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Berufsrisiko Sicherheit

Freitag, 26. Februar 2010

Mittwochabend, 22 Uhr. Die Moritzbastei im Schatten des Uni-Hochhauses ist in schwaches gelbes Licht getaucht, einige Schneeflocken rieseln herunter. Aus den Katakomben des Clubs kommt Bob. In der Hand eine Tasse Früchtetee.

Bob und sein Kollege am Eingang der Moritzbastei. (Foto: M. Ruge)
Der Kampf mit den Vorurteilen

Bob ist 27 Jahre alt und Türsteher in der Moritzbastei. Er entspricht nicht wirklich dem gängigen Bild vom grimmigen, muskelbepackten Rausschmeißer. Auf seiner Nase sitzt eine Brille, im Gesicht trägt er ein freundliches Lächeln und einen flotten Witz hat er auch immer auf den Lippen. Trotzdem, in jedem Dienst begegnen ihm Vorurteile: „Einige Leute denken, wir sind eh alle bescheuert.“ Doch wer mit dem Sportstudenten ein paar Worte wechselt, merkt schnell, dass Bob dem Vorurteil nicht entspricht.

Gleiche Zeit, anderer Ort. Punkt 22 Uhr meldet sich Security-Mann Danny per Telefon in der Zentrale: Dienstantritt. Von Kneipen und Discos ist der 24-Jährige weit entfernt. Seine Aufgabe heute Abend lautet Gebäudeschutz. Ein Autohaus am Leipziger Stadtrand. Das bedeutet: Stille, Stille, Stille. Das Klischee vom Nachtwächter – alt, mürrisch, mit Taschenlampe – kennt Danny. „Naja, da gibt es schon noch Unterschiede“, sagt der Wachmann. Er ist dick eingepackt, das Thermometer zeigt minus neun Grad. „Ich weiß ja vorher, wo ich Dienst habe, und kann mich entsprechend anziehen“, sagt Danny, dem trotz ungemütlichem Schneegriesel nicht kalt ist. Es ist ein wenig unheimlich, ihn auf seinem Rundgang zu begleiten. Weit und breit keine Menschenseele. Nur das Knirschen des Schnees unter den Füßen ist zu hören. „Man hat Respekt, achtet auf jedes Geräusch und guckt sich dann um“, erzählt Danny, während er das erste Tor öffnet. Ein schauriges Quietschen durchbricht die Stille.

Zwischen Taschenkontrolle und Falschparkern

22:30 Uhr: Still ist es bei Türsteher Bob ganz und gar nicht. Die Schlange vor der Moritzbastei ist länger geworden. Noch 30 Minuten ist der Eintritt frei. Stimmen und lautes Gelächter schallen durch die kalte Nacht. Bob und seine Kollegen haben jetzt gut zu tun. Alle Gäste wollen noch umsonst in den Club. Dennoch müssen sämtliche Taschen auf Getränke und gefährliche Gegenstände überprüft werden. Doch nicht nur in die Taschen blickt Bob ganz genau. „Ich schaue mir die Gesichter der Gäste an und gucke, ob sie schon 18 Jahre alt sind oder nicht. Dann frage ich nach dem Ausweis.“ Manchmal fragt er aber auch einfach 20 Leute nacheinander nach dem Alter. „Einfach, um alle gleich zu behandeln.“

Einsam dreht Danny seine Runden. (Foto: F. Trogisch)

Währenddessen hat Nachtwächter Danny etwa die Hälfte seines ersten Rundgangs absolviert. Eines der Autos steht nicht so gerade in Reih' und Glied, wie es sein sollte, sondern schief mitten auf dem Weg. Um sich abzusichern, macht Danny ein Foto. Einmal pro Stunde geht er über das Gelände, zwischendurch kann er sich in einem kleinen Aufenthaltsraum kurz aufwärmen. Doch auch hier bleibt die Aufmerksamkeit; beim kleinsten Geräusch dreht sich Danny um. Das „Klack“ kam jedoch nur von der Heizung. Viel Aufregendes passiert heute nicht hier draußen. „Hier kann ich auch mal runterkommen, das brauche ich ab und zu“, sagt der Securitymann über seinen entspannten Job. Er hat auch schon wesentlich ungemütlichere Situationen erlebt, zum Beispiel beim Fußball oder am zweiten Januar am Connewitzer Kreuz. „Da geht das Adrenalin von null auf hundert, wenn eine Horde Randalierer auf dich zukommt“, erzählt Danny, der seit 2006 als Sicherheitsmann arbeitet. Verletzt wurde er auch schon einmal: Bei Discorandalen wurde ihm ein Messer in die Seite gerammt, da Danny – unwissentlich – ein Rucksack voller Drogen in den Händen hielt.

Zu tief ins Glas geschaut

In der Moritzbastei wird es meist erst zu späterer Stunde brenzlig. Bob wundert sich immer wieder, wie schnell manche Menschen betrunken werden können. Und wenn Alkohol im Spiel ist, muss der Türsteher auf der Hut sein. Er hat keine besonderen Rechte, um mit aggressiven Gästen umzugehen. Bob darf nur das Hausrecht des Studentenkellers durchsetzen und sich selbst verteidigen. Seine Erfahrungen als Judoka sind dabei manchmal von Vorteil. Spezielle Griffe helfen ihm dann, den Querulanten ohne Verletzungen auf beiden Seiten vor die Tür zu bringen. Bei stark angetrunkenen Gästen muss er zudem entscheiden, ob diese noch alleine ihren Weg nach Hause finden oder besser ärztliche Hilfe zu rufen ist. Bob braucht also über die ganze Nacht einen kühlen Kopf. Meist kommt er nicht vor sechs ins Bett.

Auf die Schultern und los

Wenn Bob im Morgengrauen ins Bett fällt, dann hat Danny erst Dienstschluss. Gegen 23.30 Uhr  macht er sich auf zum nächsten Rundgang – gewiss nicht der letzte heute Nacht. Doch die Gebäudesicherung ist nicht sein einziges Aufgabenfeld. Zu den Highlights zählt für ihn die Überwachung von AC/DC- oder Metallica-Konzerten. „Wenn andere Geld zahlen müssen, bekomme ich noch Geld, um dort zu sein“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Ganz besonders in Erinnerung blieb ihm aber ein Konzert von Peter Maffay. Plötzlich stand ein weinender kleiner Junge vor ihm, der seine Eltern verloren hatte. Zum Glück konnte das Kind ungefähr die Richtung angeben, wo er seine Familie stehen musste, sodass Danny ihn auf die Schultern sackte und losmarschierte. Alles ging gut. „Das ist für mich positiv, da sage ich mir, O.k., jetzt weißt du, wofür du da bist“, sagt Danny.

Hören Sie hier einen Beitrag von Franziska Trogisch und Marcel Ruge:

Beitrag empfehlen: meinVZ

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