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Premiere von "Mein Kampf" am Theater der jungen Welt

von Franziska Trogisch
Donnerstag, 18. Februar 2010

Ist eine Liebesgeschichte zwischen Adolf Hitler und einem Juden denkbar? Diese paradoxe Frage ist Mittelpunkt der Farce "Mein Kampf", die heute Abend im Theater der Jungen Welt in Lindenau Premiere feiert. Adolf Hitler trifft in Wien auf einen Juden und verwandelt sich in kürzester Zeit vom cholerischen Künstler zum Monster. Das Schauspiel des jüdischen Dramatikers George Tabori wurde 1987 in Wien zum ersten Mal aufgeführt.

Schlomo im Zwiespalt
Der Jude Schlomo Herzl und Adolf Hitler sinnieren über das Leben.
Schlomo und Huhn Mizzi: "Es war Liebe auf den ersten Blick." (Fotos: F. Trogisch)
Hitlers Wandel vom cholerischen Künstler zum Monster

Die Filmgroteske von George Tabori ist trotz autobiografischer Züge keine historische Rekonstruktion von Hitlers Aufenthalt in Wien. Vielmehr verdeutlicht sie den Wandel vom hypochondrischen Choleriker Hitler zum Monster Hitler: Der jüdische Bibel- und Kamasutraverkäufer Schlomo Herzl (Stephan Wolf-Schönburg) und der junge Adolf Hitler (Sven Reese) begegnen sich 1908 in Wien, genauer: in Frau Merschmeiers Männerwohnheim unter der Metzgerei. Dort lebt Schlomo mit dem gescheiterten Koch Lobkowitz und schreibt an einem Buch namens "Mein Leben". Sein Freund Lobkowitz, der sich für Gott hält, findet den Titel langweilig. Gemeinsam verständigen sie sich auf "Mein Kampf".
Unterdessen reist Hitler mit dem Nachtzug dritter Klasse aus Braunach am Inn an. Seine fixe Idee: ein Studium an der Kunstakademie. Der cholerische Künstler Hitler fällt mit Pauken und Trompeten durch die Aufnahmeprüfung. Schlomo tröstet ihn liebevoll, kümmert sich wie eine Mutter um Hitlers Darmprobleme – und überzeugt den untalentierten Künstler davon, in die Politik zu wechseln…

Tabori: "Liebesgeschichte à la Hollywood"

Stephan Wolf-Schönburg beschreibt seine Figur Schlomo Herzl als gespaltene Persönlichkeit. Herzl sieht sich immer als Unterstützer oder Diener seiner Gegenüber und handelt auch entsprechend. "Schlomo möchte bei Hitler durchaus korrigierend eingreifen und ihn auf den richtigen Weg bringen", sagt der 46-Jährige. Wolf-Schönburg war bereits bei der Uraufführung der Farce 1987 in Wien dabei. Er arbeitete damals am gleichen Theater wie der 2007 verstorbene Urheber George Tabori. Dieser beschrieb seine Farce „Mein Kampf“ als "eine banale Liebesgeschichte – wie in Hollywood". Tabori setzte sich in seinen Werken häufig mit den Themen Massenmord und Rassismus sowie der Geschichte von Juden und Deutschen auseinander. Der Hintergrund ist ernst: Taboris Vater und weitere jüdische Familienmitglieder wurden im KZ Auschwitz ermordet, der gebürtige Ungar floh 1936 von Budapest nach London. 1947 emigrierte Tabori in die USA und arbeitete in Hollywood u.a. für Alfred Hitchcock als Drehbuchautor.

Frau Tod und ein Huhn namens Mizzi

Hitler und der Nationalsozialismus gelten als Tabuthemen, doch das Stück "Mein Kampf" ist eine Groteske. Über der Bühne schweben von Zeit zu Zeit Schweinehälften, eine Domina namens Frau Tod peinigt Hitler und Schlomo – und der heimliche Star des Ensembles ist ein Huhn namens Mizzi (Hauptdarsteller Stephan Wolf-Schönburg: "Es war Liebe auf den ersten Blick."). Realität wechselt mit Fiktion, das Gute dient dem Bösen, ernster Hintergrund und Humor lassen den Zuschauer darüber nachdenken: Kann man über Hitler Witze machen? (Franziska Trogisch)

Hören Sie hier den Beitrag von Franziska Trogisch:  

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