Programmvorschau
Kontakt
Tel.: 0341 / 97 37 -962
und -968
Fax: 0341 / 97 37 999
Redaktion Faustschlag
Pistenfahrplan
Etwas ernstere Ausgehtips zu einem etwas wärmeren Wintertag...
Online-Redaktion
Tel.: 0341 / 97 37 976
Fax: 0341 / 97 37 999
online(ät)mephisto976.de
Alte Dame dreht sich wieder
Die Leipziger Messe steht vor einer Neuaufstellung. Doch diese große Herausforderung hat die älteste Messegesellschaft Europas schon einmal sportlich genommen und gemeistert.

Leipzig – letztes Jahr gefeiert als alt ehrwürdige Universitäts- und Heldenstadt, dieses Jahr Musikstadt. Doch fernab der jährlich wechselnden Beinamen steht Leipzig vor allem für eins: seine Messe.
Unübersehbar hoch präsentiert die Messestadt ihr blau-gelbes Symbol, dass bereits bei der Einfahrt in den Bahnhof Besuchern entgegenleuchtet. Doch erst nach eingehender Betrachtung wird klar: das Messelogo dreht sich. Ein passendes Symbol für den Wandel der Messe.
Neustart
Das Messesymbol wirbt seit 1917 für die zahlreichen Messen der Stadt. Dieses Logo, dass mit dem doppelten M immer noch Mustermessen anpreist, ist jedoch das einzige, was die Messe Leipzig nach der Wende beibehielt, als das Messekonzept den westdeutschen Marktbedingungen angepasst werden musste. Helge Löbler, Professor für Marketing und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Leipzig, sieht hierin eine besondere Leistung der Messe Leipzig: »Die Messe Leipzig hatte nach der Wende eine der stärksten Herausforderungen überhaupt, denn sie musste abgesehen von der Buchmesse, völlig neu aufgebaut werden.«
Die Messe bleibt am Ball
Beim Wiederaufbau der Messe erhielten die Leipziger Hilfe aus Düsseldorf. »Auf Bitten des damaligen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf wurde, Kurt Schoob, lange Jahre Chef der Messe Düsseldorf, mit der Neukonzeption beauftragt,« erinnert sich Werner Matthias Dornscheidt, heute selbst Chef der Messe Düsseldorf. 1999 folgte er den Spuren seines Ziehvaters nach Leipzig. Heute sieht und nimmt der ehemalige Messechef Leipzigs die damaligen Vorrausetzungen sportlich: » Die Messe Leipzig hat sich, wenn man es mit dem Fußball vergleicht, in der 2. Bundesliga behaupten können, stand 1999 Platz 7 oder 8 und mit dem neuen Messegelände seit 1996 an einer hervorragenden Position.« Vor allem die exzellente Position des Messegeländes innerhalb der neuen Bundesländer sieht Dornscheidt noch heute als entscheidenden Vorteil und Punktgarantie der Leipziger Messe.
Die Messe als Wirtschaftsmotor der Stadt
Den ausgedienten Mustermessen folgte das Konzept der Fachmesse. Hier präsentieren sich Unternehmen, die Szenerie lockt Besucher in die Stadt. Gastronomie, Verkehrsbetriebe, Taxi- und Hotelgewerbe profitieren gleichermaßen vom Ereignis »Messe«. Die Messe Leipzig erinnert gern an diese so genannten Synergieeffekte oder Umwegrendite: jeder in die Messe gezahlte Euro schaffe auf diese Weise rund 5 Euro Gewinn im Umland.
Grund genug für Leipzig, sich eine Messe zu halten. Und das muss die Stadt auch, denn sie ist gemeinsam mit dem Land Sachsen Anteilseigner der Messegesellschaft. Vertreter von Stadt und Land entscheiden daher jährlich über die strategische Verwendung ihrer Gelder. Das ist in Deutschland keine Seltenheit, denn nur drei der 70 bundesweiten Messegesellschaften wirtschaften eigenständig.
