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"Früher waren die Speisekarten kleiner..."
Am Wanderweg der Deutschen Einheit liegt der Kurort Bad Gottleuba. Seit 100 Jahren gibt es dort den Gasthof Hillig. Die Einheitswanderer Hannah Kappes und Jan Schilling sind dort eingekehrt und haben mit Gastwirt Claus Hillig über die Mangelwirtschaft, die Wende und 20 Jahre Deutsche Einheit gesprochen.

Der stämmige 60-Jährige mit den schlohweißen Haaren ist ein Gastwirt wie aus dem Bilderbuch. Claus Hillig berichtet Hannah und Jan, dass seine Familie seit 1910 den Gasthof betreibt. Seine Frau Anette und er haben die Wirtschaft 1978 übernommen. Zu DDR-Zeiten hat das Ehepaar einen langen Atem gebraucht, um den Betrieb am Leben zu halten. Erfindungsreichtum und gute Beziehungen waren in der Mangelwirtschaft das, was die Hilligs am meisten brauchten. Mit Geld konnte man da nicht viel machen, wenn man die Bescheinigung der Behörden nicht hatte, erklärt Claus Hillig.
Der Traum vom Schlaraffenland
Auf den Westen hätten die Leute in Bad Gottleuba damals wie auf das Paradies geschaut. An die Wiedervereinigung hat aber weder Claus Hillig geglaubt, noch die Gäste, die am Abend des 9. Novembers 1989 zur Brigadefeier im Gasthof waren, als die Nachricht im Ort ihre Kreise zog. Das Schlaraffenland sei mit der Deutschen Einheit nicht gekommen, resümiert Hillig, die Leute hielten ihr Geld heute sogar mehr zusammen als zu DDR-Zeiten. Gleichzeitig hätten seine Gäste höhere Ansprüche an die Vielfalt und Qualität der Speisen. Aber im Ort sei seit der Wende viel passiert: Bad Gottleuba mache mit den schön hergerichteten Häusern und der landschaftlich wunderschönen Umgebung seinem Beinamen als "Klein Tirol" wieder alle Ehre.
Hören Sie hier das Interview von Hannah Kappes:




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