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Zugang zu sächsischen Gymnasien soll erschwert werden

Dienstag, 09. Februar 2010

Sachsens Bildungspolitiker der CDU/FDP-Koalition haben sich gestern darauf geeinigt, den benötigten Notendurchschnitt für den Wechsel aufs Gymnasium von 2,5 auf 2,0 zu ändern. Damit würde ein Wechsel nach der vierten Klasse erschwert.

(Grafik: mephisto97.6/M. Peikert)
Der benötigte Notendurchschnitt in Mathe, Deutsch und Sachkunde: 2,0

Bisher reichte ein Schnitt von 2,5 in Mathe und Deutsch, um nach der vierten Klasse eine Empfehlung für das Gymnasium zu erhalten. Das soll, wenn es nach Sachsens Bildungspolitikern geht, ab 2011/12 schwerer werden. Denn dann soll ein Notendurchschnitt von 2,0 gelten. In die Wertung wird das Fach Sachkunde einbezogen. Zudem dürfte der angehende Gymnasiast in keinem der Fächer schlechter sein als 3,0.

Teil der Studierfähigen soll erhöht werden

Jens Weichelt, Landesvorsitzender des sächsischen Lehrerverbandes, begrüßt die Entscheidung der Politiker, denn insgesamt werde diese Bildungsempfehlung die Qualität der Mittelschulen und Gymnasien erhöhen. Langfristig erhofft er sich, dass der Anteil der Schüler mit Abitur steigt und damit mehr Schülern der Zugang zu Hochschulen ermöglicht wird.

Der Druck werde erhöht und pädagogisch sei die Empfehlung nicht sinnvoll

Katja Koch, Schulpädagogin und Wissenschaftlerin, beschäftigt sich in ihrer Forschung mit dem Übergang von Schülern von der vierten zur fünften Klasse. Sie bewertet das frühe Aussortieren der Schüler nach Leistung als pädagogisch nicht sinnvoll. Lern- und Lebenswege würden früh getrennt und der Bildungsaufstieg erschwert. Zwar gäbe es die Chance, sich in der sechsten Klasse erneut für das Gymnasium zu empfehlen, was aber in einem Umfeld mit eher schwächeren Schülern eher unwahrscheinlich und schwerer werde. Sie weist auch darauf hin, dass Deutschland mit dieser Bildungspolitik in Europa (bis auf die Schweiz und Österreich) allein steht. Koch schlägt vor, lieber andere Formen des Unterrichts zu finden und anzuwenden, denn eine gute Schulbildung sei nicht mit homogenen Leistungsklassen zu erreichen, sondern eher durch individuelleres Lernen.

Sinkende Abiturientenzahlen nicht durch Leistungsdruck zu stoppen

Kritisch steht auch Sabine Gerold, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, den Absichten der Politiker gegenüber. Sie spricht sich für längeres gemeinsames Lernen aus und betont, im bundesweiten Vergleich stünde Sachsen mit diesem Beschluss neben Bayern allein. "Wir möchten den Zugang zum Gymnasium so offen wie möglich lassen, damit mehr junge Menschen die allgemeine Hochschulreife erreichen können", so Gerold.

Die Bildungsempfehlung der Bildungspolitiker wird noch in vielen Gremien und im Landtag diskutiert werden, bevor eine abschließende Entscheidung fällt. Frühestens im Schuljahr 2011/12 könnten dann die neuen Notenvorgaben eingeführt werden.  (Moritz Peikert)

Hören Sie hier einen Beitrag von Thomas Otto:

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