Dazu zählt auch die Messe Düsseldorf. Dornscheidt betont hingegen, dass dies jedoch nicht unbedingt das Hauptkriterium sei, um eine Messe zu halten. »Was eine Messe schaffen muss, sind internationale Besucher und Aussteller auf die Messe zu bekommen, denn Synergieeffekte und Internationalitätsgrad sind nun einmal die Argumente, warum eine Stadt eine große Messe hält.«
Erschwerte Bedingungen
Bis 2009 haben das in Leipzig die Computerspielmesse Games Convention und die Automesse AMI gewährleistet. In einem umstrittenen Spielzug wechselte die Games Convention 2009 nach Köln, die AMI soll aufgrund fallender Besucherzahlen und Umsätze 2010 nur noch alle zwei Jahre stattfinden. Zudem musste die Stadt der Messe am Ende des Krisenjahres 2009 zusätzlich 3,7 Mio. Euro zuschießen.
Dass es sich auch unter diesen erschwerten Startbedingungen lohnt, die Messe zu halten, davon ist Prof. Löbler überzeugt: » Die Messe Leipzig kann ihre Angebote fokussieren und somit ein klares Leistungsprofil entwickeln. Damit wird sie sich eindeutig am Markt positionieren und bleibt somit für die Nutzer attraktiv.«
Auch die Leipziger Messe hat auf die veränderten Bedingungen reagiert. Sie verstärkt ihren Fokus auf Veranstaltungen im Ausland, etablierte Messen werden unter leicht veränderten Bedingungen weitergeführt. Zusätzlich seien neue Messen geplant.
Neuaufstellung
Letztendlich entscheiden aber Stadt und Land, ob und unter welchen finanziellen Bedingungen die Umstrukturierungen und Neukonzeptionen der Messe realisiert werden. Vertreter beider Gesellschafter diskutieren derzeit im neu gewählten Aufsichtsrat der Messe, welchen Betrag sie der Messe für Neukonzeption und Umstrukturierung zur Verfügung stellen werden. Axel Dyck (SPD) als Stadtratsmitglied im Messeausschuss erklärt: »Es ist Aufgabe der Gesellschafter, die Verluste zu kompensieren, damit die
Zuschüsse, die mit Land und Stadt vereinbart sind, 2010 nicht noch weiter ausufern.«
Dass die Messe Zuschüsse benötigt, steht auch für Dr. Lothar Tippach (Die Linke), ehemaliges Messeausschussmitglied, außer Frage: »Ohne Zuschüsse würde es wiederum keine Umwegrentabilität geben und viele kleine Dienstleister könnten nicht überleben.«.
Taktik
Zusätzlich zu den geplanten, aber noch nicht bewilligten Neuerungen der Messe sieht Dr. Joachim Fischer (SPD), ebenfalls ehemaliges Ausschussmitglied, Potential im Ausbau des Kongressgeschäftes, da dieses momentan überwiegend ausgelastet sei. Hier ist jedoch zu bedenken, dass 2009 die Kongresse nicht mehr als 15 Prozent des Messegeschäftes ausmachten.
Die Neuaufstellung der Messe sieht auch Dornscheidt positiv: »Eine Messegesellschaft wie Leipzig kann überleben. Es kommt darauf an, wer an der Spitze steht. Herr Buhl-Wagner macht sicherlich einen sehr, sehr guten Job. Aber ich bin davon überzeugt, dass man noch jemanden braucht, der vielleicht im Marketingbereich die Messe Leipzig nach vorne bringt.» Die Suche nach einem zweiten Geschäftsführer für die Messe Leipzig hält er in diesem Zusammenhang weder für praktikabel noch auf Dauer tragbar. Schließlich sollte eine Mannschaft nur einen Kapitän haben.




Beitrag empfehlen / kommentieren
Kommentar abgeben