die Leinwand hinter sich zauberten, und !!! (chk-chk-chk), dessen Sänger Nic Offer einen recht individuellen Tanzstil pflegt. The Whitest Boy Alive aus Berlin durften diesmal auf der Hauptbühne spielen, ganz zur Freude der Fans, die letztes Jahr nicht mehr in das Gebäude der Nebenbühne passten und am Samstag genügend Platz zum Tanzen fanden. Und auch die Headliner des Melt, Oasis, wurden trotz drei Tage Katerstimmung zumindest in den vorderen Reihen euphorisch gefeiert, wie so viele andere Bands auch, die aufzuzählen lange dauern würde.

Ein rund um gelungenes Festival also, dessen Location umgeben von den imposanten Baggern einen die Sprache verschlagen lässt, blickt man an den Metallkolossen hinauf, hinab und über das Gelände (zum ersten Mal in der Geschichte des Melt! wurden kostenlose Baggerführungen angeboten) – sieht man von dem Wetter, den Getränkepreisen und dem primitiven Lebensstil ab. (ct)

Nach dem Sturm

Nach dem Festival

Animal Collective

Gossip

The Whitest Boy Alive

Oasis

(Fotos: Charlott Tornow)

Hier gibt es noch mehr Bilder

Hören Sie hier ein Festivaltagebuch von Ayke Süthoff:

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