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Die Linke: zwei Jahre Aufschwung dank Marketing?

Dienstag, 16. Juni 2009

Circa acht Prozent aller Deutschen werden bei der diesjährigen Bundestagswahl "Die Linke" wählen. Ein Prozentsatz, der erstaunlich ist, beachtet man, dass die Partei erst vor zwei Jahren gegründet wurde. Das Konzept der Partei scheint also aufzugehen, oder ist doch alles nur knallhartes Marketing?

Das Logo der Partei "Die Linke" (die-linke.de)
Chance genutzt

Vor zwei Jahren verschmolzen die ehemalige PDS und das Protestbündnis "Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit", kurz WASG, zu "Die Linke". Vorreiter dieser Initiative war Oskar Lafontaine, der seine Chance sah als sich deutschlandweit Massenproteste gegen die Arbeitsmarktreform des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder erhoben. Der ehemalige Finanzminister trat dem Protestbündnis WASG bei, wurde in Windeseile ihr Vorsitzender und sorgte dann für die Vereinigung mit der PDS.

Eine Erfolgsgeschichte dank Marketing?

Seit dem 16. Juni 2007, dem Gründungstag der Linken, geht es für Lafontaine und seine Genossen steil bergauf. Grund für diesen Höhenflug ist vor allem das Image der Partei als Vertreter der Armen und Schwachen. Der Protest gegen die herrschenden Zustände und Parteien scheint ein Wählermagnet zu sein. Diese Strategie zeigt sich sogar in der Gestaltung des Parteilogos, wie der Leipziger Werbepsychologe Dr. Mathias Rosenberger meint. "Das Logo über dem Schriftzug ist mir aufgefallen, da es keilförmig ist. Runde Formen erzeugen mehr Wärme und keilförmige, spitze Formen haben doch eher etwas Aggressives in sich."

Protest als Marke

Nicht nur das Logo, auch das gesamte Erscheinungsbild der Partei folgt klassischen Werbestrategien. Das leuchtende Purpurrot des Wappens, die fetten Großbuchstaben und die häufige Verwendung von Ausrufezeichen vermitteln dem potenziellen Wähler vor Allem eines: Hier ist eine Partei, die laut ist, die protestiert, die auch auf populistische Mittel setzt. So kreiert die Linke eine eigene Werbeaussage. So wie die Grünen durch den Umweltschutz oder die CDU durch ihre konservativen Wertvorstellungen, erschafft sich auch "Die Linke" eine eigene politische Marke. Der Werbepsychologe Rosenberger sieht darin eine klare Strategie, mit der die Linke kommerzielle Werbestrategien mit eigenen und fremden Standpunkten verwebt. "Die Linke hat eine eigene Marke entwickelt. Natürlich haben sie wie alle Marken auch Vorteile anderer bestehender Marken infiltriert. Das hat sie auch bewusst gemacht, gerade die linken Aspekte der SPD wurden hier mit aufgenommen."

Unterschiedliche Strategien

Bei den Landtagswahlen und der anstehenden Bundestagswahl fährt die Partei eine durchaus zweigleisige Strategie, um weitere Wählerstimmen zu erhalten. Im Stadtrat in Leipzig z.B. gibt sich die einstige Protestpartei als durchaus moderat und konsensfähig. Bei den Plakaten für die Stadtratswahl verzichtete man sogar auf die Verwendung des Partei-Rots. Dafür strahlten diese in einem angenehmen Blau, der Lieblingsfarbe der Deutschen und Symbol für Seriösität. Auf Bundesebene hingegen beschränkt sich die Linke weiter auf die fundamentale Opposition zu allen anderen Parteien. Der Leipziger Politikwissenschaftler Torsten Preuß sieht darin das größte Problem für künftige Wahlerfolge. "Wenn sie in Regierungsverantwortung kommen, könnten Sie Probleme haben ihre Klientel anzusprechen. Ihre Forderungen sind meistens sehr absolut formuliert und lassen wenig Spielraum für Konsens. Wenn man dann in einer Koalition zum Konsens gezwungen ist, wird das schwierig die eigene Klientel zu befriedigen, oder dass die, die einen gewählt haben sagen: okay, die Wahl war richtig."

Kurzfristige Erscheinung oder langhaltender Erfolg?

Einen unschlagbaren Masterplan hat auch "Die Linke" nicht parat. Das Protestpotenzial in der Bevölkerung scheint kurzfristig Wahlerfolge zu sichern. Langfristig muss die Partei das eigene Bild aber weiter ausdifferenzieren. Dann könne sie sich wirklich als fünfte Kraft in Deutschland etablieren, so der Politikwissenschaftler Preuß. Trotz der programmatischen Schwierigkeiten geht er aber davon aus, dass die Linke dieses Ziel langfristig erreichen wird. "Die Frage wird sein, ob die Linke es schafft ein gewisses Klientel zu binden. Das ist mit diesen überspitzten Forderungen etwas, was es schwierig macht Stimmen zu rekrutieren Aber sie wird sich, denke ich, auf jeden Fall die nächsten zehn, zwanzig Jahre im Parlament halten." (co)

Hören Sie hier einen Beitrag von Alexander Hertel

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