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Kulturbürgermeisterwahl in der letzten Runde
Die Suche nach einem neuen Kulturbürgermeister für Leipzig dauert nunmehr fast ein Jahr. Heute soll sie ein Ende nehmen. Michael Koelsch und Michael Faber gelten als die aussichtsreichsten Kandidaten.

Kulturbügermeisters
Michael Koelsch
Abbruch der Wahl zum Kulturbürgermeister?
Aufgrund des Protests der Kulturschaffenden wollte Michael Koelsch die Wahl zum Kulturbürgermeister abbrechen und auf einen späteren Zeitpunkt nach der Kommunalwahl verschieben. Dies schlug er Michael Faber in einem Brief vor. Dieser lehnte den Vorschlag ohne Erklärung allerdings ab. Somit werden beide Kandidaten heute nachmittag zur Wahl des Kulturbürgermeisters antreten.
Falls sich der Stadtrat dann nicht auf einen Kandidaten einigen kann, könnte der jetzige Bürgermeister Girardet noch eineinhalb Jahre im Amt bleiben.
Kultur protestiert gegen Kandidaten
In einem offenen Brief lehnten führende Leipziger Kulturschaffende die beiden Bewerber für die Kulturbürgermeisterwahl, Faber und Koelsch, ab. Den Protest-Brief der Kulturschaffenden unterschrieben unter anderem der Gewandhaus-Chef Andreas Schulz, Sebastian Hartmann vom Centraltheater und der Leiter des Dokfilm-Festivals Claas Danielsen. Sie forderten beide Kandidaten auf, ihre Wahl abzubrechen und neue Kandidaten zu suchen.
Die gesamte Führungsschicht der Leipziger Kultur bemängeln die frühzeitige Einigung von Oberbürgermeister, SPD und Linken auf Michael Faber. Der eigentlich Parteilose hätte damit 38 Stimmen für sich. FDP, CDU und Grüne zeigten sich über diese Absprache empört und einigten sich auf die Unterstützung von Michael Koelsch, der 32 Stimmen erhalten würde. Um das Amt des Kulturbürgermeisters zu übernehmen, müssen mindestens 36 der 70 Stadträte für einen Kandidaten stimmen.
Kandidat Michael Faber - Wertebewahrer
Michael Faber
1961 in Leipzig geboren
studierte in Leipzig Germanistik und Kunstgeschichte
war Lektor für Buch- und Buchhandelsgeschichte beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels
arbeitete beim Deutschen Bücherbund in Stuttgart
1990 : Gründung des Verlages Faber&Faber
Derzeit Beirat der Leipziger Buchmesse, Vorstandsmitglied des Leipziger Haus des Buches, Leiter der Agentur "Amundsen"
ist geschieden und hat zwei Kinder
Das Interesse für Kultur hat Michael Faber quasi in die Wiege gelegt bekommen. Sein Vater Elmar Faber war schon vor der Wende einer der bekanntesten Verleger der DDR. 1990 gründete er zusammen mit seinem damals 29jährigen Sohn Michael den Leipziger Verlag Faber&Faber. Der studierte Germanist kehrte nach seiner Tätigkeit als Lektor beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels damit in seine Studienstadt zurück.
Nun hat der Verleger das Amt des Kulturbürgermeisters in Aussicht. Er bezeichnet sich selbst als "Wertebewahrer", der durchaus konservative Ansichten vertritt – dies jedoch nicht im politischen Verständnis.
"Man kann sich sehen lassen"
Für die Leipziger Kultur zeichnet Faber ein positives Bild. Leipzig gibt zehn Prozent des gesamten Haushaltes für Kultur aus. "Damit kann man sich im nationalen Vergleich sehen lassen." Zu verbessern, gäbe es dennoch einiges. "Die nicht besetzte Intendanz an der Oper, die Zukunftsausrichtung von Leipzig: Sind wir nur Musikstadt oder mehr? – es gibt einige offene Fragen."
Ein großes Ziel von Faber besteht auch darin den Ruf der Stadt Leipzig weiter zu stärken. Faber möchte möglichst viele Menschen in Leipzig halten und den Abschied für diejenigen, die nur zeitweise in der Stadt sind, schwer machen.
Kandidat Michael Koelsch - Hobby: Kommunalpolitik
Michael Koelsch
1958 in Freiburg im Breisgau geboren
Studium der Architektur in München
1990 Umzug nach Leipzig
Kulturpolitischer Sprecher der Grünen
Gründungsmitglied Ökologisches Kreativzentrum Sachsen e. V. (ÖKZ)
Der studierte Architekt ist in Freiburg im Breisgau aufgewachsen. Zum Studium ging er nach München, für seinen Beruf 1990 nach Leipzig. Hier beeindruckt ihn bis heute der Leipziger Bürgersinn, der für ihn Grundlage der Geschehnisse 1989 war und der bis heute für ihn spürbar ist. Leipzig ist für Koelsch zu seiner Heimat geworden. Umso geehrter fühlte er sich, als Stadtratsmitglieder ihn für das Amt des Kulturbürgermeisters vorschlugen. "Ich war überrascht und habe um etwas Zeit gebeten um darüber mit meiner Frau nachzudenken und im Resultat kam es zur Kandidatur."
Ziel: Verständnis schärfen
Sollte Michael Koelsch der neue Leipziger Kulturbürgermeister werden, möchte er zunächst das Verständnis der Leipziger für die Großartigkeit der Kultur schärfen und damit die Grundlage für alle anderen Baustellen im kulturellen Bereich legen. Er plant Leipzig als Musikstadt und Stadt der Friedlichen Revolution zu fördern und in der Folge dessen einzelne Baustellen anzugehen. "Die Oper kämpft beispielsweise mit personellen Problemen. Ich möchte einen Zukunftsentwicklungsplan für die Oper aufstellen. Dann stellt sich auch die Frage nach einem neuen Intendanten."
Freie Szene fördern
Die Freie Szene will Michael Faber mit Bezug auf das Bekenntnis des Rates und der Stadt finanziell stark unterstützen. Bis 2013 soll die Freie Szene mit fünf Prozent des Kulturetats gefördert werden. "In der Praxis hat sich allerdings gezeigt, dass dieses Bekenntnis mit Vorsicht zu genießen ist. Ich bin davon überzeugt, dass bei einer linearen Erhöhung von 500.000 Euro pro Jahr wir dennoch jedes Jahr um dieses Geld streiten müssen. Ich stehe aber dahinter und werde als Kulturbürgermeister den Beschluss des Rates sehr ernst nehmen."
Außerdem möchte Michael Koelsch eine Verwaltungsholding für die Kulturinstitutionen gründen. Dabei sollen Teilleistungen der Kulturbetriebe in eine Gesellschaft ausgelagert und gebündelt werden. Mit einer Zentralisierung des überregionalen Marketings und der Verwaltung könnten sich die Kulturbetriebe besser auf ihren Auftrag und ihre Kernaufgabe konzentrieren. Dies hätte auch eine Effizienzsteigerung und Kosteneinsparungen zur Folge. (co)
Hören Sie hier Michael Koelsch im Interview mit Moderator Sven Claas zum angebotenen Abbruch der Kulturbürgermeisterwahl. Außerdem können Sie hier ein Porträt zu Michael Faber von Maria Mathias, ein Porträt zu Michael Koelsch von Mareike Wiemann, sowie Interviews mit beiden Kandidaten für das Amt des Kulturbürgermeisters hören




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