Kunst gegen den Klimawandel
"Nur Kunst kann den Klimawandel stoppen" - so lautet das Credo des Künstlers Hermann Josef Hack. Den Leipziger Marktplatz hatte er deshalb in ein so genanntes Klimaflüchtlingslager im Kleinformat verwandelt.
Zelten auf dem Marktplatz
Circa 500 kniehohe Zelte, mit Graffiti und politischen Parolen versehen, waren über den ganzen Platz verteilt. Das zog die Aufmerksamkeit zahlreicher Passanten auf sich. Viele wanderten minutenlang durch die Installation, fotografierten und lasen die verschiedenen Slogans: "Soziale Kälte gegen Erderwärmung" oder "Backöfen statt Krisenherde" stand auf den Zelten.
Klimawandel als kulturelle Herausforderung
Mehr Informationen zur Aktion Hermann Josef Hacks sowie einige Impressioen vom Leipziger Marktplatz finden Sie hier.
Mit seiner Installation will Hermann Josef Hack auf mehrere Millionen Klimaflüchtlinge aufmerksam machen. Sie fliehen aus ihrer Heimat vor den Folgen des Klimawandels: Dürren, schwere Unwetter oder der Anstieg des Meeresspiegels. Hack will mit seiner Kunst das Problem stärker bewusst machen. Denn große Krisen, wie Kriege um Wasser, könnten nur verhindert werden, wenn jeder Einzelne sich einsetzt. Die Verantwortung könne nicht auf Politiker und Wissenschaftler abgeschoben werden, betont Hack. "Der Klimawandel ist eine kulturelle Herausforderung, weil er Menschen dazu zwingt anders miteinander umzugehen. Als Künstler will ich nicht mit dem erhobenen Zeigefinger dastehen. Ich habe versucht Menschen selber verstehen zu lassen, wie das wäre, wenn auf ihrem Marktplatz ein Klimaflüchtlingslager stünde."
Marktplatz statt Museum
Hack will seine Kunst nicht in abgeschotteten Museen ausstellen. Für ihn ist Kunst Kommunikation, an der viele Menschen teilnehmen sollen. Solche Überzeugungen zeichnen ihn als Schüler von Beuys aus. Seit den 90er-Jahren setzt er sich künstlerisch mit umweltpolitischen und sozialen Problemen auseinander. 1998 legte er vor dem Wahlbüro von Gerhard Schröder einen "Arme-Socken-Teppich" aus, bestehend aus Strümpfen von Obdachlosen. Damit wollte er auf gesellschaftliche Armut aufmerksam machen.
"Gute Kunst ist auch politisch. Gute Politik ist auch gestaltend."
Am 28. Mai wird Hack sein Lager um 11 Uhr in Dresden vor dem Japanischen Palais und am 29. Mai, ebenfalls ab 11 Uhr, im Innenhof des Dresdener Residenzschlosses auf Einladung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden aufschlagen.
Hacks oft provokative Projekte werden mit wachsendem Interesse aufgenommen. Er hat mehrere internationale Preise bekommen. Allerdings gab er 2003 sogar den Atlantis Kunstpreis zurück, weil er sich nicht mit dessen Programm identifizieren konnte. Selbst da bleibt er politisch. "Kunst ist ein Katalysator für unser Zusammenleben. Das ist nicht einfach nur eine Behübschung, ein Petersilienblättchen, wo ein Zuckerguss drüber kommt. Sondern Jeder gestaltet mit an dieser Gesellschaft." (co)
Hören Sie hier einen Beitrag von Annegret Roelcke





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