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Arbeitslosigkeit als Chance für Kreativität
Sie hängen nur rum, trinken Bier und sind faul. Es gibt viele Klischees über Arbeitslose. Doch nun haben sich Leipziger Arbeitslose zum „Chor La Bohéme“ zusammen getan, um zu zeigen, wie viel Potenzial und Kreativität in ihnen steckt.

(Foto: N. Jukschat)
Kontakt:
Leipziger Chorverband e.V.
Heinrich-Budde Haus in der Lützowstraße 19
Telefon: 0341-4128341
Email: info@chor-la-boheme.de
Homepage „Chor La Bohème“
Entscheidend ist die Freude am Singen
Chorleiter Michael Reuter schiebt die Stühle im Saal des Heinrich-Budde Hauses zu einem Halbkreis zusammen. Dann sortiert er die Notenblätter und legt sie aufs Klavier. „Heute werden wir einen Kanon singen und dann wollen wir schon mal versuchen, mehrstimmig zu arbeiten“, sagt er. Der erfahrene Chorleiter und promovierte Musikwissenschaftler geht ganz unvoreingenommen auf die Arbeitslosen zu – musikalische Kenntnisse seien keine Voraussetzung. Auch wenn er sich über Notenkenntnisse freue, entscheidend sei der Spaß am Singen.
Alle sind willkommen
Langsam füllt sich der holzvertäfelte Raum. Noch etwas scheu tritt ein Sänger nach dem anderen ein. Für einige ist es die erste Chorprobe. Andere waren schon bei der ersten Probe zwei Tage zuvor mit dabei. Chororganisatorin, Sarie Teichfischer, und der musikalische Leiter des „Chor La Bohème“ freuen sich über jedes neue Gesicht. „Wie heißt du?“, fragt Sarie Teichfischer einen Mann mit langen grauen Haaren, der gerade den Saal betritt. „Pjotr“, gibt der zurück. Sie schreibt die fünf Buchstaben auf ein Stück Krepppapier und klebt es ihm auf die Brust. „Schön, dass du da bist.“
Erste musikalische Gehversuche
Dann geht es los. Mit Lockerungsübungen für die Stimme. Michael Reuter stellt sich in die Mitte des Halbkreises. Er macht Geräusche vor, die zunächst etwas verhalten wieder zu ihm zurückkommen. Doch spätestens als er die Möwen der Ostsee imitiert und seine Schützlinge auffordert, es ihm gleich zu tun, fällt die letzte Anspannung und Scheu von ihnen ab.
Ausdauer gefordert
Das erste Lied des Tages ist der Kanon „So wünschen wir uns guten Tag und dass das Singen uns gelingen mag“. Immer wieder lässt Michael Reuter diese Zeile wiederholen. „Das „S“ ist stimmhaft“, sagt er und macht einen Summton vor. Dann wieder fordert er auf, etwas freundlicher zu klingen: „Ihr freut euch doch auf das Singen.“ Das Proben erfordert Ausdauer. Doch die lohnt sich.
Das Ziel steht schon fest
Eineinhalb Stunden später haben die rund 25 Sängerinnen und Sänger ihr erstes großes Erfolgserlebnis. Gemeinsam singen sie zum Abschluss der Probe das israelische Volkslied „Hevenu Schalom alejchem“ - dreistimmig. Die Sänger sind begeistert von ihrem Klang. Und auch Sarie Teichfischer findet, „für das zweite Mal war das großartig“. Sie ist sich sicher: Mit dieser Motivation steht dem großen Ziel, dem Auftritt am 12. Dezember im Leipziger Gewandhaus, kaum noch etwas im Wege. (nj)
Hören Sie hier das Interview von Nadine Jukschat mit Sarie Teichfischer sowie Impressionen von der zweiten Probe des „Chor La Bohème“:




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