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Neuer Roman des Argentiniers Alan Pauls

Freitag, 27. November 2009

Alan Pauls gehört zu den größten Literaten Südamerikas, doch hierzulande ist der charismatische 50jährige nahezu unbekannt. Im November erschien sein Roman "Die Vergangenheit" in deutscher Übersetzung. Damit wird der Argentinier erstmals dem deutschen Leserpublikum zugänglich gemacht. Inhaltlich bricht der Autor dabei Dutzende Tabus.

Ein charismatischer Mann vom fernen südamerikanischen Kontinent

Alan Pauls ist ein Mann mit leicht grauem Haar und markantem Gesicht. Der 50jährige ist in Buenos Aires geboren, hat aber deutsche Wurzeln. Seine Familie war aus dem nationalsozialistischen Deutschland geflohen. Alan Pauls lehrte Literatur in der argentinischen Hauptstadt und verfasst mittlerweile Kritiken und Essays für Tageszeitungen. "El Pasado" (zu deutsch: "Die Vergangenheit") ist bereits sein vierter Roman, doch der Erste, der auch ins Deutsche übersetzt wurde. Er erschien im Verlag Klett & Cotta. Die Veröffentlichung des Romans führte Alan Pauls vor wenigen Tagen auf eine Lesereise nach Deutschland.

Die Geschichte des Übersetzers Rimini und seiner Lieben

Alan Pauls beleuchtet in seinem Roman einen Ausschnitt aus dem Leben des Übersetzers Rimini im Buenos Aires der 80er Jahre. Dabei merkt der Leser, dass der Autor weniger ein typischer Frauenversteher, vielmehr ein Kenner seinesgleichen ist. Er lässt seinen Protagonisten in Abgründe eigener Schwächen und Unzulänglichkeiten abtauchen. Immer wieder spielt dabei die tiefe Liebe zu seiner Frau Sofia eine Rolle. Die Trennung der beiden ist Initiationspunkt der Geschichte. Der Titel "Die Vergangenheit" wird zum Programm, denn Rimini begegnet ihr im Laufe der erzählten Jahre unzählige Male. Leitmotivisch eingebettet sind die knapp 2000 Fotos von Rimini und Sofia, die nach der Trennung demokratisch aufgeteilt werden sollen. Eine nicht unbedeutende Nebenhandlung ist das Leben des Sick Art - Künstlers Jeremy Riltse, der eine ausgeklügelte Erfindung des Autors Alan Pauls ist.

Der Roman "Die Vergangenheit" hat einen hohen Anspruch an den Leser, denn der Aufbau ist von unzähligen Zeitsprüngen innerhalb der Kapitel bestimmt. Außerdem treffen vielfach sexistisch-frivole Ausdrücke und theatralische Metaphern aufeinander, die vom Leser abgetrennt und verarbeitet werden müssen. Doch die lobenswerte Übersetzungsleistung des Berliners Christian Hansen verspricht ein interessantes und beglückendes Lesevergnügen. (Sina Meißgeier)

Hören Sie hier den Beitrag von Sina Meißgeier:

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